Autor: esse-est-percipi Thema: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011  (Gelesen 5073 mal)

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eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« am: Dezember 05, 2011, 10:22:57 Vormittag »
Hallo zusammen,

also nach unserem Photowettbewerb bin aus zwei Gründen enttäuscht: 1. er ist schon vorbei, 2. bis zum nächsten ALiQs-Photowettbewerb im Herbst 2012 ist es noch sooo lange hin.  :cray:  :laugh:

Und nach unserem Photowettwerb bin ich aber noch mehr froh. Danke an Jury (die einen harten Job hatte) und Community für die positive Bewertung für meine Photos. Danke aber noch mehr an alle, die hier wirklich phantastische Bilder eingestellt haben, die ich mir jetzt schon oft angeschaut habe. Ich will hier in diesem Thread diejenigen Bilder kurz vorstellen, die mir am besten gefallen haben und mich dabei auf zwölf beschränken, was extrem schwer fällt. Gerne beantworte ich auch Fragen zu meinen Photos, wenn gewünscht.

Also los geht's.

Liebe Grüße
esse-est-percipi
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2011, 14:55:22 Nachmittag von esse-est-percipi »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #1 am: Dezember 05, 2011, 10:24:41 Vormittag »
213 Vater und Sohn.... (berlinerpflanze)



Über dieses Bild kann man zu Recht sagen: die Farben sind flau, es ist an keine Stelle wirklich scharf und das Licht ist flach. Dennoch halte ich dieses Photo für eines der stärksten im Wettbewerb, weil es hier auf die technische Perfektion nicht ankommt. Was besticht und anrührt, ist das Motiv und der eingefangene Moment. Mann und Kind sind einander im Halblicht zugeneigt. Beide zeigen einander Neugierde und Offenheit. Das Hochheben des Kindes erlaubt das gegenseitige Betrachten auf Augenhöhe bzw. der Sohn kann sogar bequem auf den Vater herabblicken. Die Nasen und Augen der beiden verbindet eine imaginäre Linie. Dieses Photo ist authentisch und drückt für mich eine sehr ruhige intime Situation aus. Auf die technische Qualität kommt das nicht so an. Unglaublich starkes Bild.


*** Bild neu hochgeladen, gez. Petra

« Letzte Änderung: Oktober 22, 2015, 06:47:52 Vormittag von Petra »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #2 am: Dezember 05, 2011, 10:34:30 Vormittag »
485 Achtung - Tiefflieger! Kopf runter!  (Ugge)



Auch dieses Photo halte ich für eines der besten im Wettbewerb 2011. Was hier toll harmoniert, sind die warmen Farben, diese Gelb- und Okkertöne und das Format des Photos. Es ist eines der ganz wenigen Photos im Wettbewerb, das (annähernd) quadratisch ist. Dieser Schnitt sorgt für Stabilität und Ausgeglichenheit. In diesem Rahmen bringt die Schrägläge des Flugzeugs eine besondere Dynamik und wirkt viel besser als auf einem Hoch- oder Querformat. Ein schönes Detail: die Belichtungszeit war kurz genug, um im Bild für eine ausreichende Schärfe der sich ja bewegenden Maschine zu sorgen, aber auch lang genug, so dass die Propeller leicht verwischen und nicht in ihrer Bewegung eingefroren wurden. Auch das verleiht dem Bild seine Lebendigkeit. Der Horizont liegt schön unten und gibt den Blick frei in den Himmel und auf das Hauptbildelement: das Flugzeug. Vorderer Horizont (Bäume) und Tragflächen laufen aufeinander zu und bilden ein Dreieck. Das gibt eine symmetrische Bildwirkung zwischen oben und unten. Bärenstarke Aufnahme. Nur der Titel ist etwas flapsig.
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2011, 12:47:53 Nachmittag von esse-est-percipi »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #3 am: Dezember 05, 2011, 10:41:37 Vormittag »
360 Platz für meinen Schattenkopf gefunden! (Geier-Wally)



Dieses Photo zeigt auf den ersten Blick nichts besonderes, man muss sogar erst durch den Titel etwas mit der Nase darauf gestoßen werden, aber es ist ein starkes Photo. Es lebt von der Originalität, hier: der Interaktion zwischen dem Photographen und dem Photographierten. Üblicherweise achtet man beim Photographieren nämlich darauf, nicht selbst im Bild zu sein; sei es als Schatten oder in einer Spiegelung. Das ist aber oft gar nicht so einfach. Hier wurde der Spieß einfach umgedreht und der Photographierende mit ins Motiv genommen - und das so dezent und präzise zugleich. Ein Bild zum Schmunzeln. Mir gefallen aber zwei Gegensätze sehr gut, nämlich zwischen scharf (Schilf/Pflanzen und Wasser) und unscharf (Schatten) und zwischen hell (vordere Wand = Projektionsfläche) und dunkel (Schatten, Geländer, Photograph). Klasse "Selbstbildnis".



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« Letzte Änderung: Oktober 22, 2015, 06:52:02 Vormittag von Petra »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #4 am: Dezember 05, 2011, 10:48:19 Vormittag »
44 (Boettcher2)




Dieses Photo muss man einfach mögen. Farblich beschränkt es sich im Wesentlichen auf blau und weiß. Photos mit wenig Farben wirken oft gut. Aber es gibt auch zwei schöne Gegensätze, die hier miteinander verschmolzen werden: nah (Zweig, wenige cm) und fern (Mond, 150.000 km), und scharf (Schnee/Reif) und unscharf (Mond). Mond und Schnee werden durch ihre Weißtöne gleichzeitig zusammen gehalten und sind optisch in eine Nähe gerückt. Beide werden von rechts aus beleuchtet (zunehmender Mond und Zweige). Beides ist Natur, beides können wir sehen. Beides hat daher mit uns zu tun. Beides ist Schönheit. Ein wirklich gelungenes Photo. Großartig.



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« Letzte Änderung: Oktober 22, 2015, 06:52:50 Vormittag von Petra »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #5 am: Dezember 05, 2011, 11:00:35 Vormittag »
91 Mein Mann und das Meer (Kringelkeks)



Auch dieses Photo ist unglaublich gut. Von oben kommt eines schönes Restlicht, die drei dünnen Wolkenstreifen verleihen Tiefe und Ferne. Landschaft und Wasser sagen uns, wo wir uns befinden. Die Farben strahlen unglaubliche Ruhe und Wärme aus, und doch tut sich etwas: der Mann hält die Rute, ist nicht passiv, er angelt, in Gedanken verlängert man das Bild nach rechts, wo der Haken im Wasser hängt und auf Fische lauert. Die Körperhaltung ist stabil, die Arme konzentrieren sich auf das Angeln. Der Bildaufbau ist klasse, man kann sogar die Spule sehen. Schön auch, dass man unten links sogar noch Details der Steine, des Kieses im Vordergrund erkennen kann. Dadurch ist das Bild dynamischer als ein reiner Scherenschnitt. Die Gegenlichtsilhouette ist ja oft ein Klischee, aber hier vom Hut über Arme und Rute und Rumpf bis zu den Füßen unglaublich stimmig und angenehm eingefangen. Wirklich großartiges Bild.


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« Letzte Änderung: Oktober 22, 2015, 06:53:40 Vormittag von Petra »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #6 am: Dezember 05, 2011, 11:08:32 Vormittag »
454 (Banana-Bender)



Banana-Bender hat wirklich eine Vielzahl großklassiger Aufnahmen abgeliefert. Kurz vor Toresschluss des Wettbewerbs wurden damit noch einmal wahre Glanzlichter gesetzt. Danke dafür. Ich habe dieses Bild als meinen Favoriten ausgesucht, weil es irreal-real wirkt und pure Schönheit ausdrückt. Der hell-dunkel-Verlauf von unten rechts nach oben links begeistert mich ebenso wie die wesentliche Zweifarbigkeit aus Rot- und Blautönen. Die roten Objekte wirken wie extraterrestrische Pflanzenarten. Man weiß gar nicht, was das ist, denkt auch nicht an ein menschengemachtes Kunstwerk sondern an eine Art eigene Realität. Trotz leichter Schwächen im Schärfebereich bei den roten Objekten (vielleicht liegt das aber auch an der komprimierten Wiedergabe im Internet) ist es großartig, dass es gelungen ist, auch den Sternenhimmel auf den Sensor zu bannen. Der Photograph hat sich bewusst die blaue Stunde für seine Aufnahme gewählt und eine faszinierende bildliche Realität geschaffen. Klasse.
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2011, 12:01:59 Nachmittag von esse-est-percipi »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #7 am: Dezember 05, 2011, 11:17:18 Vormittag »
47 (Boettcher2)




Auch dieses wunderschöne Photo wirkt wie eine eigene Realität. Was sieht man eigentlich? Vorhänge aus Eis. Gefrorene Wasserstrahlen. Wucherndes Kaltes. Farbphoto, und doch fast schwarz-weiß. Nur am Horizont ein wenig Hellblau. Das eisüberzogene Holz hat keine Funktion - außer als Gerüst, Stütze zu dienen. Schön auch die Tiefenperspektive. Nicht einfach frontal draufgehalten, sondern von der Seite herangegangen, in die Tiefe photographiert, gute Schärfentiefe dabei hergestellt durch ausreichend geschlossene Blende. Eine wunderschöne, unwirklich-wirkliche Winterlandschaft.


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« Letzte Änderung: Oktober 22, 2015, 06:54:25 Vormittag von Petra »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #8 am: Dezember 05, 2011, 11:25:42 Vormittag »
132 Flugzeug-Turbine (Ugge)



Es gehört zum Wesen des Photographierens, dass man mit der Photokamera die Wirklichkeit ausschneidet. Das, was man dann auf dem Photo sieht, ist seines Zusammenhanges beraubt, zudem erlebt der Betrachter ja nicht dasselbe wie der Photograph, der in eine konkrete Situation des Vorher-nachher eingebunden ist. Das kann man sich als Photograph zu Nutze machen. Das sind jedenfalls meine Gedanken bei diesem Photo. Als ich es zum ersten mal sah, hatte ich keine Ahnung, was ich da eigentlich sehe. Vorne eine Metallmanschette mit hellen Lilatönen(!), darunter eine Art grüner, gemusterter Schlund, an dessen Ende drei konzentrische Kreise. Wie? Was? Ich mag solche Photowirkungen, wenn der Betrachter seine Blicke durch das ihm Unbekannte wandern lässt. Die Auflösung bringt erst der Titel. Aha, Flugzeug-Turbine. Ein Triebwerk. Hat man selbst da schon einmal hineingeguckt? Vielleicht. Sah das so aus? Keine Ahnung. Das Photo bleibt ohne Kontext. Man sieht kein Flugzeug, kein Rollfeld, keine Halle oder sonstiges. Nur diesen Schlund. Und der wirkt.
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2011, 12:04:15 Nachmittag von esse-est-percipi »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #9 am: Dezember 05, 2011, 11:32:27 Vormittag »
258 Smoking (Marc)



Eines der wenigen s/w-Bilder des Wettbewerbs, aber ein tolles Stilleben. Eine weit abgebrannte Zigarette. Der Raucher oder die Raucherin? Nicht zu sehen. Nicht relevant. Hier geht es um den Gegenstand. Und der ist stark eingefangen. Das Bild hat eine ungemein graphische Wirkung, dadurch dass die Zwischenräume der Holzplanken gegen die Richtung der Zigarette laufen. Der Schärfeverlauf unterstützt diesen Gegensatz. Fast alles im Bild ist unscharf und damit Hintergrund. Scharf ist allein die abgerauchte Asche, die das Bild komplett beherrscht. Starker Vertreter der Stillebenphotographie. Super Bild. Sehr konzentriert.
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2011, 12:05:31 Nachmittag von esse-est-percipi »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #10 am: Dezember 05, 2011, 11:37:10 Vormittag »
345 Herbstlaub (Geier-Wally)



Geier-Wally hat zahlreiche unwiderstehliche Photos beigesteuert. Dieses hier ist mein Favorit. Wie das von hinten beschienene gelbe Blatt als Projektionsfläche für Licht und Schatten fungiert, ist schon toll gesehen und mit perfektem Bildaufbau festgehalten. Das Photo ist zwangsläufig nur unten in der Mitte scharf, wo es einen kleinen Durchblick nach hinten gibt, was den Leinwandcharakter des Blattes erst so richtig deutlich macht. Eine herbstliche Zauberwelt ist hier zu sehen, die es mir sehr angetan hat.
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2011, 12:06:02 Nachmittag von esse-est-percipi »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #11 am: Dezember 05, 2011, 11:43:38 Vormittag »
323 Bremerhaven - SAIL 2010 bei Nacht (Teufelchen)




Dieses Bild ist für die Dunkelheit ziemlich gut getroffen, denn zum einen kommen die Lichter der Gebäude, der „Zivilisation“, gut zum Ausdruck, aber zum anderen auch die Lichter der Ferne, der „Natur“, der Spalt in den wilden, dräuenden Wolken. Mich fasziniert an dem Photo dieser Gegensatz von technisch-kühler und geordneter Zivilisation im Vordergrund und unbändiger Natur im Hintergrund. Das Bild kippt etwas nach rechts, man könnte es rechts um 1° anheben und die Mauer am rechten Bildrand wegschneiden, um noch mehr Wirkung zu erzielen. Aber insgesamt: Tolle Aufnahme, die das Düstere und das Belebte zusammenbringt.


*** Bild neu hochgeladen, gez. Petra
« Letzte Änderung: Oktober 22, 2015, 06:55:32 Vormittag von Petra »
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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #12 am: Dezember 05, 2011, 11:50:02 Vormittag »
147 "Hubschrauber" trifft auf bekannte Automarke....  (Ugge)



Last but not least: Ugges Libellenphoto! Mit Ausrufezeichen. Großartiges Motiv, aber auch toller Bildaufbau, das die Diagonale von links unten nach rechts oben nutzt. Genauso wandert ja auch oft unser Blick. Der Mercedesstern braucht dabei gar nicht ganz zu sehen zu sein. So wirkt es viel stärker. Die Libelle spielt mit eleganter Köperhaltung ebenfalls mit. Der Farbkontrast zwischen dem roten Insekt und der blauen Kühlerhaube ist schon besonders. Schöne Details: das Aufblitzen der Sonne im Metall; die Spiegelung eines Baumes auf dem Fahrzeug. Schärfe, Kontrast, Tiefenschärfe: perfekt. Tolle Arbeit. Chapeau! Nochmals Ausrufezeichen.
« Letzte Änderung: Dezember 05, 2011, 12:07:45 Nachmittag von esse-est-percipi »
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Offline Petra

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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #13 am: Dezember 05, 2011, 12:29:34 Nachmittag »
Wunderbare Beschreibung, sehr schön e-e-p!

Es ist eigentlich nicht erstaunlich, dass fast alle deine 12 Favoriten auch bei uns in der ersten Runde weiter kamen. Ich finde es ist eine sehr gute Idee gewesen, dass du deine Favoriten nochmal separat beschreiben hast. Eine sorgfältige Beschreibung der Fotos, oder besser deiner Sicht darauf, hat eine eigene Qualität. Man kann seinen eigenen Eindruck mit deinem Vergleichen und dabei eine Menge lernen. Ich glaube, dass einige User das hier auch zu schätzen wissen und dabei neue Einzelheiten entdecken werden. Vielleicht ist das auch ein Anreiz für andere, Dinge zu beschreiben, die sie in den Bildern entdecken.
Gestern noch gewöhnliche Fotos, heute schon viel besprochene Kunstwerke!

Gerne beantworte ich auch Fragen zu meinen Photos, wenn gewünscht.
Mich würde es einfach mal interessieren, wieviel von den Bildwirkungen, die wir in deinen Fotos entdeckt haben, von vornherein beabsichtigt waren und wie viel einfach Schnappschusscharacter hatten?

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Re: eep's Nachlese zum ALiQs Photowettbewerb 2011
« Antwort #14 am: Dezember 05, 2011, 14:49:22 Nachmittag »
Mich würde es einfach mal interessieren, wieviel von den Bildwirkungen, die wir in deinen Fotos entdeckt haben, von vornherein beabsichtigt waren und wie viel einfach Schnappschusscharacter hatten?

Die meisten Motive ergeben sich spontan, d.h. die Wirklichkeit und der Blick/das Sehen/Hinschauen/Phantasieren diktieren sie in den Sensor. Ich gehe selten raus und sage mir: 'so, heute möchte ich Türen photographieren'. Besser man hat die Kamera dabei, streift durch die Umgebung und - mit etwas Photoblick - gibt es immer Unscheinbares-Interessantes, Abstruses oder Phantasieanregendes.

Bei diesem Photo war es so:

Ich war zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit und ging morgenmüde den üblichen Weg. Dann fiel mir in der Rue de l'Arbre Bénit erstmals der abblätternde Putz an einer Wand auf. Ich hatte eine Kamera dabei. Mein spontaner Gedanke: das könnte einen gewissen morbiden Charme haben. Mein zweiter Gedanke: bloß abblätternden Putz zu photographieren ist nicht interessant. Ich packte die Kamera wieder ein, als mir die Hausnummer 111 auffiel. Die ist in Wirklichkeit schwer zu erkennen. Ich bin heute morgen erst wieder daran vorbei gekommen und dachte schon, sie wäre weg. Dann sah ich auch die Baumarkt-1-Euro-Aufkleber-Hausnummer 111 auf der Tür und wusste: das gibt ein Motiv. So wird eine Situation daraus. Dann habe ich mich positioniert, versucht beides scharf zu bekommen und ein bisschen seitliche Perspektive. Und das war's. Ich habe noch eine Version aus steilerem Winkel gemacht, die wirkte aber nicht so gut. Das sieht man dann erst hinterher.

Bei diesem Photo war es so:

Ich saß im Haus gegenüber, als ich auf der anderen Straßenseite die Frau sah, wie sie intensiv in ein Gespräch verwickelt war. Es war Feiertag, die Rolläden waren geschlossen. Die Sonne gab hartes Licht. Die junge Frau setzte sich und führte die intensive angespannte Unterredung fort. Die Szenerie wirkte. Ich hatte mein Motiv gefunden und mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Bildaufteilung durch eine Fensterscheibe gemacht. Auch war die Körperhaltung der Person immer etwas unterschiedlich. Das beste Bild habe ich dann genommen, die anderen verworfen. Um die Bildwirkung vor dem doch sehr faden Hintergrund noch zu steigern, habe ich das Bild in s/w umgewandelt und etwas beschnitten, d.h. es länglicher gemacht, indem ich oben und unten etwas wegnahm (parkendes Auto und überflüssige Gebäudeteile). Dadurch entstand ein leere Flucht, auf der die Frau dann im goldenen Schnitt positioniert war und verloren wirkte. So passte Form (verloren) zu Inhalt (unangenehmes Telephonat). Ich bin dann noch runtergelaufen und habe um Bildnutzungserlaubnis gefragt.

Kurz: Motive ergeben sich bei mir oft spontan, die Umsetzung erfolgt dann aber bewusst. Der entscheidende Punkt ist meist ein kurzes Klick im Kopf, wenn man anfängt mehr zu sehen und sagt: ja, das ist mein Motiv, das erzählt mir etwas und weist über sich hinaus.

Ein gutes Beispiel dafür ist der echte "Weichzeichnereffekt" einer Haltestelle:




Auch da komme ich oft vorbei. Noch nie war mir aber aufgefallen, dass das Glas der Haltestelle von hinten wie ein großer realer Weichzeichner wirkt.
In dem Moment befanden sich aber gerade drei Personen je vor einem Scheibensegment. Die Füße lugten unten hervor und sind daher scharf, der Rest der Personen verschwimmt im leicht milchigen Glas.
Eine schöne Realsituation, die sich nicht stellen lässt. Straßentheater. Also Kamera herausgeholt, gehofft, dass sich keiner wegbewegt, und eingefangen.
Durch die Weichzeichnung werden aus Personen Figuren.


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« Letzte Änderung: Oktober 22, 2015, 06:59:32 Vormittag von Petra »
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