Autor: Filou Thema: Kommunikationsregeln - worum geht es eigentlich?  (Gelesen 1277 mal)

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Offline Filou

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Kommunikationsregeln - worum geht es eigentlich?
« am: August 04, 2013, 23:00:29 Nachmittag »
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« Letzte Änderung: August 29, 2013, 23:06:38 Nachmittag von Filou »

Florida

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Re: Kommunikationsregeln - worum geht es eigentlich?
« Antwort #1 am: August 05, 2013, 00:27:15 Vormittag »
Zunächst: Du kommunizierst immer!
Ich sehe dich zufällig als Fremden: Deine Kleidung sagt mir sofort, wieviel Wert du dir bist (nicht der Wert der Kleidung, sondern was und der Zustand).
Deine Haltung drückt das ebenso aus, selbst in Badehose: läufst du gerade mit erhobenem Kopf oder "zusammengerollt" an mir vorbei.
Mimik: Augenbewegung wie: unsicher, wegguckend oder mich hin und wieder fixierend, wenn ich dich nach der Uhrzeit frage....
Deine Stimme: fest, unsicher, kräftig,leise....
Deine gesamte Reaktion, wenn ich dich frage, wobei mir mein Unterbewußtsein im Bruchteil einer Sekunde mir alle Fragen beantwortet und ich sofort weiß:
symathisch, unsympathisch, eine starke Person oder "den steck ich ggf. in Nullkommanix indie Tasche".
Du hast also schon vorab mit deinem Umfeld kommuniziert: Ich-der Alpha! oder Laß mich bloß in Ruhe!-Typ.
Und so rede ich dann auch mit dir, ganz wie es mir mein Unterbewußtsein vorgibt. Und deins sagt dir sofort, was ich von dir halte.

Nun zu deinen Problemen:
Zu aller erst: Lohnt es sich, daß ich mich (darüber oder wegen dieser Person) aufrege?
2.- Ist jemand laut, hört nicht zu, dann sofort Gespräch beenden mit der Ansage: In diesem Tonfall nicht! Wenn wir uns ruhig unterhalten können, dann gerne - aber so nicht! Situation verlassen und durchatmen. (Wirst du später bei deinen pubertierenden Kindern brauchen - meine Erfahrung bei Festgefahrenem )
3- Jede Botschaft kann nur einem von vier Aspekten "gesendet" worden sein, demgegenüber wird sie von nur einem dieser vier Aspekte "empfangen".
Das bedeutet, daß es hier sehr schnell zu Mißverständnissen kommt. Hier ein Link dazu, es gibt aber dazu viele Informationen im Internet (wegen deinem "schnell beleidigt fühlen")  http://www.google.de/imgres?q=vier+ohren+modell&sa=X&biw=1280&bih=542&tbm=isch&tbnid=TsXoRPS9OZ5qoM:&imgrefurl=http://www.pflegewiki.de/wiki/Vier-Ohren-Modell&docid=jpikPWj7a1MoDM&imgurl=http://www.pflegewiki.de/images/thumb/0/01/VierOhrenModell01.jpg/400px-VierOhrenModell01.jpg&w=400&h=386&ei=Msv-UZ6PBdHwtQb8qYCQBw&zoom=1&iact=hc&vpx=4&vpy=80&dur=2768&hovh=221&hovw=229&tx=121&ty=124&page=1&tbnh=141&tbnw=146&start=0&ndsp=15&ved=1t:429,r:5,s:0,i:104
Ein Rat: Wenn ich feststelle, daß das Wetter heute mies ist, mußt du mir nicht erklären, daß du deinen Spinat nicht aufgegessen hast. Ich bleibe dabei, daß es mies ist und du mußt mir nicht erklären, warum du Spinat nicht magst.... Das Wetter finde ich trotzden mies - verstehst du?
Also DU mußt gar nicht gemeint sein ( Ein vorsichtiger Gedanke von mir: google mal narzistische Persönlichkeitszüge oder geringer Selbstwert....die Richtung ob du dich da ein bißchen wiederfindest, muß aber nicht sein)
Nur, kommt eine Botschaft als Beleidigung an, dann brich das Gespräch ab und überlege, ob sie eher Sachliches oder Beleidigendes enthält.
Dem Gegenüber machst du das Gespräch schwierig, weil jede Bestätigung von Sachlichkeit ja als weitere Beleidigung verstanden werden könnte.
4.-Eine Auseinandersetzung, ein Konflikt kann auch "stehenbleiben", erst mal ungeklärt ruhen.
5.-Kontrolliere dich nicht zu sehr, wenn es ums kämpfen geht. Geh aus dir raus, sei unbeleidigt und bleibe sachlich am Punkt ohne Vorwürfe gegen den anderen. (Wie es dir geht, wenn wir uns streiten - wobei ich dich sachlich mit Argumenten, dabei niemals mit Was-wäre-wenn zu erschlagen versuche -
interessiert mich dabei nicht die Bohne! Hau mir sachliche Argumente um die Ohren ohne Wenn und Aber - und siege!) Man muß sich nicht immer einigen, sich gegenseitig entgegen kommen müssen.
6.-Wenn dir erst nach einem Streitgespräch gute Argumente einfallen, dann dehne das eigentliche nicht hinaus.
Sammel deine Argumente, indem du sie aufschreibst (dann mußt du sie im Kopf nicht festhalten) und schau sie dir vor dem nächstem klärendem Gespräch an, somit bist du gut vorbereitet....
7.-mehr fällt mir jetzt nicht ein....noch Fragen?

Deine Regeln lesen sich gut und brav, doch nicht jeder weiß sie zu schätzen oder nimmt sie gar für sich.
PS: Während meines Fachschulstudiums nahm mich mal die Direktorin zur Seite. Also ich war hochaktiv, kümmerte mich um so viel Aufgaben, wollte immer die Allerbeste sein, hochgelobt Anerkennung finden.
An dieses Gespräch denke ich manchmal heute noch: Ich hätte meine Latte des Selbstanspruchs außerordentlich hoch gelegt. Sie wollte mir nahelegen, daß andere neben mir niemals auch nur annährend an diese Latte herankommen können, da für sie ihr Bestes weiter unten sei.
Und deswegen sollte ich auf diese anderen nicht herabsehen, denn sie tun für sich IHR Bestes.
Dies hat mir später oft geholfen, entspannter zu sein.....Vielleicht kannst du auch damit etwas anfangen.....

Offline Emirades

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Re: Kommunikationsregeln - worum geht es eigentlich?
« Antwort #2 am: August 05, 2013, 18:38:39 Nachmittag »
Kommunikationsregeln sind Orientierungshilfen, um den Ablauf von Kommunikationssituationen besser zu verstehen und den dabei ablaufenden Prozess erkennbar zu machen. Sie sind so etwas wie Vorlagen und Muster, aber Muster und Vorlagen sind keine Lösungen. So wie es rund 160 Definitionen darüber gibt, was denn Kommunikation eigentlich sei, gibt es auch eine Vielzahl an Kommunikationsmodellen mit unterschiedlichen Ansätzen und Gewichtungen. Allesamt sind sie hilfreich und zutreffend. Was lernen wir daraus? doch nur, das Kommunikation sehr vielschichtig ist und sich nicht in ein einziges Modell zwängen lässt.

Regeln sind gut, wenn sie allgemeinverbindlich sind. Aber auch wer einen Führerschein besitzt, die Signale, Symbole und Verkehrsregeln kennt, ist nicht automatisch ein guter Fahrzeugführer.
Gleiches gilt für die Kommunikation und dafür gibt es keinen Führerschein - also keine Regeln, die der andere schön beachtet, keine Polizei und keine Knöllchen.
Sogar Leute, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, neigen dazu, in Fettnäpfchen zu stampfen. Häufig sind das die selben Zeitgenossen, die an Multitasking glauben und in ihrer Gläubigkeit zur Selbstüberschätzung neigen. Natürlich kann man reden, ohne dabei zu denken und natürlich glaubt man, man könne dabei noch Radio hören, Zeitung lesen und bügeln oder Blumen gießen. Dass dabei irgendetwas zu kurz kommt, blenden wir einfach aus bzw. ist es eigentlich so, dass wir uns immer nur einer Sache voll zuwenden, blitzschnell aber auf eine andere umschalten können. Dass uns dabei Sekundenbruchteile entgangen sind bemerken wir nicht und sind der Meinung alles gleichzeitig gemacht zu haben.

So kommt es gar dazu, dass wir etwas sehen, was gar nicht da war, weil unser Gehirn Dinge abgleicht und automatisch vervollständigt.
So hören wir manchmal Untertöne, die gar nicht da waren und reagieren mit unserer empfindsamen Seele auf Verletzungen, die gar nicht stattgefunden haben.
Manchmal begegnen uns Worte, die wir in die falsche Schublade stecken und die wir als Regelverstoß bewerten, obwohl sie eine andere Bedeutung hatten.
Ja, durchaus: Kommunikation ist eine schwierige Angelegenheit - und wer das Wort Pflaumenaugust mit einem Ohr aufschnappt, mag meinen, er sei damit gemeint und müsse darauf beleidigt reagieren. Immerhin kann damit eine männliche Person, die keine eigene Meinung hat und mit der man nichts anfangen kann, oder ein dummer, langweiliger, inkompetenter Mann gemeint sein. Was aber, wenn der Westfale diesen Ausdruck in liebevoller Weise gebrauchte und damit einen durchaus sympathischen Menschen mit ungewöhnlichen Gewohnheiten umschreiben wollte?

Im Nachhinein weiß man alles besser. Das geht nicht nur dir so, lieber Filou. Im Nachhinein fliegen einem die passenden Worte zu, um andere so richtig abzuwatschen. Aber wäre es tatsächlich nötig gewesen, seinem Unmut mal ganz hemmungslos freien Lauf zu lassen? Man soll ja nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen und deshalb ist es oft ganz gut, dass unser Gehirn Zeit braucht, um Nachzudenken. Vordenken ist dabei allerdings von Vorteil. Ein: "Danke für deine Meinung" und: "ich möchte das im Augenblick nicht weiter diskutieren", oder ein: "ich werde das mal überdenken", sollte man griffbereit haben, um Situationen nicht eskalieren zu lassen.



Das Inferenz-Modell nach Sperber & Wilson

Es fließt keine Mitteilung vom Kommunikator zum Interpreten, sondern der erste produziert eine Mitteilung,
die vom zweiten interpretiert wird. Der Adressat konstruiert aus der Mitteilung seine Botschaft.
Etliche Bestandteile der Botschaft werden nicht ausdrücklich übermittelt, sondern werden vom Adressaten erschlossen.

Beide Kommunikanten besitzen Weltwissen, Situationswissen und Wissen über das jeweilige Zeichensystem (Kode).
Um kommunizieren zu können, überlappen sich die Wissensbestände teilweise, aber sie fallen nie zusammen.
Damit ist die Fehlbarkeit der Kommunikation eingebaut.



Ein guter Rat:


Lerne alles, was du kannst, über die Verbesserung der Kommunikation. Aber: Wenn du einem anderen gegenübersitzt, vergiß die Theorie.
Stelle dich auf den Menschen ein, nicht auf die Nachricht!" (Birkenbihl, 1987, S. 188)
Wer Glück sucht
muß sich zuerst selbst finden.

Offline Filou

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Re: Kommunikationsregeln - worum geht es eigentlich?
« Antwort #3 am: August 05, 2013, 20:07:27 Nachmittag »
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« Letzte Änderung: August 29, 2013, 23:06:56 Nachmittag von Filou »

Offline krabbi

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Re: Kommunikationsregeln - worum geht es eigentlich?
« Antwort #4 am: August 06, 2013, 00:57:07 Vormittag »

Ein guter Rat:


Lerne alles, was du kannst, über die Verbesserung der Kommunikation. Aber: Wenn du einem anderen gegenübersitzt, vergiß die Theorie.
Stelle dich auf den Menschen ein, nicht auf die Nachricht!" (Birkenbihl, 1987, S. 188)
:good: :gb: :clapping:

eine konstruktive kommunikation verläuft (fast) nie so, wie man es erwartet.
so verschieden die menschen sind, so verschieden sind die meinungen/ansichten/empfindlichkeiten/......
   Und schon da vorne küsst das Salzwasser den Sand

Offline Filou

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Re: Kommunikationsregeln - worum geht es eigentlich?
« Antwort #5 am: August 23, 2013, 20:12:08 Nachmittag »
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« Letzte Änderung: August 29, 2013, 23:07:10 Nachmittag von Filou »

 

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