Autor: Schwarze_Wolke Thema: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018  (Gelesen 321 mal)

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« am: Juni 06, 2018, 16:14:26 Nachmittag »
27. – 28.3.18        Siegburg -> Frankfurt -> Osaka
Je älter man wird, desto schneller verfliegt subjektiv betrachtet die Zeit. Das liegt wohl daran, dass die untersuchte Zeit sich relativ betrachtet zur Gesamtlebenszeit verkürzt. So kam mir ein Jahr als Kind wie eine Ewigkeit vor. Ein Jahr, um genau zu sein 360 Tage vor Reisebeginn buchten wir unseren Flug, denn die günstigen Flugplätze werden zuerst verkauft, so die Erklärung unseres Reisebüros. Dabei geben die Fluggesellschaften die Flüge erst knapp ein Jahr vorher bekannt. Und dennoch, einmal den Flug gebucht (Direktflüge hin- und zurück versteht sich) war die Reise so abstrakt und in weiter Ferne gelegen. Natürlich hatten wir immer mal wieder Planungsphasen in denen wir Reiseinhalte besprachen oder Hotels gebucht haben, aber wir waren dennoch beide überrascht, wie schnell doch letzten Endes alles ging. Ein Jahr Vorbereitung und doch packte ich auf dem letzten Drücker (also abends vorher) meinen Koffer. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Achim brachte uns beide morgens zum Siegburger ICE-Bahnhof. Ein wenig fühlte ich mich an meine Zeit in Sonthofen erinnert: Verabschiedungsritual, ja sogar selbe Gleis, wohin ich im vergangenen Jahr 3,5 Monate wöchentlich mit der Bahn durch halb Deutschland gependelt bin.

An diesem Tag sollten wir aber nur eine Station, rund 40 Minuten bis Frankfurt Flughafen fahren. Zurückblickend war das immer die Strecke mit den interessantesten Bahngesprächen mit fremden Sitznachbarn. Obwohl wir Sitzplätze reserviert hatten, die Wagenreihung war mal wieder verändert und als wir im falschen Zugabteil einstiegen und ans andere Ende des Zuges mussten, sahen wir unsere Plätze bereits von einer Mutter mit ihrer kleinen Tochter belegt. Wir zuckten mit den Schultern, bald würden wir noch viel zu lange am Stück sitzen können und versuchten uns an den Gedanken zu gewöhnen, dass wir erst in 24h auf dem Weg zu unserem Hotel sein würden.

Unsere Reise sah in wie Folgt aus: Ein Flug von Frankfurt nach Osaka, dort 3 Nächte verbleiben, dann mit dem Regionalzug für 3 Nächte ins benachbarte Kyoto, dann mit dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, dem Shinkansen für 5 Nächte nach Tokyo und schließlich für zwei Tage ins Tokyo Disney Resort, um dann an meinem Geburtstag die anstrengende Rückreise von Tokyo zurück anzutreten.

Der Flug verlief dank guten Entertainmentsystems relativ entspannt. Dennoch war das Ganze mit seinen knapp über 12h anstrengend. Durch die trockene Luft der Klimaanlage bekam ich Kopfschmerzen und obwohl ich mir echt Mühe gab, als auch wir dieses Mal keine Jugendfußballmannschaft an Bord hatten wie vor drei Jahren, ich fand kaum Schlaf und döste höchstens am Ende etwas weg.

Dann ging es mit dem Landen doch irgendwie schnell. Konnte man sonst noch minutenlang die größer werdende Landschaft unter den Wolken beobachten, so blickten wir nur auf den Pazifik und waren überrascht, plötzlich mit dem Flugzeug aufzusetzen. Der Blick aus dem Fenster zeigte immer noch Wasser und vom nahen die Landebahn. Der Flughafen Kansai (KIX) liegt tatsächlich auf einer künstlichen Insel im Meer, einige Kilometer vor der Küste Osakas!

Unser Geisteszustand mag durch die durchgemachte Nacht und am Jetlag zu erklären sein, wir folgten kopflos der Menge zu den Einreisebereichen, in denen wir unsere im Flugzeug ausgefüllten Immigration Papers abgaben, unsere Fingerabdrücke genommen wurden, biometrische Fotos gemacht und Pässe gescannt wurden. Über allem lag ein schwer zu identifizierender Geruch im halben Flughafen, der uns vage an Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln erinnerte. Tatsächlich gab es Bereiche mit speziell behandelten Teppichen, die die Schuhsohlen desinfizierten, über die man herüber laufen musste. Müde von den Prozeduren und leicht erschlagen wirkend, lächelte uns Super Mario und seine Freunde von Nintendo an und begrüßte uns auf Plakaten und aufwendigen Dioramen in den Eingangsbereichen des Flughafens Kansai. Wir riefen zuerst unsere Lieben daheim an, dass wir gut angekommen sein. In Deutschland war es zu diesem Zeitpunkt mitten in der Nacht, da wir sieben Stunden Zeitverschiebung nach hinten hatten.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018


Tja, wir waren sicher morgens gelandet, waren aber ehrlich gesagt leicht überfordert, wir nun in unser Hotel kommen sollten. Selbst gewollt hatten wir an dieser Stelle keinen Herrn Kamei, der unsere Reisegruppe zum richtigen Bus brachte, sondern diese Tour hatten wir komplett selbst geplant und organisiert. Wir hatten uns in Deutschland die Adresse des Hotels aufgeschrieben und uns sogar passende Verbindungen rausgesucht, aber wir mussten uns zuerst orientieren. Wo geht es zu den Zügen? Wo kann man Tickets kaufen? In welche Richtung müssen wir überhaupt? Wir müssen einen wirklich hilflosen Eindruck gemacht haben, als eine freundliche Japanerin (die wohl auch mit uns im Flieger saß und uns wiedererkannte) gut gelaunt auf uns zukam und uns im besten Englisch fragte: „Wo wollte ihr denn hin? Wie kann ich euch helfen?“ Wir zeigten ihr die Adresse, sie nahm uns kurzerhand mit, einmal über die andere Seite des Gebäudes, raus in Richtung der Züge, ließ uns kurz mit ihrem (!!!) Koffer da stehen, während sie sich für uns erkundigte. Sie sei halt auch nicht von hier, sondern aus Tokyo… Dann kam sie mit Stadtkarten und Informationsmaterial wieder, erklärte uns, dass wir am besten eine ICOCA-Karte kaufen sollten, die man überall an Automaten aufladen könne, um die öffentlichen Verkehrsmittel in Japan nutzen zu können; wo man diese bekommt und wieviel diese kostet. Dann wünschte sie uns noch einen schönen Aufenthalt und ging ihrer Wege. Dieses Land und seine Leute überraschen einen immer wieder. Egal wen man mit einem kurzen „Sunimasen“, also so viel wie „Entschuldigen Sie…“ angesprochen hat, jeder hat sehr höflich Auskunft gegeben. Und manchmal sind sie auch auf einem selbst zugekommen und haben ihre Hilfe angeboten, wie bei einer jungen Japanerin im Studentenalter als wir uns einmal im Bahnhof in Osaka verlaufen hatten.  Aus solchen Begegnungen entstehen auch Gespräche, die einen erkennen lassen, wie ähnlich wir uns alle sind. „Matsumoto? Oh, ich lebe schon immer in Japan, aber in Matsumoto  war ich noch nie!“ Die Krähenburg scheint also das japanische Pendant zum Schloss Neuschwanstein zu sein. Jedenfalls war das genau das, was ich bis vor einem Jahr darüber sagte. Oder ihre Verwunderung, als wir erzählten, dass es in Deutschland Baumkuchen traditionell nur an Weihnachten gibt. In Japan gibt es Baumkuchen als  DIE deutsche Leckerei in 1000 verschiedenen Variationen das ganze Jahr zu kaufen. Selbst der Name wurde nicht übersetzt, sondern ist dort ein gängiger Germanismus. Ich empfehle „Baumkuchen with Matcha (grüner Tee)“ von Lahsons, den wir an unserem ersten Tag unter einer riesigen Allee aus Kirschblütenbäumen an dem Außengelände der Burg Osaka mit hunderten Japanern sitzend, probiert haben und wie alle anderen die Sonne und die vollen Kirschblüten (Sakura) genossen haben. Die Japaner haben dafür ein eigenes Wort: Hanami, was so viel bedeutet, wie: Die Kirschblüte erleben. Sinnbildlich steht die Sakura für den Lebenszyklus, dem Leben und Vergehen und wenn die Blüte soweit ist, heißt es das Leben zu feiern, aus dem Trott herauszubrechen, früher von der Arbeit zu gehen, bei einem Picknick Zeit mit der Familie zu verbringen, turtelnde Pärchen  sehen, zahllose Jugendliche, die Selfies vor den Zweigen machen für Instagram und co., leicht gestresst wirkenden Brautpaaren zusehen, die aufwendige Fotoshootings machen und von vorbeiziehenden jungen Japanerinnen neidisch beäugt werden, sowie unzählige Menschen sehen, die wie meine Reisebegleitung unzählige Bilder von den Kirschblüten machen, da sie ja ein so dankbares Motiv abgeben… Wenn man ein pulsierendes Japan erleben will, dann findet man es nicht nur auf riesigen Fußgängerkreuzungen oder in Straßen voller Anime-Neonreklame, sondern genau zu dieser Jahreszeit, in der der aktuelle Blütenstand für die Menschen so wichtig ist, dass sie einen eigenen Teilbereich in der Wettervorhersage bekommt.

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Nachdem wir uns so eine Weile erholten und die Burgumgebung inkl. eigenen Schreins erkundeten, fanden wir einen Hinweis, dass die Burg Osaka abends mit Beleuchtung im Zeitraum der Kirschblüte in Szene gesetzt wurde. So beschlossen wir zum Hotel zurück zu gehen, den check in zu machen (unsere Koffer hatten wir bereits dort untergestellt) und abends zur Burg zurück zu kehren.

Das Hotelzimmer war ziemlich klein, mit einem durchschnittlichen japanischen Doppelbett von 1,20m Breite mit Blick und Gehör auf die Stadtautobahn. Öffnete man das Fenster, so konnte man die Kakophonie der vorbeifahrenden Autos und Lastwagen vernehmen. Später sollten wir zu allem Überfluss feststellen, dass die Klimaanlage im gesamten Hotel noch auf Wintertemperatur eingestellt war, also mit anderen Worten kaum lief. Die Rezeptionistin gab uns am nächsten Morgen den Hinweis doch das Fenster zu öffnen. Diese hatte wohl nie in ihrem eigenen Hotel übernachtet. Willkommen auf dem Boden der Tatsachen, Sonja: Pest oder Cholera also, Hitze oder Stadtautobahn – zum Glück gingen drei Nächte aber auch schnell rum, auch wenn diese stellenweise nur mit Oropax zu ertragen waren.

Die Illuminationen des Parks am Abend um die Burg Osaka herum waren allerdings sehr schön und atmosphärisch. So kamen wir schnell auf bessere Gedanken. Bei sehr angenehmen Temperaturen schlenderten wir so noch einige Zeit umher, machten erste Erfahrungen mit dem Umgang von Fotostativen, aßen dort ein Onigiri (gefüllte oder ungefüllte dreieckige Reistaschen, häufig mit Algen umwickelt) und ließen unseren ersten Tag ausklingen.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 22:18:24 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #1 am: Juni 06, 2018, 16:15:00 Nachmittag »
29.3.18 Osaka, Walking Tour

Unsere erste Nacht im Hotel verlief schrecklich! Obwohl wir von der Reise so erledigt waren, haben wir unglaublich schlecht geschlafen. Das kleine Zimmer hatte sich derart schnell aufgeheizt, dass wir wohl oder übel die Fenster öffnen mussten, was zu einer Nacht mit vielen Unterbrechungen sorgte.

Wir wunderten uns noch, als wir keine Frühstückskarten bekommen haben und realisierten erst jetzt so richtig, dass das Frühstück separat zu zahlen war. Die Preise waren jetzt für ein Frühstück in einer Hotelkette gar nicht so unüblich, tatsächlich haben Achim und ich letztes Jahr in München das gleiche bezahlt, aber da vor Ort (auch nach dieser Nacht) kam uns das so unglaublich teuer vor. Also beschlossen wir in eines der vielen Convenience-Stores, also Lebensmittelketten in Tante Emma Laden-Größe zu gehen und uns dort etwas für auf die Hand zu holen. Noch eine kleine Anmerkung: In Japan gehört es sich nicht im Gehen zu essen. Entweder man stellt sich irgendwo an den Rand oder findet im Idealfall eine Gelegenheit sich zu setzen. Das gilt ebenso für den „Coffee to go“. Für unseren morgendlichen Kaffeebedarf haben wir uns jeweils eine Flasche ungesüßten Milchkaffee mitgenommen, den man wunderbar überallhin mitnehmen konnte. Selbst das Rauchen ist auf japanischen Straßen verboten. Dabei ist Japan ein relativ raucherfreundliches Land: Es gibt überall entsprechende Raucherbereiche, selbst in Zügen oder in Restaurants. Sogar hat jedes Hotel auch ein entsprechendes Kontingent an Zimmern, in denen geraucht werden darf. Nicht, dass das für uns als Nichtraucher relevant war. Aber so erklärte sich auch, dass wir nicht einen einzigen Zigarettenstummel oder sonstigen Müll auf den Gehwegen fanden. Und wir haben niemanden bemerkt, der sich nicht an diese Regeln gehalten hatte, sah man mal von einigen Touristen ab, die es vielleicht nicht besser wussten. 

Für den heutigen Tag hatten wir online bei einem Reiseveranstalter eine geführte Tagestour als Stadtspaziergang durch Osaka gebucht. Nachdem wir uns also mit Onigiri und Sandwiches (die englischen sind wesentlich besser, die Japaner haben ebenso wenig wie wir Deutschen eine gute Sandwichkultur)  gestärkt hatten, begaben wir uns zum Treff- und Startpunkt in einer nobel eingerichteten Hotellobby. Neben dem üblichen geschäftigen morgendlichen Treiben in der Lobby trafen wir auf eine Gruppe von vielleicht 15 Mann, alle mit dem gleichen Gutscheinausdruck bewaffnet. Die Gruppe war bunt durchmischt, einige Familien und Alleinreisende aus allen Herren Ländern. Im Laufe des Tages sollten wir eine nette US-Amerikanerin mit ihrer Teenagertochter, eine philippinische Familie und ein Reiseblogger aus Shanghai, der in Australien studiert hat, näher kennenlernen. Alle waren sehr neugierig und fragten uns ohne irgendwelche Vorbehalte über Deutschland aus, wo man denn hier Urlaub machen könnte, was man selbst empfehlen würde und wie es sich so in Deutschland lebt.

Eine junge, schlaksig wirkende Japanerin namens Yuki (ein dort sehr geläufiger Frauenname) trommelte uns zusammen und führte uns zum UMEDA Skybuilding, ein zweitürmiges Bürogebäude, das über eine Plattform und zwei Panoramarolltreppen, die beide Seiten miteinander verbindet. Noch dazu die vollverspiegelten Fensterfronten , die dem Gebäude bei strahlendem Wetter etwas surreales vermittelten. Keine Ahnung wieso, aber ich fühlte mich total an den Atari-Klassiker Space Invaders erinnert. Dort ging es dann mit dem Aufzug in den 40. Stock und schließlich mit der glasummantelten Rolltreppe hinauf auf die Aussichtsplattform. Leider war es an diesem Tag recht diesig, aber dennoch war die Aussicht von oben schon sehr beeindruckend und die kühle Luft recht erfrischend, war es doch schon vormittags relativ warm.

Dann ging es wieder hinunter bis in die unteren Bereiche des Gebäudes. Dort waren viele kleine Restaurants in einer kleinen künstlich angelegten Stadt Osaka in den 50er und 60er Jahren und einige kleine Geschäfte zu sehen. Man fühlte sich richtig in der Zeit zurück versetzt. Eine Handvoll verwinkelter Gassen, kleine alte Fahrzeuge am Rand, süße Auslagen in den Fenstern und  der Geruch von frisch gekochten Reisgerichten fanden wir dort in diesem kleinen Labyrinth. Yuki gab uns noch die eine oder andere Restaurantempfehlung und führte uns dann zurück in das Hotel, wo ein sehr schmackhaftes Mittagessen (Kürbissuppe, warmes Brot, Lachsfilet und Risotto, sowie eine unglaublich leckere Dessertauswahl von einem Fruchtmouse und Vanilleeis) auf uns wartete. Und das, obwohl wir noch keinen so richtigen Hunger hatten, aber wie sagte Asterix zu Obelix in Ägypten? „Der Appetit kommt beim essen“. Jedenfalls war das gemeinsame Essen eine tolle und wirklich ungezwungene Gelegenheit sich in der Gruppe kennenzulernen. So konnten wir auch Yuki alles Mögliche über Land und Leute fragen.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018


Nach diesem leckeren Essen sind wir mit der U-Bahn zur Burg Osaka. Wir waren zwar bereits am Vortag dort, allerdings nicht in den inneren Bereichen. Die Anlage war auch wieder voller Menschen, nicht ganz grundlos auch wegen der Kirschblüte. Da Osaka heute neben Yokohama und Tokyo Japans drittgrößte Stadt ist und auch schon früher aufgrund ihrer Größe und Lage strategisch wichtig war, kannte die Burg viele Kämpfe und Belagerungen. Tatsächlich ist die „unzerstörbare“ Burg einer der berühmtesten Japans und brannte mehrmals komplett ab, sei es nun durch Kämpfe oder einem Blitzeinschlag und wurde im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört. Und jedes Mal wurde sie wieder neu aufgebaut, in neuerer Zeit durch Spenden finanziert. Sieht man einmal von einigen Wachtürmen und Teilen der Außenbereiche ab, beherbergt die schöne weiß-goldene Fassade und die grünen Pagodendächer ein modernes Gebäude, inkl. Aufzug, genormten Treppen, modernsten Brandschutzanlagen und einem Museum. Leider war unsere Zeit etwas knapp kalkuliert, da wir für unseren nächsten Punkt eine feste Abfahrzeit hatten. Also schenkten wir uns die lange Schlange für den Aufzug, der eh nicht ganz bis nach oben führte, sondern machten auf Schusters Rappen den Aufstieg. Wir mussten nicht wie anderorts vor drei Jahren (denkend an die Krähenburg Matsumoto und der Burg in Hikone) die Schuhe ausziehen, betrachteten Samurairüstungen, Armeeminiaturen und alte Banner und quetschten uns mit viel zu vielen anderen Menschen oben auf die Aussichtsterrasse.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018


Im Anschluss setzten wir unsere Walking Tour fort und gingen zur Anlegestelle, wo wir eine Fahrt auf dem O-River (ja, der heißt wirklich so!) machten, der sich durch Osaka zieht. Zugegeben, spannend war die Schifffahrt nicht, aber wir nutzten gern die Pause. Yuki führte uns noch zum Abschluss zu unserem Startpunkt und es wurde ein wenig hektisch, da wir uns noch von einigen aus der Gruppe verabschieden wollten. Wir hatten schon am Schiff darüber nachgedacht, ob es übertrieben wäre, Handynummern oder Facebooknamen auszutauschen. Jedenfalls zeigte sich, dass die Familie aus den Philippinen und der Reiseblogger das gleiche Ziel anstrebten, was wir uns abends auch ansehen wollten. Also warfen wir kurzerhand unsere Planung um und begaben uns mit ihnen nach Dotonbori. Das ist ein sehr geschäftiger Ort mit vielen Geschäften, einem bunten Nachtleben und selbstverständlich ein idealer Touristenmagnet. Das Bild eines Kanals mitten in der Stadt, links und rechts davon viele bunte sich bewegende Leuchtreklamen, die sich von der Dunkelheit abhebten war schon sehr spektakulär anzusehen.

Osaka bringt nicht nur Japans beste Comedians hervor, sondern gilt auch als Küche Japans. Aus diesem Grund haben wir uns eine Handvoll Gerichte vorgenommen, die es regional nur in Osaka gibt. Da in unserer 9 Mann starken Gruppe der Wunsch nach Meeresfrüchten laut wurde, entschieden wir uns zuerst in Dotonbori für Tayaki. Das sind kugelförmige Waffeln, die von außen her an Poffertjes erinnern, aber herzhaft mit Tintenfisch  gefüllt. Wir probierten zweierlei Sorten, die „normalen“ und welche mit Bacon & Cheese gefüllt. Der Geschmack ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Frage nach dem Geschmack stellte sich für uns erstmal nicht, da die innen heiß wie Lava waren und wir zu sehr beschäftigt waren, uns nicht den Mund oder die Speiseröhre zu verbrennen. Wir pieksten danach alle verbliebenen an, um die ein wenig abkühlen zu lassen.

Wir stromerten durch volle Gassen die von der Fülle her an Vorweihnachtseinkäufen an einem Samstagmittag in Köln erinnerten. Überall von bunt blinkenden Werbeanimationen begleitet und Kameras, in denen man sich plötzlich auf großen Leinwänden wiederfand und alle freudig hüpfend in die Kamera linsten, suchten wir nach einer Möglichkeit, in der wir als große Gruppe Platz fanden. Es war kurz nachdem die ersten Restaurants geöffnet hatten, als wir beschlossen, in ein kleines Okonomiyaki-Restaurant zu gehen, eine weitere Spezialität Osakas. Man kann sich ein Okonomiyaki  wie eine Mischung aus Reibekuchen aus Kohl vorstellen, der wie eine Pizza mit allen möglichen Zutaten belegt ist und nicht frittiert, sondern auf einer heißen Metallplatte gebraten wird. Okonomiyaki gibt es überall in Japan. Weil wir bei der Bestellung nicht darauf geachtet haben, aßen wir die „normale“ Variante, während wir am folgenden Tag die regionaltypische Variante mit Nudeln probierten. Wir hatten richtig Glück, dass wir in dem Minirestaurant den einzigen großen Tisch bekamen. Kurze Zeit später gab es bereits lange Schlangen.

Als wir dann gesättigt aufbrachen und es draußen richtig dunkel wurde, merkten wir, dass es sehr schwer werden würde, in der Gruppe zusammen zu bleiben. So verabschiedeten wir uns schweren Herzens voneinander und gingen getrennter Wege. Das war eine wirklich schöne Begegnung und die Segnungen der modernen Zeit lässt uns auf Facebook und co. den Kontakt aufrechterhalten.

So schlenderten wir noch einige Zeit durch Dotonbori, machten Nachtaufnahmen und gingen zurück in unser Hotel. Morgen wartete schließlich unser letzter Tag in Osaka auf uns.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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P.S.: Das letzte Bild ist ein Blick aus unserem Zimmerfenster auf die Stadtautobahn  :blink:

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« Letzte Änderung: Juni 06, 2018, 19:24:17 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #2 am: Juni 06, 2018, 16:15:28 Nachmittag »
30.3.18 Osaka, Kaiyukan-Aquarium

Vielleicht war es der Klimawechsel, vielleicht die ganzen Kirschblütenpollen oder weil es einfach so sein sollte, die Nacht war wieder recht laut für meine Begleitung. Ich konnte dem Lärm der Stadtautobahn einigermaßen durch Oropax entrinnen (dank jahrelangem Wackentraining), während sie noch zusätzlich von meinem Schnarchen wachgehalten wurde. Ihr übernächtigter Zustand und mein schlechtes Gewissen führten uns an diesem Morgen erst einmal in eine große Drogerie, in der ich Nasenspray mit Menthol und Anti-Schnarch-Pflaster kaufte. Und ja, die funktionieren wirklich!

Für unseren letzten Tag hatten wir bereits in Deutschland das Kaiyukan, eines der größten Aquarien der Welt ausgesucht. Auch wenn es von außen betrachtet gar nicht so groß erscheint, das ist wirklich riesig und einzigartig konzipiert! Mit der Rolltreppe ging es ganz nach oben in das Themengebiet „Japanischer Wald“, das zuerst wie ein kleiner botanischer Garten wirkte. Der Bereich ist durch das Glasdach wundervoll Sonnendurchflutet, in einem Bassin tummeln sich Otter, in einem anderen eine Handvoll Enten, während man auf der anderen Seite einen recht spektakulären Indoorwasserfall sieht. Es könnte alles so herrlich idyllisch sein, wären da nicht die unzähligen anderen Besucher, die sich aufgeregt in einer riesigen Traube vor den Becken tummeln. Aber dieses Phänomen sollten wir noch häufiger vorfinden, bis sich das ganze irgendwann zerlief.

Von dort aus ging es spiralförmig immer tiefer, an Seelöwen, Delfinen und Pinguinen vorbei. Die Bassins waren richtig gut gemacht, so gingen z.B. die der Seelöwen sehr tief herunter, sodass man auf unteren Ebenen immer wieder an diesen Becken vorbeikam und die Tiere auch bei ihren Tauchgängen beobachten konnte.

Ein besonderes Highlight war das mittlere Bassin „Pazifischer Ozean“ das 5400 Tonnen Wasser füllte und ganze Fischschwärme, aber auch unterschiedliche Rochen- und Haiarten und sogar zwei majestätische Walhaie, die größten Fische der Welt an einem vorbei ziehen. Das Licht war sehr atmosphärisch, im Hintergrund läuft klassische Musik und immer wieder gibt es Sitzgruppen, um die Tiere in Ruhe beobachten zu können. Die Tiere selbst bekommen auch nichts von den Menschen draußen mit, da sie von innen blickdicht sind. Das ganze Aquarium ist so designt, dass man auf 13 Etagen immer wieder auf unterschiedlichen Höhen zum zentralen Riesenbecken kommt. Und immer wieder gab es etwas Neues zu sehen, denn viele Tiere schwammen allein oder in ihrer Gruppe auf bestimmten Höhen.

Man hatte in keinster Weise den Eindruck, dass hier die Tiere nicht artgerecht gehalten wurden. Alles war mit sehr viel Liebe für´s Detail geplant und umgesetzt. Mein persönliches Highlight war noch ganz am Ende die Tiefsee, von der Beleuchtung her natürlich sehr dunkel gehalten, in dem eine großen Auswahl an Quallen dargestellt waren, die sich wie durch Magie sich durch die Becken treiben ließen.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Auch wenn wir bereits am Vortag Bilder von Osaka aus der Vogelperspektive gemacht hatten, an diesem Tag war es schön klar und wir entschlossen uns auf eine Fahrt mit dem Riesenrad. Offensichtlich ist so eine Fahrt mit einem Riesenrad so ein Pärchending. Jedenfalls gab es nicht nur kitschige Musik in unserer Kabine, sondern auch ein Plüsch-Delfin mit einem großen Herzen zwischen seinen Flossen. Wie romantisch *Achtung Ironie*- Jedenfalls hatten wir einen recht guten Überblick von der Hafenseite Osakas. Wir sahen von dort aus auch die Universal Studios mit dem Schloss Hogwarts auf einer Anhöhe, den Hafen mit dem Kaiyukan, einem großen Touristensegelschiff im Piratenstil und natürlich auf die Skyline Osakas selbst.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
   

Da wir am Vortag leider zu wenig Zeit für den speziellen Souvenirladen an der Burg Osaka hatten, besuchten wir nicht mehr die Mall am Hafen, sondern brachen noch einmal in Richtung Burg auf, nur um dort kurz vor Ladenschluss anzukommen. Na das hatte sich ja eher weniger gelohnt.  Aber man darf vor Ort auch nicht unterschätzen, wie riesig die Städte sind und dass das „gerade mal dahin fahren“ ja auch viel Zeit beansprucht. Da wäre es noch mit besser gewesen, einfach an der Mall zu bleiben.

Dafür ging es dann noch einmal in Richtung UMEDA um in eines der bekannten Pokemon Centers zu gehen, die es überall in Japan gibt. Das sind quasi spezialisierte Merchandise-Läden, die auch viele Sachen verkaufen, die es so in der Form nur in Japan gibt und nicht exportiert werden. Das ließ meinen Geldbeutel doch schon ein wenig schrumpfen, aber nun ja, ein Stück weit will man im Urlaub ja auch nicht groß sparen.

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Im Anschluss gingen wir wie bereits erwähnt Okonomiyaki nach Orginal Osaka-Art essen. Dieses Essen hat uns beiden wesentlich besser geschmeckt als die reine Kohlvariante. Das Restaurant war eines von dutzenden in einem großen Einkaufscenter, welches auf 15 Stockwerken alles Mögliche von Bekleidung bis Spielwaren anbot. In Deutschland verbinde ich meistens Restaurants in großen Kaufhäusern eher mit Kantinenessen. Da gibt es das typische Schnitzel oder die Salatbar, die den ganzen Tag vor sich rum steht. Anstelle dessen gab es dort zwei Stockwerke ausschließlich mit einem Labyrinth aus verschiedenen Lokalen. Das hier waren eigenständige Betreiber, die auch entsprechend in Konkurrenz zueinander standen. By the way, wir trafen auch über die eine oder andere deutsche Brauhausstube. Dort gab es neben Kartoffelsalat und Würstchen auch so deutsche Klassiker wie Pizza mit Garnelen oder Spagetti Carbonara…^^

Als Dessert machten wir uns auf die Suche nach einer weiteren Osaka Spezialität, nämlich einem Käsekuchensoufflé. Der Käsekuchen besteht zu nicht ganz unwesentlichen Teilen aus im Wasserdampf gedämpftem Eischnee. Das verleiht dem Kuchen eine besonders luftige Konsistenz, welchen beim Essen das Kauen vollständig überflüssig macht. So feierten wir im Hotelzimmer mit Käsekuchen unseren Abschied von Osaka und hofften, dass die Unterkunft in Kyoto weniger laut sein würde.

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« Letzte Änderung: Juni 10, 2018, 13:46:11 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #3 am: Juni 06, 2018, 16:15:58 Nachmittag »
31.03.2018 Osaka -> Kyoto

An diesem Morgen haben wir uns den Luxus des Ausschlafens gegönnt, da wir außer dem Check Out, der Fahrt nach Kyoto und dem Erkunden der Hotelumgebung nichts geplant hatten. Während ich wieder wie jeden Morgen und Abend (lang lebe Voice over IP) mit Achim telefonierte, ging meine Freundin Milchkaffee für das Frühstück organisieren. Schließlich hatten wir von diesem samtig weichen Käsekuchensoufflé noch etwas übrig und wir hatten ehrlich gesagt eh keine Ahnung, wie wir den Rest sicher transportieren sollten.

Dann ging es mit schwer beladenen Koffern zur U-Bahn und von dort aus zum Bahnhof. Glücklicherweise war an diesem Tag kein regulärer Arbeitstag, auf eine Rush Hour mit Koffern hätten wir wenig Lust gehabt. Obwohl sich die Frage stellt, ob der Betrieb an einem Wochenende unbedingt weniger ist. Wir wuselten uns also durch die mehrstöckigen U-Bahn-Labyrinthe zum Bahnhof, erfuhren von einem freundlichen Polizisten und einer Bahnmitarbeiterin, dass unser Zug ausgefallen war und planten spontan um.

Dazu noch eine kleine Erklärung: Wir kamen in Deutschland noch auf die Frage, wie wir mobiles Internet in Japan realisieren können. Wir haben zwar bei den Hotelbuchungen darauf geachtet, dass die Hotels W-Lan besitzen, aber man kann z.B. in Japan nur öffentliche W-Lan-Hot Spots (die es natürlich auch nicht überall gibt) nur dann nutzen, wenn man eine japanische Sim-Karte besitzt. Mäh! Zum Glück stießen in unserer Reisevorbereitung auf einen Blog, der sich dieses Themas annahm. Man kann für 25-35€ an jedem Flughafen Sim-Karten in Automaten ziehen oder sich im Vorfeld ein mobiles Wifi-Gerät mieten. Von den Preisen her waren beide Varianten vergleichbar und haben jeweils ihre Vor- und Nachteile. Da wir eine sehr große Powerbank mit hatten und so die Stromversorgung eines weiteren elektronischen Gerätes kein Problem war, entschieden wir uns für ein mobiles Wifi-Gerät von Sakura Mobile. Zwei Tage vorher in Deutschland beantragt, mit Kreditkarte bezahlt, den Namen des Hotels und unsere Ankunftszeit in Osaka hinterlegt und so wartete unser Gerät beim Check in bereits auf uns. Ich hätte nicht gedacht wie nützlich das Ganze war, aber um ehrlich zu sein, das waren die am besten investierten 60€ in diesem Urlaub. Wir hatten häufiger die Fragestellung, „wo sind wir? Und wie kommen wir jetzt von A nach B? Oder ab/bis wann hat das Geschäft/Restaurant auf? Lohnt es sich zeitlich da noch hinzufahren?“ Google und Googlemaps wurden unsere ständigen Begleiter wenn es darum ging, irgendwohin zu kommen. Oder in manchen Hotels war das W-Lan einfach so schlecht, dass das zweitägige Telefonieren keine Freude machte und man so schnell das mobile W-Lan anknipsen konnte. Außerdem hab ich so auch unterwegs viele Pokemons einfangen können, die es so in der Form in Deutschland nicht gab.

Jedenfalls, ein kurzer Blick auf die öffentlichen Verbindungen und wir suchten uns eine alternative Zugstrecke raus (zum Glück liegen  Osaka und Kyoto relativ nah beieinander). In Kyoto angekommen mussten wir leider die letzte Strecke mit dem Bus fahren. Die Busse waren leider alle vollkommen überfüllt. Immerhin kamen diese einigermaßen pünktlich. Der Einstieg ist ausschließlich hinten, es gibt einen Festpreis pro Fahrt, egal wie weit man fährt. Bezahlt wird passend in bar oder besser noch mit unserer Hello Kitty-ICOCA Karte, die zum Glück auch in Kyoto und Tokyo akzeptiert wurde. Man kann sich sogar mit dieser Karte Getränke in Automaten ziehen oder in diesen kleinen Convenience-Läden einkaufen. Somit entfällt häufig genug die Nutzung von Kleingeld, so man denn will. Eine weitere Schwierigkeit neben der hohen Passagierzahl war auch eindeutig die Anzeige der Haltestellen. Waren wir im Zug und in der U-Bahn noch mehrsprachige Ansagen oder zu mindestens Anzeigen der Haltestellen in unserer Schrift gewöhnt, so mussten wir uns die Kanji der gewünschten Straßennamen mit Eselsbrücken merken, denn hier konnte man nicht einfach Haltestellen zählen, da der Bus natürlich nicht überall hielt. Besonders verwirrend ist, wenn man sich die ersten Kanji der Haltestelle merkt und dann im Bus merkt, dass jeder zweite Haltepunkt so heißt, weil man sich aus Versehen das Kanji für „Straße“ gemerkt hat…^^ Aber das ganze klingt jetzt auch wilder, als es eigentlich war. Wir sind sicher und ohne Probleme in der Altstadt Kyotos (etwas abgelegen im Geishaviertel Gion) angekommen und fanden ad hoc unser Gästehaus.

Wir gaben unsere Koffer zufrieden ab und erkundeten die Umgebung. Mensch war das ruhig in dieser Gegend, das war eine echte Wohltat! Wenn uns seltener einmal ein Auto begegnete, dann war es ein Elektrofahrzeug. Wir gingen die schmalen Gassen herauf in einen schön dekorierten Vorhof, der sich als Geisha-Theater herausstellen sollte. Eine Anfrage am Ticketschalter gab uns zu verstehen, dass es leider für die nächsten Tage nur vereinzelte Restkarten für die 16.00 Vorstellungen gab und für diesen Tag gar keine. Nun hatten wir die folgenden Tage bereits verplant und für in drei Tagen würde die lange Fahrt nach Tokyo anstehen und das ginge dann auch nicht. Also bedankten wir uns trotzdem für ihre Informationen und gingen wieder.

Ganz in der Nähe unserer Unterkunft gab es den großen Kitano Tenmangu-Schrein. Dieser ist dem Kami der Gelehrsamkeit und der Kalligraphie gewidmet und dient als Schutzgott der Schreiber und Gelehrten. Hintergrund für die Errichtung des Tempels war die Angst vor der Rache eines gelehrten Dichters, welcher Opfer einer Intrige wurde und im Exil verstarb. Heute kommen vorwiegend Schüler und Studenten zu diesem Schrein und erbitten sich göttliche Unterstützung für ihre Prüfungen. Witzig fand ich auch, dass einmal im Monat dort wohl ein Flohmarkt abgehalten wird, in dem auch vornehmlich alte Bücher verkauft werden. Schade, dass wir nicht an einem 25. dort waren, das hätten wir gerne gesehen. Der Schrein ist groß und schön anzusehen mit jeder Menge Pflaumenbäumen, wobei wir zuerst dachten, die Kirschblüte in Kyoto verpasst zu haben, da wir diese fälschlicherweise verwechselten.

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Dann gingen wir zurück zu unserer Unterkunft, ein kleines traditionell japanisches Gästehaus mit lediglich fünf Gästezimmern. Beinahe im kompletten Haus lief man auf Pantoffeln, bis auf in den Zimmern selbst, da schaden selbst diese den empfindlichen Tatamimatten. Unser Zimmer war unglaublich schön anzusehen! Auf dem weichen Mattenboden lagen zwei bequeme Futtonbetten, des Weiteren gab es einen niedrigen Tisch mit zwei Sitzkissen, schlichten Stoffbildern an der Wand und Fenster aus gespanntem Reispapier. Und das alles zur Hauptreisezeit in einem wundervollen Stadtteil in der ehemaligen Hauptstadt Japans für fast kein Geld. Pro Person und Tag zahlten wir lediglich 17 Euro ohne Frühstück. Dieses wurde für jeden Gast frisch zubereitet und trafen einige Gleichgesinnte aus aller Welt, so wie ein nettes Paar in unserem Alter, die eine Distanzbeziehung Prag-Island führten und nun gemeinsam in Japan Urlaub machten.

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Nachdem wir uns ein wenig erfrischt hatten, gingen wir wieder nach draußen und besuchten den Hirano-Schrein. Ja, Kyoto ist nicht nur die ehemalige – sondern auch religiöse Hauptstadt Japans. Das ist so ein bisschen wie Urlaub im Rom bzw. Vatikanstaat zu machen. Natürlich besichtigt man dort die eine oder andere Kirche. Glücklicherweise ist Kyoto von den Schrecken des 2. Weltkrieges einigermaßen verschont geblieben, im krassen Gegensatz zu Osaka oder gar Hiroshima (wo wir zwischenzeitlich auch hin wollten, aber uns die Zeit zu knapp war) und besitzt neben vielen Sehenswürdigkeiten (ich empfehle bei näherem Interesse meinen Reisebericht vor 3 Jahren) auch 1600 buddhistische Tempel und 400 Shinto-Schreine (sagt zu mindestens Wikipedia) und jeder Menge wundervoller Gärten und Paläste! Im Laufe unserer Japanreise wurde uns gewahr, dass selbst mit den Tagen die wir hier in Kyoto verbracht haben und dem straffen Sightseeingprogramm, das wir vor 3 Jahren absolviert haben, es in Kyoto noch so unglaublich viel zu entdecken gibt, dass wir auf jeden Fall noch einmal zurückkehren wollen. Zwar werden wir uns da auch einmal andere Eckens Japans, wie Okinawa im Süden und oder die nördliche Insel Hokkaido interessieren, aber die Stadt Kyoto hat uns in ihrem Bann gezogen und wird daher noch einmal Ziel unserer nächsten Reise sein.

Aber zurück zum Hirano-Schrein. Dieser ist wohl gleich 4 Kami gewidmet, die wohl koreanischen Ursprungs sind. Dabei ist als Besonderheit jedem Kami eine eigene Gebetshalle (Honden) gewidmet. Diese Kami ergänzen sich in ihrem Aufgaben, dass sie in Kombination ein zufriedenes und gutes Menschenleben abbilden (Geburt, Wohlergehen, Produktivität und Schutz vor bösen Geistern). Besonders schön sind aber an diesem Schrein die schiere Masse an Kirschbäumen, die auch hier in voller Blüte standen. Direkt hinter den Gebetshallen gab es ein dichtes weißes Blütendach und unzählige Japaner, die ausgelassen Hanami feierten. Tatsächlich erinnerte das ganze an ein richtiges Volksfest, die Leute saßen in Gruppen zusammen, überall konnte man gebratene Speisen und geweihten Sake zum Verzehr kaufen. Wir ließen es uns nicht nehmen „Taiyaki“, Waffeln mit roter Bohnen Paste oder Custard (eine Creme aus Eigelb, Milch und Zucker) zu probieren. Gerade das ließ uns erkennen, dass wir so den ganzen Tag kaum etwas gegessen hatten und uns schleunigst auf die Suche machen sollten, wollten wir nicht in die Hauptessenszeit hineinstolpern. Denn wir wollten ungern irgendwo eine Stunde vor einem Restaurant warten bevor ein passender Platz frei wurde.

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Wir fanden ein Running Sushi (also ein Restaurant, an dem man an einem Laufband sitzt), das relativ gut besucht zu sein schien. Leider konnten wir die Werbung und die Bedingungen nicht lesen, aber wir versuchten es. Wir trafen auf eine Vorhalle, in der viele Japaner warteten und sahen einen kleinen weißen Roboter mit Kleidung und Mütze, bei dem man irgendetwas machen sollte. Wir stellten uns zu den Wartenden und schon kamen uns wieder Leute zu Hilfe und zeigten uns das Gerät. Da zieht man quasi eine Wartenummer, nachdem man angegeben hat, welche Option des Menüs und zu wie vielen Personen man war. Vielleicht lag es daran, dass ein Platz für zwei schnell gefunden war oder wir einen Touristenbonus bekamen, aber unsere Nummer wurde direkt aufgerufen und wir setzten uns zu vielen anderen Menschen ans Band. Dabei liefen die ganze Zeit Tellerchen mit leckeren Sushi-Varianten und Getränken und Desserts an uns vorbei. Zusätzlich dazu war über jedem Platz ein Tablett angebracht, an dem man Side Orders bestellen konnte, die frisch für einen zubereitet wurden. Die kamen dann auf ein besonders markiertes Tellerchen am Band an und ein Glockenton am Tablett gab an, dass die Bestellung für einen selbst war. Hungrig probierten wir uns einmal quer durch die Karte bzw. das Band. Es gab Sushi in vielen Varianten aus rohem und gebratenen Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch und sogar süße mit Obst und Pudding. Interessant fand ich die mit rohem Schinken, warmen Kassler oder haltet euch fest: Cheeseburger-Sushi! Dabei wird auf einem Reisboden ein heißes Mini-Rindfleisch-Pattie mit einer kleinen Scheibe Cheddarkäse serviert. Schmeckt total lecker, aber mit Reis schon doch recht ungewohnt. Wir probierten auch japanese-style Pommes, die waren lang, hauchdünn (fast schon wie bei Spagetthi) und richtig kross. Dabei konnte man diese mit Käse/Chilli oder Sojasoße essen, mal was ganz anderes.

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« Letzte Änderung: Juni 06, 2018, 22:34:55 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #4 am: Juni 06, 2018, 16:16:27 Nachmittag »
1.4.18 Kyoto, Fushimi Inari Schrein

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Für unseren Aufenthalt in Kyoto hatten wir uns gleich zwei größere Ziele ausgesucht, für die wir jeweils einen ganzen Tag reserviert hatten; so also für diesen herrlich sommerlichen Ostersonntag (der in Japan natürlich kaum einer feiert) den Fushimi Inari-Schrein, einen der berühmtesten Shinto-Schreine Japans. Ganz bekannt ist das Bild von unzähligen roten Torii (Holztoren), die Reih an Glied hintereinander stehen und sich auf einem riesigen Gebiet den Mount Inari hoch- und wieder herunter schrauben. Vorne waren die Torii unbeschriftet, auf der Rückseite standen die Namen der Spender und ihre Segenswünsche. Inari ist in der schintoistischen Religion eine sehr mächtige Kami, da sie als Reisgöttin für finanziellen Wohlstand und Sicherheit in der Familie (damit diese genug zu essen haben) steht. Man kann überall Statuen von Füchsen sehen. Diese stellen die sogenannten Kitzune (Fuchsgeister) da, Inaris himmlische Mitarbeiter, bzw. ihre Boten. Bei diesem herrlichen Wetter war es in den unteren Bereichen proppenvoll (war es ja auch immerhin ein Sonntag) und wir tümmelten uns die ersten Meter mit hunderten anderen Menschen durch die Torii. Wir hatten bereits gehört, dass das Gebiet riesig sein sollte und sich das ganze Gedränge automatisch zerläuft. Wir konnten das erstmal nicht glauben, wurden dann aber eines besseren belehrt. Das Schöne an diesem Gebiet ist, dass alle paar Minuten ein kleiner Bereich mit Gedenktafeln, Gebetsstätten, Bereiche zum Kerzen entzünden, Gebetsglocken, aber auch religiöse Souvenierstände und kleine Cafés, bei denen man traditionell zubereiteten grünen Tee trinken konnte. Und ja, ich hatte jede noch so kleine Gelegenheit zum Luftholen genutzt, während meine Begleitung entspannt fotografierte.

Auf etwa der Hälfte der Wegstrecke (wir waren gerade an einer schönen Aussichtsplattform, die den Blick über Kyoto zeigte vorbei) gönnten wir uns eine kleine Pause und setzten uns mit einem Softeis. Die kühle war bei dem aufgeheiztem Wetter und der körperlichen Anstrengung eine Wohltat! So gingen wir abgekühlt und frisch gestärkt tapfer zum Berg Inari die unzähligen Treppenstupfen rauf und runter durch 10.000 Torii hindurch. Wir waren sehr froh, dass wir diesen Ausflug alleine und nicht in einer Reisegruppe gemacht haben. Letztlich haben wir schon 4-5 Stunden dort auf dem Gebiet verbracht und mit einer festen Rückkehrzeit im Nacken hätten wir den Aufstieg niemals gemacht oder gar nicht die Zeit dafür bekommen. Aber es hat sich so sehr gelohnt! Es war dennoch schön, endlich das Schild „Top of the mountain“ zu lesen.

Schnellen, fast schon ungebremsten Schrittes ging es dann den langen Weg wieder hinunter. Unterwegs trafen wir noch auf ein Ehepaar, die sich ratlos die Umgebungskarte ansahen. Wir gingen freudig auf sie zu und fragten sie auf Englisch, wie wir ihnen helfen können. Sie sagten, dass sie mit einer Gruppe hier seien und in 1,5h wieder am Bus sein müssen, ob sie es in der Zeit bis nach oben schaffen, wir mussten dies leider verneinen, empfahlen ihnen aber noch ein Stück hoch bis zur Kanzel zu gehen und dann umzukehren.

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Wir hatten uns nach dieser schönen und anstrengenden Tour ein kräftiges Abendessen verdient. Kurzum beschlossen wir in eine Ramenbar zu gehen. Denn Ramen, also eine deftige Nudelsuppe, geht immer. Witzig dabei war, dass wir das erste Mal Essen in einem Automaten bestellen und bezahlten. Mit diesem Ticket ging es zum Personal, die uns freundlich begrüßten, uns die Stühle zurecht schoben und uns kaltes Wasser einschenkten, an dem wir uns gierig bedienten.

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« Letzte Änderung: Juni 06, 2018, 23:10:09 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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« Antwort #5 am: Juni 06, 2018, 16:16:58 Nachmittag »
2.4.18 Kyoto, Arashiyama

Wir sind am gestrigen Abend beim vergeblichen Versuch eine Geisha zu sehen über das „Café Frosch“ gestolpert und nahmen uns vor, an diesem Tag anstelle in unserem Gästehaus (die übrigens auch ein hervorragendes Frühstück machen) dorthin zu gehen.

Das kleine Kaffeehaus eines ausgesiedelten Deutschen mit seiner japanischen Frau, war schon sehr gemütlich mit vielen Büchern (darunter vielen deutschen Werken) und alten, dunklen Wohlfühlmöbeln ausgestattet. Die kleine Frühstückskarte warb mit selbst gebackenen Brotsorten, wie es bereits der Geruch vermuten ließ. In Japan ist Brot nicht wirklich üblich, wenn dann bekommt man ultraweiches Import-Weißbrot aber nicht hier. Hier gab es einen riesigen alten Brotbackofen. So  genossen wir eine kleine Auswahl aus teilweise noch warmen Kartoffel- und Reisbrotscheiben, Hefebrot und Zimtbagel, dazu gekühlter Ruccolasalat mit Pinienkernen und Oliven, sowie Jogurth mit Sonnenblumenkernen und selbstgemachte Ingwermarmelade.

Wir hatten alle Zeit der Welt, denn wir wollten eh noch warten, bis ein bestimmtes Taschengeschäft in unserer Nachbarschaft öffnen sollte. Seit wir in Kyoto angekommen waren, wollte meine Begleitung „diese eine!“ Tasche haben und ja, sie hat schlussendlich den Weg nach Deutschland gefunden.

Wir sind gemütlich nach Arashiyama, das ist ein riesiges Naturschutzgebiet, etwas außerhalb von Kyoto. Dort gibt es auch die berühmten Bambuswälder, die wir unbedingt sehen wollten. Allerdings war unser erstes Ziel der Affenpark. Das kann man sich als größeres Freigehege für japanische Makakenaffen vorstellen. Wir lösten die Tickets und ich blickte entsetzt nach oben und sah wieder unzählige steile Treppenstufen! Natürlich liegt dieses Freigehege nicht auf der Ebene, sondern auf dem sogenannten Affenberg. Zum Glück hatte ich vom Vortag noch keinen Muskelkater, also begaben wir uns tapfer den Berg hinauf. Auf dem Weg stießen wir immer häufiger auf Schilder mit Verhaltensregeln und Informationen im Umgang mit Makaken. So z.B. mit welcher Mimik und Gestik sie Angst oder Aggression zeigen und dass man vor ihren Augen nicht Essen oder Trinken soll.

Irgendwann als wir uns schon recht geschafft den Gipfel des Affenberges näherten, sahen wir die ersten neugierigen oder spielenden Makaken. Des Weiteren trafen wir auf Pärchen, die sich in der Sonne genüsslich lausten. Wir sahen niedliche schlafende Babies, die sich an ihre Mütter klammerten, welche wiederrum uns skeptisch beäugten. Ganz oben auf einer Kanzel angekommen, genossen wir einen schönen Blick auf die Vorgebiete Kyotos, während überall um uns herum die Makaken wuselten und für uns posierten. Auf der Kanzel gab es ein einziges Gebäude in dem man für 50 Yen (umgerechnet etwa 35 Cent) Affenfutter wie Bananenscheiben, Apfelstücke oder Erdnüsse kaufen konnte. Natürlich ließen wir uns diese Chanche nicht entgehen. Es ist schon faszinierend die Tiere so vom nahen zu sehen, was sie einem dann aus vorsichtig aus der Hand greifen, die Sachen Schälen oder knacken und direkt verspeisen, während sie sich gleichzeitig an den Fenstern festhielten. Denn der einzige Ort, an den man die Tiere füttern durfte, war im Inneren des Gebäudes durch die Fenster. Drinnen gab es entsprechende Waschbecken und Futterverkaufsstellen. Aber schon eine verkehrte Welt, in der die Tiere draußen sind und neugierig reingucken, während die Menschen im "Käfig" sitzen ;-)

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Dann ging es auf der anderen Seite wieder herunter und wir machten eine kleine spontane Streetfoodpause mit gegrillten Maiskolben am Flusspanorama des Oigawa. Danach ging es über die Togetsu-Brücke in wesentlich belebtere Bereiche Arashiyamas auf der Suche nach dem Bambuswald.  Es gibt einen Brauch, bei dem die 13 jährigen Jungen und Mädchen im Horin-ji-Tempel eine Messe besuchen und in dieser Weisheit und eine Art Exorzismus oder Schutz gegen dunkle Geister (passend zur Pubertät...^^) erhalten. Auf dem Rückweg gehen sie über genau diese Brücke und dürfen nicht zurück ans andere Flussufer schauen, denn dann würden sie die Weisheit, die sie jüngst von den Göttern bekommen haben, wieder verlieten. Dieses Ritual wird Jusan-Mairi genannt.

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Nachdem wir noch die eine oder andere Gelegenheit zum Souvenierkauf nutzten, fanden wir auch den Zugang zu einem der Bambuswälder. Der Wald war schon recht beeindruckend anzusehen, wie links und rechts vom Weg die Bambuspflanzen dicht an dicht stehen und sich das Licht auf eine eigentümliche Weise bricht. Der Wind surrt auch ganz anders durch die riesigen Sprossen und der Blick nach oben lässt einen richtig klein erscheinen.

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Ein Blick auf die vielen Umgebungskarten offenbarte uns, dass wir für den Tempel, den Yuki uns empfohlen hatte, vollkommen falsch gegangen sind. Wir waren zwar auf der richtigen Höhe, aber leider auf dem falschen Flussufer. Da der Nachmittag bereits fortgeschritten war, entschlossen wir uns spontan für einen Zen-Tempel in der Nähe, den Tenryu-ji-Tempel. Viel wussten wir nicht über ihn, nur dass er ein UNESCO-Welterbe war und einen schönen Tempelgarten haben soll. Da die Tempel auch ab einer bestimmten Uhrzeit schließen, beschlossen wir, dorthin zu gehen und haben es wirklich nicht bereut! Der Sogenchi- Garten, der zum Tempel führt ist einfach wundervoll und soll einer der schönsten Gärten Japans sein, hört, hört! Ich kann gar nicht sagen, was dort alles für Bäume und Blumen wuchsen. Es gab z.B. einen schönen Baum, dessen Blütenhüllblätter wie kleine grüne Origamikraniche aussehen. Keine Ahnung, wie man kontrolliert sowas züchten kann. Der Garten roch sehr intensiv, man konnte sich dort herrlich die Füße vertreten und staunen oder sich einfach auf eine Bank setzen und die Umgebung beobachten. Im Gegensatz zu Deutschland haben wir auch dort wesentlich mehr Bienen und Vögel wahrgenommen. Gut, vielleicht lag es auch daran, dass letztere anders klingen und wir sie dadurch unbewusst auch viel eher wahrnahmen.

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Während andere begeistert fotografierten, gönnte ichmir die Zeit und ging zur Hallehalle des Tenryu-ji, konnte einen Blick auf den Cloud Dragonwerfen und setzte mich auf eine Bank, den Blick Richtung Steingarten vor eines riesigen Teiches, in dem riesige bunte Kois schwammen. Diese Kois führen doch schon ein recht gutes Leben.
Im Anschluss gingen wir wieder durch den Bambuswald. Dieses Mal war die Straße wesentlich leerer und so langsam sank die Sonne am Himmel, was innerhalb des Waldes zu echt tollen Lichtverhältnissen führte. Dann gingen wir durch den Arashiyama Park, am Oigawa entlang zum Bahnhof.

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Nachdem wir das letzte Stück mit dem Bus fahren wollten (die Haltestellen in Gion sind aber auch wirklich unüberscihtlich angebracht), schafften wir es in die falsche Richtung zu fahren, ohne es direkt zu merken. So stiegen wir nach einer halben Stunde in dem Haupteinkaufsviertel aus und entdeckten per Zufall eine riesige überdachte Einkaufsmeile, von der ich meine, dass das die selbe war, die wir vor drei Jahren besucht haben. Dennoch machten bereits viele Geschäfte zu, wobei wir wir nur ein wenig die Auslagen in den Schaufenstern betrachteten und uns dann geschafft zurück ins Gästehaus machten.
« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 21:17:33 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #6 am: Juni 06, 2018, 16:17:29 Nachmittag »
3.4.18 Kyoto -> Tokyo, Asakusa
Leider leider war unsere Zeit in Kyoto wieder um. Wir stärkten uns noch mit einem letzten Frühstück (der Bacon und das Rührei wurde für jede Person in der kleinen benachbarten Küche frisch zubereitet), ließen uns ein Taxi rufen und übergaben unsere kleinen Lindt-Schokoladen-Gastgeschenke. Die Leute waren sehr überrascht, freuten sich aber sehr herzlich über die kleine Aufmerksamkeit aus Deutschland.
Häufig genug bin ich für ein Taxi zu geizig, aber mit schwer beladenen Koffern ist es eine echte Wohltat, nicht mit einem vollgestopften Bus mitfahren zu müssen. Also in das Taxi rein, wobei der Fahrer nicht nur die Koffer verstaute, sondern uns auch die Türen öffnete und auf die Schonspitzenbezüge gesetzt zum Bahnhof.
Im Inneren des riesigen Bahnhofes (zum Glück hatte uns unser Taxifahrer an der richtigen Stelle rausgelassen) kauften wir uns ein Ticket für den Shinkansen nach Tokyo. Reisen mit dem Shinkansen ist super bequem! Es fährt alle 10 Minuten einer in Richtung Tokyo. Tatsächlich erreichen diese Züge eine enorme Geschwindigkeit von bis zu 400 km/h Spitze und das noch durchgehend auf längeren Strecken! In Deutschland ist es ja z.B. so, dass die ICE-Züge die selben Gleise wie der Nah- und Güterverkehr nutzen. Die Shinkansen haben aber ihr komplett eigenes Verkehrsnetz, was sie insgesamt unglaublich effektiv macht. So schafften wir die lange Strecke in nur 3 Stunden, wo wir ohne verfahren mit einem Auto im Vergleich  das dreifache gebraucht hätten!
Nachdem wir vollbeladen zum Nachmittag im Hotel ankamen, konnten wir direkt auf unser Zimmer und erschraken, ob der Enge des Raumes! Das Zimmer war noch einmal eine gute Ecke kleiner als das in Osaka und das Bett war mit seinen 1,20m an der Wand anliegend so schmal, dass an eine geruhsame Nacht nicht zu denken war. Natürlich gab es auch wieder nur ein Plumeau und der Gang zum Schlafbereich war so schmal, dass wir noch nicht einmal unsere Koffer öffnen konnten. Das gelang nur, indem man den Koffer auf´s Bett hievte. Wir versuchten unser Glück an der Rezeption mit der Bitte ein Zimmer mit zwei Betten zu bekommen. Aber das Hotel war ausgebucht (ist ja auch schließlich die Hauptreisezeit) und wir sollten es am nächsten Tag versuchen, vielleicht hätten wir da mehr Erfolg.
Dementsprechend geknickt fuhren wir nach Asakusa, in die Region in der wir vor drei Jahren unser Hotel in Tokyo hatten, was uns so unglaublich gut gefallen hatte. Wir brauchten nur einen kurzen Moment um uns wieder orientieren zu können, besuchten für wenige Minuten das Besucherzentrum und schossen bei klarem Himmel von der Aussichtsplattform aus ein paar Bilder. Es hatte uns geärgert, dass das Vergleichsbild morgens in einer Zeit kurz vor Beginn der Regenzeit sehr neblig oder diesig erschien. Und jeder, dem wir stolz unser Fotobuch präsentierten meinte "Oh, ja ich hab gehört, dass es da so viel Smog geben soll..." Und jedes Mal verneinten wir dies und korrigierten die Aussage mit China. Japan ist nicht China. Aber die Luftfeuchte im August war sehr anstrengend. So hier zur Kirschblüte im April hatten wir immer zwischen 20 und 28°C und an den meisten Tagen Sonne satt.  Was könnte es besseres geben?

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Dann gingen wir noch einmal kurz über die Tempelanlage des Senso-ji und sein berühmtes Donnertor. Wir begegneten wieder unglaublich vielen Menschen, einen prunkvollen rot-goldenen Tempel, die jungen Buddhastatuen, den inzwischen so vertrauten Geruch von noch glimmenden Räucherstäbchen und das markante Klingeln von Kleingeld in die Spendenkisten, ab und an begleitet von einem dunklen Glockenläuten. Wir stromerten zurück in die bunten Einkaufsgassen und ich war erstaunt, wieviel Kitsch es dort zu kaufen gab! Hatte die Auswahl und Qualität etwa in den letzten Jahren so derart abgenommen? Sind die guten Geschäfte von unzähligen Souveniershop verdrängt worden, die eh alles das gleiche verkauften? Oder haben wir uns in der Form einfach verändert, dass wir mit anderen Augen viele der angebotenen Waren inzwischen als Tant entlarven konnten?

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Wir beschlossen, in das kleine Ramenlokal zu gehen, das wir beim letzten Mal an unserem ersten Abend mit einer netten Mitreisenden besucht haben. Und tatsächlich: Im Schaufenster stand noch immer die alte Nudelmaschine. Wir setzten uns, bestellten leckere Gyoza (japanische gedämpfte Maultaschen) und Ramen. Dann war für uns zumindestens die Weltordnung wieder ein wenig wiederhergestellt.

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« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 16:30:25 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #7 am: Juni 06, 2018, 16:17:59 Nachmittag »
4.4.18 Tokyo, Shibuya & Shinjuku
 Im Gegensatz zu Aska oder Kyoto hatten wir uns für Tokyo keine spezifischen Sightseeingpunkte ausgedacht. Wir teilten uns die Stadtteile, die uns interessierten auf, sodass wir mit Labyrinth Tokyo (einem netten Reiseheft) Innenstadt-"Wander"-Routen nachgingen. So verbrachten wir die erste Hälfte des Tages in Shibuya, einem modernen und geschäftigen Teil Tokyos, in dem man (wie auch in so manch anderen Stadtvierteln) ausgezeichnet Geld unter die Leute bringen konnte.
Wie unzählige andere verließen wir den Bahnhof und standen vor einer dieser berühmten Fußgängerkreuzungen. Sie wird als Shibuya-Crossing oder auch Center-Gai bezeichnet. Sowohl als Autofahrer, als auch als Passant muss man da stellenweise sehr geduldig sein. Aber wenn nach einigen Minuten die Fußgängerampel grün wird, überqueren aus vier Richtungen ausgehend mehrere hunderte Menschen gleichzeitig zügig die diagonalen Straßenverläufe. Da muss man echt aufpassen, dass man sich da nicht aus den Augen verliert. Ich hätte niemals gedacht,  dass ich mal ans andere Ende der Welt fahre und in einem Reisebericht ausführlich darüber berichte, wie es ist über die Kreuzung zu gehen. Aber es ist echt merkwürdig, sich inmitten dieser Massen zu bewegen. So muss es sich als Teil eines Vogel- oder Fischschwarms anfühlen.

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Ein spontane Idee führte uns zu einem französischem Café mit riesiger Fensterfront mit Blick auf eben jene Kreuzung, in der wir den teuersten Eistee unseres Lebens tranken. Die wollten doch tatsächlich 750 Yen (6,50€) für ein Glas! Aber was soll man sagen, das schien ein "gehobener" Aussichtspunkt zu sein und einfach so wieder gehen wäre uns auch unangenehm gewesen.
Dann gingen wir zur Hachiko-Statue. An dieser Stelle wird einem Hund namens Hachiko gedacht, der Jahr um Jahr dort sich von seinem Herrchen zur Arbeit verabschiedet hat. Und Jahr um Jahr kam er nach getaner Arbeit zurück, bis er eines unglücklichen Tages verstarb. Hachiko trauerte indess so lange und wartete auf seine Rückkehr, bis auch dieser irgendwann verstarb. Inzwischen ist die Statue ein beliebter Treff- und Ausgangspunkt für viele Japaner.

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Wir gingen so durch die Straßen Shibuyas, trafen dort auf einen Hello Kitty-Touristeninformationsbus, den einen oder anderen British Pub und auf jede Menge Geschäfte mit sogenannten Ufo-Catchern. Ich weiß gar nicht, wie diese Greiferautomaten in Deutschland heißen, wo man unglaublich viel Kleingeld, oder wenn man das richtige Augenmaß dafür hat mit lediglich einer Münze, ein Stofftier rausbekommt. Aber die Ufo-Catcher in Japan sind eine richtige Wissenschaft für sich! Es gibt unzählige Methoden, die Waren zu positionieren, sodass man entweder die passende Technik oder viel Geld braucht. In Japan gab es nicht nur Stofftiere, sondern auch Süßigkeiten, T-Shirts, Sammelfiguren, Taschen, Kissen, Schlüsselanhänger... zu gewinnen. Ich hab mich ja in ein bestimmtes Stofftier von Cardcapture Sakura (ein Magical-Girl-Anime im Stile von Sailor Moon, der zur Zeit sehr in Japan gehyped wird und jetzt bald auch in Deutschland veröffentlicht wird) verguckt, das es in mehreren Automaten gab. Nur leider hab ich es nie bekommen, auch wenn ich bestimmt 20€ (immerhin an mehreren Tagen verteilt) da an Kleingeld gelassen habe. Und das blöde Ding gab es auch nirgendswo zu kaufen! Das gelbe Plüschtier aus den selben Automaten widerrum haben wir in verschiedenen Läden für 40€ gefunden (Was meiner Meinung nach immernoch extrem teuer ist!) Hier in Deutschland das nachträglich zu bekommen ist nahezu unmöglich und wenn dann absurd teuer. Ich hab es kürzlich für 115€ bei eBay gesehen! Aber das ist auch das Problem mit Animes, die derzeit in Japan im Trend liegen: Die Japaner sind den Deutschen soweit vorraus. Wenn man Glück hat, kommen die mit Monaten oder Jahren Verzögerung in Deutschland an. Oder sie werden nie veröffentlicht oder die Serie wird wegen niedriger Verkaufszahlen mittendrin eingestellt.  Und auch wenn man meint, schon das eine oder andere aus dem Bereich gesehen zu haben, Japan spielt da in einer ganz anderen Liga! Während Anime und Mangas hier eher so eine Jugenderscheinung ist, gehört das in Japan fest zum kulturellem Erbe. Wie oft haben wir seriös gekleidete Geschäftsmänner- und Frauen in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit gesehen, die Mangas lasen? Oder wie selbstverständlich gab es Anime-Unterstützung der Nachrichtenmoderatoren im Sport oder beim Wetterbericht. Und gefühlt jede zweite Werbeeinblendung hatte Anime-Inhalte.

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Total überfordert der schieren Masse an japanischen Mangas und Animes waren wir unter anderem in einem "Book off". Das ist eine große und erfolgreiche Ladenkette, die sich auf Second Hand-Medien spezialisiert hat. Dort gibt es echt alles von Büchern, Mangas, Artbooks, Konsolenspiele, CDs, DVDs und Blue Rays zu kaufen. Und das gleich auf mehreren Etagen... Unser "Wir springen nur mal eben schnell kurz rein" endete in einem mehrstündigen Kaufmaraton, in dem wir stapelweise für kleines Geld Soundtracks und Animes (mit immerhin englischen Untertiteln, oder sogar einer englischen Tonspur) kauften.
Im Anschluss daran gab es einen Abstecher in ein Travellors Factory, um Material für´s Scrapbooking zu kaufen. Ein Bliock auf die Uhr verriet uns, dass wir schon mehr Zeit in Shibuya verbracht hatten, als wir eigentlich wollten. So amchten wir uns nach Shinjuku auf, denn wir hatten Karten für das Robot Restaurant.
Die Gegend um das Robot Restaurant herum war scheuslich! Gut, was erwartet man? Tagsüber in einem Rotlichtviertel herumzuwandern ist immer noch besser als abends, aber so im hellen und ohne die unzähligen Leuchtreklamensah die Gegend fruchtbar heruntergekommen aus. Mehr aus Zufall stolperten wir über die Golden Gai. Das ist ein ganzes Gebiet von winzigen engen Gassen, in denen es eine Bar nach der nächsten gibt. Alle hatten natürlich zu, klar um diese Uhrzeit. Zugegeben, das war nicht weiter schlimm, da die Eintrittspreise oder qie auch immer die die Platzgebühr nennen mögen, doch sehr hoch war. Die wohl einzigen, die in der Ecke zu dieser Tageszeit Gewinn machten, waren wohl die Betreiber der Erotikvideo/VR-Kabinen-Geschäfte, in denen sich so mancher Japaner verstohlenen hinein begab.

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Nach einer geraumen Zeit des Wartens lösten wie unsere Tickets für das Robot Restaurant ein. Wie soll man das nur beschreiben? Mein Schwager bezeichnete das was er sah als "die härteste Epilepsie-Testkammer der Welt".
Man kann sagen, dass das so eine Art Dinnershow ist, mit riesigen Robotern, Samba tanzenden kanpp bekleideten Japanerinnen und viel Laser- und Pyrotechnik. Das ganze ist unglaublich laut, schrill und absolut chaotisch, also eine komprimierte Ausdrucksform der japanischen Popkultur. Und es machte richtig Spaß, einfach weil es einfach so absurde Elemente gab, auf die man so überhaupt nicht gefasst war und die uns trotzdem immer noch mit jeder verstrichenen Minute überraschten. Ich glaube, dieser Ort war der mit den meisten Nichtjapanern, den wir in der ganzen Zeit dort gesehen haben. Oberirdisch gab es eine Bar mit unzählbaren vielen blinkenden Lichtern, die beinahe hypnotisch wirkten. Wir saßen in riesigen bequemen goldenen Sesseln, die überdimensionierten Muscheln nachempfunden wurden und hörten Japan-Pop-Country eines als silbernen Roboter verkleideten Musikers inkl. Astronautenhelm auf einer Gitarre. Und die Show im Unterirdischen Bereich ist noch viel ausgeflippter. Ja das geht ;-) Außerdem tranken wir Pfirsich-Limonade aus riesigen in mehreren Farbstufen leuchtenden Glühbirnen, das macht man schließlich auch nicht alle Tage.
Theoretisch gibt es sogar eine ausgeklüngelte Geschichte, aber so ganz hinterher gekommen sind wir nicht. Die Geschichte ist handelt wohl in der Zukunft, als die Menschen Roboter bauten, damit sie ein bequemes Leben haben und unterjochten die immer intelligenteren und sensibleren Maschinen als Arbeitssklaven. Dann kam es natürlich wie es kommen musste, die Roboter entwickelten einen eigenen Willen, rebellierten, übernahmen die Weltherrschaft, zerstörten "unnützes" in den Städten und löschten fast die Menschheit aus. Viele Jahre nach der Machtübernahme der Roboter versuchen die quasi präindigenen Menschen ohne Technik, aber dafür mit viel Natur, Magie und der Hilfe von Schutzgeistern (Kami) diese zu bezwingen. Denn diese Menschen, die sich in den Wäldern versteckten waren wohl der letzte Widerstand der Menschen gegen die Maschinen...
Wir haben schon mehrere Reiseblogs gelesen, die sich schwer taten, das Robot Restaurant zu beschreiben. Aber alle waren sich in dem eingi, dass es sehr gelungen, verrückt und absolut sein Geld wert ist. Denn schließen wir uns einfach mal an. Solltet ihr einmal nach Tokyo reisen, bildet euch eine eigene Meinung und gönnt euch den Spaß!

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« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 18:51:29 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #8 am: Juni 06, 2018, 16:18:33 Nachmittag »
5.4.18 Tokyo, Ueno & Akihabara
Am gestrigen Tag erfuhren wir, dass wir für einen moderaten Aufpreis ein größeres Zimmer mit vor allem zwei Einzelbetten bekommen konnten. Gott sei Dank! Damit sollte dann auch ab dem nächsten Tag eine unserer Hauptsorgen erledigt sein.
Unser erster Anlaufpunkt für diesen Tag war die Ueno-Station. Auf dem Weg zum Ueno-Park, in dem auch der Ueno-Zoo untergebracht war, stolperten wir zufällig auf eines der beiden Hard Rock Cafés Tokyos. Ich konnte nicht umhin einen kurzen Blick hinein zu werfen, während meine Begleitung eifrig die Pandabärendekorationen fotografierte und in den umliegenden Läden stöberte.
Der Ueno-Park ist während der Kirschblüte eines der am häufigst frequentiertesten Plätze Japans. Aber in Tokyo begann die Sakura sehr früh, das heißt, dass sie zu diesem Zeitpunkt kaum noch zu sehen war. Die meisten Blüten waren bereits verblüht und der ausladend große und weiße Blütenteppich am Boden ließ erahnen, wie dieser Ort wohl vor einer Woche ausgesehen haben muss! Aber das die Blüte bereits zu großen Teilen vergangen war, hielt einige Japaner nicht davon ab nachmittags trotzdem Hanami zu veranstalten. Wir sahen dutzende Japaner auf Picknickdecken und Planen, die stabile Amazonkartons als Tische umfunktioniert hatten.
Auf  dem Weg zum Zoo erkundeten wir einen buddhistischen Minitempel, den Kiyomizu Kannon-dó und ein Denkmal, den Giant Buddha. Der beinahe unscheinbare kleine Tempel liegt auf einer Anhöhe inmitten des Ueno Parks und ist der älteste buddhistische Tempel Tokyos. Früher gab es einmal einen riesigen Tempelkomplex des Kan’ei-ji, von dem der Kiyomizu Kannon-dó nur einer von 68 Gebäuden war. Ohne den Kan’ei-ji würde es heute keinen Ueno Park geben. Dabei kam die Idee einen für die Bevölkerung öffentlichen Park innerhalb einer Stadt zur Verfügung zu stellen, erst sehr spät und zwar von einem niederländischen Militärarzt, der in Japan zu hohem Ansehen gekommen ist. Dabei waren wohl weite Teile der Anlage bereits nicht mehr vorhanden. Der Kiyomizu Kannon-dó ist eine Nachbildung des Kiyomizu Temple in Kyoto (dem Tempel des heiligen Wassers mit seiner Tribüne der Tollkühnheit, die wir bereits an unserem ersten Tag in Kyoto vor drei Jahren besucht haben). Kurios ist dabei der Blick von der kleinen Tribüne auf einen Pinienbaum, der kreisrund wie ein Reifen bewachsen ist. Der Tempel wird wohl besonders häufig von Frauen aufgesucht, die schwanger werden wollen und sich Gesundheit in der Schwangerschaft erhofften. Das haben wir auch erst später erfahren, aber viele zu kaufende Schutzamulette zielten auf diese Gebete ab.

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Zusätzlich gab es noch ein weiteres Gebäude, welches aus der Edozeit des Kan’ei-ji erhalten geblieben war. Dabei handelte es sich um die fünfstöckige Pagode , die im Ueno-Zoo stand. Wir waren schon sehr gespannt auf den Ueno-Zoo! Im Vorfeld haben wir erfahren, dass die chinesische Regierung den Japanern ein großes Pandabärenpaar (Ri Ri, das Männchen und Shin Shin, das Weibchen) geschenkt hat und tatsächlich gab es von den beiden sogar ein Pandababy namens Xiang Xiang (Weibchen)!  Diese Tiere  vermehren sich unglaublich selten in Gefangenschaft. Xiang Xiang ist das erste Baby seit fast 30 Jahren. Einen Blick auf das zwei Monate alte Jungtier konnten wir leider nicht werfen, da es ein so großes Interesse gab, eine Lotterie eingeführt werden musste, um die beiden Weibchen zu sehen. Immerhin konnten wir Ri Ri sehen, der vollends tiefenentspannt an seinem Bambus herumkaute und alle Viere von sich streckte.
Ansonsten war der Zoo relativ groß und wurde in zwei Bereiche unterteilt, die man entweder mit einer Monorail oder durch einen Spaziergang zu Fuß zurück legen konnte. Doch leider fanden wir den Zoo insgesamt alles andere als schön, da er mit Gehegen und Volieren vollgestopft war und die Tiere teils viel zu wenig Platz oder teilweise überhaupt keine Rückzugsorte besaßen. Ich weiß, viele sagen, dass Zoos generell wenig mit dem Tierwohl gemein haben, aber ich kenne einige Zoos, die sich sehr darum bemühen, die Tiere so artgerecht wie möglich zu halten. Im Ueno-Zoo war es allerdings so, dass die Gruppen derart klein waren und die Tiere teilweise sehr stört oder kränklich wirkten. Wir sahen z.B. ein einzelnes Zebra, das ganz allein in einem viel zu kleinen Außengehege war und ständig nervös auf und ab lief, nur dass es nach wenigen Schritten sofort wieder umdrehen musste, weil es den Rand seines Geheges erreicht hatte und sich ständig den Kopf schüttelte. Das Tier wirkte völlig abwesend. Man bekam richtig den Eindruck, dass die Planer dachten "Gut, wir haben einen Zoo... Was gehört zum Standartrepertoire eines Zoo? Richtig: Zebras! Wir haben hier ein Zebra, das reicht, check. Nächste Tierart..." Ganz ehrlich, es wäre mir tausendmal lieber gewesen, wenn sie weniger Tierarten, diese dann aber ordentlich untergebracht hätten!
Ganz schlimm und uns fast das Herz gebrochen hat und ein Themenhaus über die "kleinen Säugetiere". Was haben diese Tiere meist miteinander gemein? Richtig, sie sind klein und pelzig, was sie mit hoher Wahrscheinlichkeit kaweii (das heißt so viel wie putzig, niedlich) macht. Leider war das in dem Fall für die Tiere sehr negativ zu verstehen. Z.B. Erdmännchen, jeder liebt sie und kennt sie aus unzähligen Tierparks, wie eine Gruppe von vielleicht 20 wuselnden kleinen Gesellen teilweise aufrecht stehend die Menge beobachten und Wache halten, während die anderen sich in ihren Höhlen verkriechen oder diese buddelnder Weise vergrößern. Nicht dort! Mittig im Raum stand ein gläsener Glaskasten mit lediglich drei (!!!) kränklich drein blickenden Erdmännchen. Einer von ihnen stand, aber die Besucher standen ja von allen Seiten, was die Tiere richtig unter Stress setzen musste. Das Fell war so unglaublich zottig, ja fast schon speckig. Ich hab später ein Foto gesehen, der wirkte wie eine schlechte Tierpräparation aus einem Naturkundemuseum. Das mit schlimmste an diesem Schaukasten war noch, dass die drei auf Plastik standen, das total zerkratzt war, so viel zum Thema buddeln. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schlecht uns von diesem Anblick wurde und das hatten wir ja mit unserem Eintritt noch mit unterstützt. Das wurde uns echt zu viel und wir verließen den Zoo. Es waren zum Glück nicht alle so schlimm wie die genannten Beispiele untergebracht, aber so manches Bild werde ich meinen Lebtag nicht mehr vergessen!

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Langsam hatte es auch angefangen zu regnen und es war an diesem Nachmittag wesentlich kälter als an den übrigen Tagen, so stiegen wir durchnässt und abgeschafft in die Bahn nach Akihabara. Das ist ein Viertel das wir beim letzten Mal lediglich beim Vorbeifahren gesehen hatten. Es ist berühmt für seine junge Anime- und Computerspielkultur.
Und natürlich auch für seine Maidcafés. Eine Maid oder Maiden ist eine Kellnerin in einer Dienstmädchen- oder Schulmädchenuniform, die sich in einer Art Rollenspiel ihren Gästen besonders neidlich und zuvorkommend verhält. Z.B. rühren sie einem den Kaffee um oder begrüßen einem mit einem "Hōmu e yōkoso" (Willkommen zuhause!). Freunde, die das bereits versucht haben, waren recht begeistert. Es gibt auch das seltenere männliche Perdant dazu, die sogenannten Butler Cafés.
Wir stolperten auf eine Anzeige eines Maid Cafés, als wir gerade den Bahnhof verleißen und dachten uns: Warum nicht? Einen Kaffee konnten wir gerade gut gebrauchen. Wir gingen also hinein und wurden herzlich von einem Dienstmädchen empfangen. Diese führte uns in einen merkwürdigen Raum größeren Raum ohne Fenster, aber dafür mit Bar, einer Bühne und einigen Tischgruppen. Alle im Raum anwesenden Leute trugen Plüschkopfbedeckungen wie Hasen- oder Katzenohren. Wir setzten uns, bekamen auch unsere rosannen Hasenohren und schon wurde das Oberlicht gedimmt, die Scheinwerfer auf die Bühne geworfen und eine Maid (nicht unsere) ging mit einem Mikrofon auf die Bühne, sang und tanzte zu einem Lied. Kurz darauf wurde das mit einer anderen Maid (es gab von denen bestimmt ein halbes Dutzend, die überall herumwuselten), die mit übergroßen Katzentatzen-Plüschhandschuhen tanzte. Willkommen in Japan...^^
Es schien so, als hätte jeder Tisch eine persönliche Maid, die sie bediente. Außer uns waren noch ein junges Pärchen im Raum (offensichtlich ein Date, wobei das Mädel an der Szenerie wesentlich mehr Freude zeigte, als ihr Freund, der sich sichtlich unbehaglich fühlte), ein älterer Mann, der schweigsam sein Essen aß und zu langsam zu der Hintergrundmusik den Kopf nickte, ein neongrün/schwarz gekleideter Punk mit Iro und vielen Piercings, der das volle Programm (mit Liveshow und vielen Fotos) gebucht hatte, bei dem wir schätzten, er hatte eine Wetter verloren, aber er zeigte sich recht begeistert von seiner Umgebung und ein paar verirrte Touristen wie wir.
Nach einer Weile (wir hatten bereits befürchtet, man habe uns vergessen, was nciht gerade für eine zuvorkommende Bedienung spräche) kam eine Maid auf uns zu und erklärte uns die Karte.   Es gab zusätzlich zur Platzgebühr entweder bestimmte Pakete über Einzelpositionen als Essen/Getränke, Dienstleistungen und Souvenirs, die preislich aufgeführt waren. Für etwas herzhaftes hatten wir noch keinen Hunger, also bestellten wir uns einen Neko (Katzen)-Eisbecher und ein Polaroid als Beweisfoto. Es hat zwar ein wenig gedauert, aber der Eisbecher war unglaublich süß dekoriert und schmeckte wirklich hervorragend. Und ja, wir "mussten" auch auf die gt ausgeleuchtete Bühne mit unseren Hasenohren und mit einigen Maiden mit Handherzen vor der kamera posieren. Natürlich wurde das Polaroid von denen mit rosa Lackstift noch kräftig verziert.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018


Da die Zeit unaufhaltsam in Richtung Abend schritt, machten wir uns also auf, Akihabara zu erkunden. Natürlich fanden wir uns in den Straßen aus riesigen hell beleuchteten Kaufhäusern und Vergnügungshallen mit Ufo-Catchern, Karaoke und Videospielen wieder. Über riesige Videoleinwände wurden Ausschnitte aus uns unbekannten Animes gezeigt. Es heißt ja, dass Werbung auffallen soll. Aber wenn man die ganzen Leuchteffekte sieht, Leinwand an Leinwand und dabei kaum ein Meter Platz gelassen wurde, weiß man nie, wo man alles hinsehen soll. Wir fragten uns, ob und wie es die Menschen hier schafften, diese für sich auszublenden. Rückblickend würde ich sagen, wenn ich die drei Städte, in denen wir dieses Jahr waren mit einem einzigen Wort beschreiben müsste, wäre Osaka laut, Kyoto schön und Tokyo bunt.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Schließlich gingen wir in eines der Kaufhäuser hinein und wurden erschlagen von der schieren Masse an Merchandise, Sammelobjekten und Modellbauzubehör die es so gab, Etage für Etage für Etage... Das hörte irgendwie auch nicht mehr auf. Zwar waren die Etagen in bestimmte Rubriken unterteilt, z.B. K-Anime (wobei K für koreanisch steht), aber wir erkannten den Unterschied nicht  wirklich. Das hörte irgendwie nicht mehr auf und es fiel uns stellenweise schwer im Blick zu behalten, wo wir etwas bestimmtes gesehen haben, das wir wiederzufinden versuchten.
Des Weiteren statteten wir noch einmal einem Don Quijote einen Besuch ab, um Süßigkeiten und Matcha für unsere Lieben daheim zu kaufen. Was für ein Tag! Wir schleppten uns bis zu unserem Hotel, begutachteten unser neues Zimmer und fielen Kaputt auf unsere beiden (!) Betten.
« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 18:21:52 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #9 am: Juni 06, 2018, 16:18:59 Nachmittag »
6.4. Tokyo, Ikebukuro
Selten habe ich so dringend Schlaf gebraucht wie nach dem gestrigen Tag. Wir haben uns den Luxus gegönnt, ein wenig länger zu schlafen. Eigentlich wollten wir einen großen Stadtspaziergang zum und in der Gegend um das Ghibli-Museum herum machen.
Das Studio Ghibli ist ein sehr bekanntes japanische Zeichentrick- und Animationsschmiede, die sich durch viele preisgekrönte Trickfilme in Spielfilmlänge auszeichnet. Dabei sind die Filme sehr unterschiedlich in Genre und Thema. Während "mein Nachbar Totoro" ein wunderbarer für Kinder geeigneter Film ist, der sich um Wald- bzw. Schutzgeister dreht ist "Prinzessin Mononoke" sehr gesellschaftskritisch und greift das Thema Umweltverschmutzung durch den Menschen auf, bis hin zu "die letzten Glühwürmchen", ein schreckliches Antikriegsdrama des zweiten Weltkrieges aus der Sicht zweier Kinder, die versuchen in dem Chaos zu überleben und letztlich verhungern.
Doch leider begab es sich im Vorfeld nicht, dass wir zwei der wirklich begehrten Karten bekommen sollten. Auch wenn wir es auf unterschiedlichen Wegen versucht hatten. Und da wir es gestern eh maßlos übertrieben hatten, beschlossen wir es heute ausnahmsweise einmal ruhig angehen zu lassen und erkundeten die Gegend um unser Hotel, das Viertel Ikebukuro. Schließlich sind wir an unserem ersten Tag direkt "zurück" nach Asakusa und haben uns gar nicht so richtig die Hotelumgebung angesehen. Ein kleiner Spoiler vorweg: Wir haben diesen Tag Pause echt gebraucht!
Wir stromerten ausgiebig durch ein Kaufhaus der Kette "Tokyo Hands", die auf acht Etagen alles zum Thema Lifestileund Do it yourself haben und eine wirklich tolle Schreibwarenabteilung besitzen. Spannend fand ich auch den Bereich "Science Circus", indem es alle möglichen Laborausstattungen für die Küche und co. gab. Da schmeckt das Bier aus dem Erlenmeyerkolben plötzlich ganz anders...^^

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018


Unser Stadtreiseführer empfahl in Ikebukuru ein bestimmtes Katzencafé "Nekorobi". Tiercafés sind eine weitere Eigenheit Japans. Für viele Menschen dort sind sie die einzige Möglichkeit Kontakt mit Haustieren zu bekommen. Wohnraum ist sehr klein und teuer und in der Durchschnittsfamilie gehen beide Elternteile Vollzeit arbeiten, während das Kind in der Schule ganztagsbetreut ist. Das ist eine ganz andere Form der Leistungsgesellschaft. Da bleibt wenig Spielraum für die Haltung von Haustieren, sieht man einmal von Fischen, Nagern oder Reptilien ab, die sich gern selbst genug sind und neben Futter- und Streuwechsel den Menschen nicht brauchen. Und hier kommen die unzähligen Tiercafés ins Spiel: Das sind Cafés, in dem die jeweiligen Tiere im Vordergrund stehen. Unsere Erfahrung im Ueno-Zoo ließ uns erahnen, dass das nicht immer unbedingt im Sinne der Tiere ist. Wir sind in den vergangenen Tagen an unzähligen Katzen-, Hunde-, Eulen- und Igelcafés vorbeigekommen. Wobei wir annehmen, dass die Haltung bei Katzen noch am ehesten zu vertreten ist. Und ja, wir vermissten auch unsere Katzen zuhause und probierten es einmal aus.
Wir fuhren mit einem Fahrstuhl in ein eher unscheinbares Wohngebäude zu dem angezeigten Catcafé Nekorobi. Um die Tiere zu schützen, mussten wir natürlich die Schuhe ausziehen und unsere Hände waschen und desinfizieren. Wir fanden uns in einer für japanische Verhältnisse großen Wohnung wieder, die letztlich aus einem großen Hauptraum bestand. Wenn ich irgendwo das Wort Café höre, dann denke ich unweigerlich an ein traditionelles Wiener Kaffeehaus, in dem es frisch gebrühten Kaffee und hausgemachte Kuchen gibt. Nicht so in diesem Katzencafé. Kulinarisch betrachtet gab es innen nur einen Getränkeautomaten, an dem man sich „kostenlos“ Getränke ziehen konnte. Der Raum war voller Katzenkörbe, Kratzbäume, Spielsachen und einiger tiefenentspannter Katzen, die sich nicht die Bohne für uns interessierten, sich aber schon ab und an einmal streicheln ließen. Wir hatten das Gefühl, den Tieren ging es gut und ihre Besitzer passten auch gut auf sie auf. Natürlich machten sie auch ständig Fotos von ihnen und besitzen auch einen eigenen YouTube-Channel.
Unglaublich, wie schnell so eine Stunde vorbei gehen kann. Wir fanden noch einen weiteren Book off, verweilten da aber nur kurz und gingen zu Starbucks „einen richtigen Kaffee“ trinken. Wir überlegten, was wir an diesem Tag noch machen sollten, entschieden uns für ein weiteres großes Kaufhaus, das einen hübschen Dachgarten hatte und in der Restaurantetage des Seibu ein hervorragendes Curry.

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Dann machten wir uns gegen späten Nachmittag zurück ins Hotel auf, verbrachten den Abend ruhig vor dem Fernseher und genossen japanisches Lern-TV, in dem man so praktische Sätze lernen konnte, wie: „Feel free to use my wallet“ (Benutzen Sie ruhig meine Geldbörse, was wohl zugegeben ein Scherz sein sollte) oder man konnte lernen, wie man korrekt in Englisch bei einem Kellner in einem Restaurant nach Batterien fragt, wenn mal wieder das Diktiergerät vor einem wichtigen Interview leer geht. Jeder kennt das Problem…^^
« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 19:13:47 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #10 am: Juni 06, 2018, 16:19:23 Nachmittag »
7.4.18 Tokyo, Minato & Odaiba
Heute war unser letzter richtiger Tag in Tokyo. Denn am kommenden Tag sollten wir bereits in Richtung der Außenbezirke Tokyos zu den Disney Parks unterwegs sein, die den Abschluss unseres Urlaubs darstellten.
Zuerst ging es nach dem Frühstück mit der Bahn in den Stadtteil Minato. Nach den ganzen Kaufhäusern in den letzten Tagen durstete es uns nach Kultur und Sightseeing. Unser erstes  Ziel war der Zojoji-Tempel mit seinen Shogunengräbern. Als wir uns dem Tempel näherten, sahen wir von Fern eine riesige Prozession mit vielen Männern in goldenen Gewändern und witzigen Hüten. Diese zogen mit Musik in den großen Hof des Tempels ein und gingen die riesigen Treppen in die Gebetshalle hinein. Kurze Zeit später hörten wir über Lautsprecher wundervolle fast schon meditativ wirkende chorale Gesänge. Wir erfuhren nachher von einem der unzähligen Sicherheitsleute im Hof, dass es sich hierbei um das sogenannte „Gyoki-Daie“ handelt, welches einmal im Jahr stattfindet. Am ehesten kann man das vielleicht mit einer Bischofskonferenz vergleichen, wo sich die religiöse Elite einer bestimmen Strömung innerhalb des buddhistischen Glaubens zusammen setzt und darüber debattiert, wie die Kirche zu ausgewählten Themen steht. Und um diese Konferenz zu eröffnen, wird eine große Messe abgehalten, die gerade stattfand. So gesehen hatten wir richtig viel Glück, dies per Zufall mitzubekommen.
Wir stromerten ein wenig über das Gelände, nahmen den markanten Geruch  von Räucherstäbchen und frisch geröstetem Tee wahr und sahen einen riesigen Bereich, der Jizô gewidmet war. In beinahe jedem Tempel fanden wir die kleinen Kinderfiguren aus Stein, die kleine rote Mützen oder Lätzchen trugen, viele davon gehäkelt und stellenweise stark von Moss bedeckt. Hier waren es unzählige, manche alt, viele neu und die meisten hatten sogar kleine bunte Windräder oder Erinnerungsstücke wie Schnullerketten oder Glücksbringer bei sich. Im Buddhismus stehen die Geister von Kindern, die vor ihren Eltern sterben, unter einem besonderen Schutz. Ohne die Orientierung der Eltern sind diese Seelen in der Zwischenwelt, die das Totenreich von den Höllen trennt, gefangen. Jizô spürt ihre Geister aufgrund der roten Kleidungsstücke auf und bringt sie über den Fluss Sanzo in das sichere Totenreich. Einfach die schiere Masse der kleinen rot bekleideten Kinderfiguren Reih an Reih, der Wind, der durch die vielen kleinen Windräder wehte und die sakralen Chorgesänge im Hintergrund ließen uns die Stimme versagen und stimmte uns nachdenklich.
Wir gingen zurück zum großen Vorhof und sahen, dass auch wenn die Messe vor einiger Zeit begonnen hatte, immer noch Menschen hereingebeten wurden. So schlossen wir uns ihnen an und nahmen an der Messe teil. Natürlich wussten wir wenig über die Riten und verstanden auch die gesungenen Texte nicht. Aber dennoch war es eine schöne Erfahrung und wirklich eine Bereicherung! Wir fanden auch die eine oder andere Parallele zu einem christlichen Gottesdienst. Gegen Ende der Zeremonie wurden kleine wertvoll aussehendes zweigeteiltes Holzkästchen herumgereicht. Auf der einen Seite mit einer glühenden Kohle, auf der anderen Seite mit gemahlenen Räucherwerk. Man nahm eine kleine Prise, hielt sich diese kurz vor die Stirn und rieselte den Weihrauch auf das Kohlenstück. Dann verneigte man sich und übergab das Kästchen seinem Sitznachbarn oder dem Priester, der es zum nächsten trug.

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Am Anschluss setzten wir unseren Weg fort und gingen zu einem der Wahrzeichen Tokyos, dem Tokyo Tower. Letztlich ist das eine rot-weiß bemalte Nachbildung des Eifelturms, nur 60 Jahre jünger und dafür ein paar Meter höher. Dort genehmigten wir uns einen phantastischen gerollten Crepe mit Äpfeln, Zimt und sehr fester Schlagsahne (whipped cream) zu dessen Füßen.
Dann wollten wir auf eine der künstlich angelegten Vergnügungsinseln, nämlich nach Odaiba fahren. Unser Ziel war die führerlose Monorail, mit der man auf diesem Weg über die Rainbow Bridge, ein weiteres Wahrzeichen Tokyos, fährt. Doch natürlich fanden wir diese nicht auf Anhieb. Ein freundlicher Mann von einer Touristeninformation wies uns den Weg und schenkte uns ein „Welcome Candy“, nur zu dumm, dass unser Urlaub beinahe vorbei war… ;-)

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Tja, was erwartet einen auf Odaiba? In der Hauptsache jede Menge Kaufhäuser. Wir trafen auf eines, das einen künstlichen Himmel, ein ausgeklüngeltes Klimasystem und riesige Brunnenanlagen aufwies, sodass man nicht gerade das Gefühl hatte, sich im Inneren eines Gebäudes zu befinden. Sondern eher, als würde man einen Shoppingbummel in den Straßen von Mailand machen, nur fehlte dafür ein wenig die echte Sonne. Des Weiteren gab es einige teils sehr exotische Cafés, wie das Gundam-Café mit seiner über 10 Meter hohen Roboter/Mechwarrior-Statue, die fast schon bedrohlich beeindruckend davor aufgestellt war und eine schöne Strandpromenade mit Blick auf die Tokyoer Skyline. Alles wirkte ein wenig US-Amerikanisch, im Hintergrund ertönte Wohlfühljazz wie Frank Sinatra und co, es gab sogar eine kleine Freiheitsstatue!

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Wir vertrieben uns ein wenig die Zeit. Eigentlich wollten wir in ein großes Onsen (Thermalbad) mit kleinen Knabberfischen gehen, aber es wurde wettertechnisch nochmal so richtig ungemütlich. So blieben wir in der Piergegend, warteten dort auf den Sonnenuntergang und schossen Bilder von der nächtlichen Skyline. Wir fuhren den Weg nach Minato zurück und besuchten das World Trade Center. Dort genossen wir einen Blick aus der 40. Etage und standen inmitten eines  pulsierendes Tokyos.
Good bye, Tokyo!

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #11 am: Juni 06, 2018, 16:20:02 Nachmittag »
8.4.18 Tokyo, Disneyland
Tag 12, ach du meine Güte, wie schnell verfliegt doch die Zeit! Hatten wir gestern noch mühselig alle sieben (oder sollte ich nach unserem Shoppingwahn in den letzten Tagen lieber 7000 sagen?) Sachen gepackt, ging es dann früh morgens mit zwei Koffern und zwei Reisetaschen in Richtung Disneyland. Und das natürlich wie immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir waren bereits froh, dass es sonntags keine Rush Hour gab, durch die wir uns mit dem Gepäck hindurch manövrieren mussten, aber je näher wir natürlich dem Disneyland kamen, desto voller wurde es. So kam es, dass wir trotz nur zwei Umstiegen fix und fertig waren. Das letzte Stück ging es dann mit der disneyeigenen Monorail.
Als wir endlich im Mira Costa angekommen waren, konnten wir glücklicherweise direkt unsere Sachen beim Kofferboy abgeben und im Inneren des Hotels die Eintrittskarten kaufen. Das spart einiges an Zeit und man erhält nebenher 1,2 kleine Bonis, z.B. dass die Monorail inklusive ist und man 15 Minuten vorher in den Park kann. Jedenfalls war die Lobby wunderschön! Das Hotel war im Meeresthema gestaltet. Eine wundervolle Mischung aus dunklen Kolonialzeitmöbeln, schweren weichen Teppichen und ein venezianisch verspielter Stil luden zum Verweilen ein. Ein riesiges Segelschiff aus dunklem Holz war zentral in der Lobby angebracht und das Kuppeldach zeigte herrliche Fresken. Auch unser Zimmer, das wir erst am Abend bezogen haben, war riesig und elegant. Wenn es in Japan einen Luxus gibt, dass ist es Platz. Unser Zimmer mit Blick auf die Venice Side (also auf die venezianische Bucht im Disney Sea Park) war so riesig, dass wir unsere vorigen drei Zimmer in dieses hätten packen können. Und nein, das war keine Übertreibung! Tja ja, nobel geht die Welt zugrunde. Japanische 4,5 Sterne bedeuten echt was, auch wenn sich das leider auch im Preis niederschlägt. Wir haben allein für das Hotel bei zwei Tagen, drei Nächten mehr bezahlt, als in der ganzen Zeit, in der wir im Hotel in Ikebukuro untergebracht waren. Und dabei waren die Eintrittspreise nicht mit eingerechnet. Aber wir sollten nicht zu laut jammern, schließlich haben wir uns das ja auch so ausgesucht. Vor drei Jahren, als wir unsere erste Reise in Tokyo gestartet und beendet haben, sind wir beide Male am Disneyland vorbeigefahren und haben uns vorgenommen „sollten wir jemals noch einmal her kommen, würden wir mindestens einen Tag hier verbringen. Und wie es in jedem Disneyland üblich ist, gibt es zwei direkt benachbarte Parks, ein „traditionelles“ mit Schloss und co, sowie ein länderspezifisches. Also planten wir Tage als Abschluss unserer Reise ein.
Obwohl wir so früh morgens los sind, betraten wir doch erst zum späten Vormittag das Tokyo Disneyland. Architektonisch erkannten wir viel bei der Parkgestaltung aus dem Eurodisney (wir waren mit drei anderen Freundinnen in den Jahren 2009 und 2011 dort.) wieder. Wahrscheinlich gibt es da für den Wiedererkennungswert strikte Vorgaben, so wie jeder IKEA einem sehr ähnlichen Schema folgt.
Im US-amerikanisch angehauchten Eingangsbereich mit zahllosen Shops trafen wir auf eine gut gelaunte Bigband und auf einige verrückt Japaner, die am Bordstein saßen, wo um 15.00 Uhr die Parade vorbei zieht. Ja, richtig gelesen! Die warteten in aller Seelenruhe auf Picknickdecken sitzend vier Stunden darauf, um ja bei der Parade vorne zu stehen. Verrückt! Aber wahrscheinlich haben die auch ein System und wechseln sich auch einmal ab.
Wir haben während unseres Aufenthaltes gesehen, wie einige Besucher in den Wartebereichen bereits ihre nächste Fahrattraktion via App planten. Dort konnte man minutengenau einsehen, wie lang auf welchen Attraktionen die Wartezeit war, für welchen Zeitraum die im Ticketpreis mit enthaltenen Fastpass-Karten liegen, welche Shows laufen und welche Bahnen gerade gewartet werden.

Adventure Land
Dies begrüßte uns mit einer herrlich exotischen Dschungelatmosphäre. Es war viel bemaltes Holz verbaut, bunte Totems und überall waren wilde Blumen und Orchideen angepflanzt.
Zu einer Besonderheit bzw. Kuriosität: In jeder der beiden Parks stehen keine mobile Popcorn-Wägen, die allerlei Sorten verkaufen und das für relativ kleines Geld (für eine ordentliche Popcorn umgerechnet 3 Euro), sodass man sich während des Aufenthalts einmal quer durchprobieren konnte. Neben recht üblichen wie Karamell und gesalzenem Popcorn gab es auch Curry, Sojasoße & Butter, Shrimps & Knoblauch, Tomate & Oregano, Pfeffer, Honig und Blaubeere. Unsere Favoriten: Milchschokolade (süß) und Curry (herzhaft/salzig).

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018


Swiss Family Tree
In diesem Dschungel war das begehbare Baumhaus einer Familie aufgebaut, die Schiffbruch erlitten hatte und aus dem, was ihnen zur Verfügung stand ihr Haus gebaut hatten. So waren viele Teile des Schiffs verbaut. Es gab richtige Zimmer, sogar ein großes Ehebett für die Eltern aus der Kapitänskajüte und verspielte Hängematten aus schweren Samtgardienen. In der Krone des Urwaldriesen hatte man einen tollen Überblick auf den Park.

Jungle Cruise
Diese Flussfahrt auf dem Amazonas war echt toll! Zusammen mit 20 anderen Japanern stiegen wir in ein Motorboot. Eine in rangermanier gekleidete junge Parkangestellte begrüßte uns, tat so, als würde sie das Boot steuern (oder steuerte sie es tatsächlich?) und kommentierte die Fahrt. Generell gab es unglaublich viele Menschen, die in den Parks arbeiteten, wesentlich mehr als in anderen Vergnügungsparks. Was sonst wo ein Tonband übernehmen würde, stellte die Rangerin gekonnt dar. Tatsächlich konnten wir zwar nicht alles wörtlich verstehen, aber die Mimik und Gestik half ungemein. So fuhren wir an liebevoll gestalteten Figuren am Ufer vorbei und wurden schon fast ein wenig nass, als  wir einem Strudel oder Wasserfall kreuzten. Thematisch orientierten sich die Figuren an das Dschungelbuch, Tarzan und an dem König der Löwen.

The encharted Tiki Room

Das war eine süße kleine Musikshow mit Figuren aus Lilo & Stitch, in der von oben aus der Decke kommende Papageien und Orchideen das Titellied „Aloha E Komo Mai!“ singen, während Stitch den einen oder anderen Streich spielt und sich Anschluss singend in Hawaiihemd und Ukolele spielend dazu gesellt.

Pirates oft he Caribbean

Dieses Fahrgeschäft kannten wir bereits aus dem Eurodisney. Von außen her sind wir gefühlt mehrmals daran vorbeigelaufen. Wo es in Paris eine aufwendige Piratengegend inkl. Totenkopfinsel und Schiff von Kapitän Hook gegenüber gab, so war dieses in einer unscheinbaren Kolonialstil- Häuserfassade eingebaut. Die Fahrt drinnen über dem Wasser Fuhr an täuschend echt gestalteten Puppen vorbei, an sich sehr detailreich gestaltet mit komplexen Bewegungsabläufen und teilweise sogar einer erkennbaren Mimik. Dennoch wirkte das drum herum auf uns ein wenig lieblos.   


Westernland

Die Umgebung die uns dort erwartete, erinnerte thematisch an die unzähligen US-amerikanischen Nationalparks, wie z.B. den Bryce Canyon mit seinen spitz zulaufenden roten Felsformationen und vielen riesigen Kakteen. Hier genossen wir ein sehr leckeres rauchig saftiges Truthahnbein. Von der Menge her genau richtig und etwas, was sich bestimmt auch in Deutschland gut verkaufen würde.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Big thunder mountain
Das ist eine der wenigen Achterbahnen im gesamten Park und relativ unspektakulär. Man rast dort in einer Lok den Canyon rauf und runter. Klar, es macht schon Spaß sie zu fahren, aber wir standen schon eine Stunde dafür an und da liegt bei mir persönlich die Schmerzgrenze. Ich fürchte, was Achterbahnen betrifft, sind wir in Deutschland einfach zu verwöhnt. Vor allem, wenn man so Parks wie das Phantasialand kennt.

Critter Country

In dieser Gegend haben wir eigentlich nichts gemacht. Die große Attraktion „Splash Mountain“ als Wildwasserbahn auf die wir beide ganz gerne drauf gegangen wären, hatte eine Wartezeit von zwei Stunden aufwärts und das war es uns einfach nicht wert. So genossen wir bei schönstem Sonnenwetter ein leckeres Eis und beobachteten die Leute, die auf der Bahn verhältnismäßig wenig nass wurden und sahen von Weiten die Parade an uns vorbei ziehen.


Fantasyland

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
   

Cinderella Schloss
Was wäre ein Besuch im Disneyland ohne das berühmte Schloss von Cinderella? Also dorthin und ein wenig Neuschwanstein-Flair getankt. Mit dem Aufzug ging es nach oben und und durch die wundervoll noblen fantasy-barocken Räume mit ausgefallenen Buntglasfenstern und Vitrinen, in denen jeweils richtige Kunstwerke ausgestellt wurden, die die Geschichte von Aschenputtel erzählten. Das interessante an der Sache war, dass jede Szene in den Vitrinen in unterschiedlichen Formendes Kunsthandwerks, von Holzschnitten über Glasbläserei und gemalte Werke in Öl oder Aquarell dargestellt wurden. Natürlich gab es auch einen Thronsaal inklusive gläsernen Schuh und jeder Menge Orte, in denen man sich mit Gegenständen fotografieren lassen konnte.

Haunted Mansion
Das Spukhaus war unglaublich toll, auch wenn wir hier wieder knapp eine Stunde draußen anstehen mussten. Immerhin waren auch die Wartebereiche mit einem charmanten schwarzen Humor gestaltet, so gab es kleine Grabsteine für Katzen mit 9 Todesdaten und englische Wortspiele wie der Kröte, die "croaked". Innen wurde es schon düster atmosphärischer. Die schaurig schöne Hintergrundmusik, die vielen künstlichen Spinnweben und die Dunkelheit durch die wir gingen steigerten unsere Vorfreude noch.
Dan sagte ein Mitarbeiter etwas, das wir nicht verstanden, aber es enthielt eine Entschuldigung und das Laufband mit den Gondeln wurde angehalten. Wir stöhnten innerlich auf. Sollten wir so viel Pech haben, dass die eine jetzt eine technische Störung haben? Kurz bevor wir dran kommen nach einer Stunde Wartezeit? Nein, wir sahen, dass einige Mitarbeiter einer Frau im Rollstuhl in die Gondel halfen, weswegen sie die Fahrten angehalten haben. Sie warteten, bis die Frau und ihre Begleiter sicher saßen und  der Rollstuhl sicher verwahrt war. Die Vorfreude der Frau seh ich noch jetzt vor mir, als sie losgefahren ist. Das hat bei mir eine Gänsehaut verursacht, ganz ohne Gruseleffekte. Für sie war das etwas ganz besonderes, wobei diese "Extrabehandlung" für alle anderen umstehenden selbstverständlich war.
Die Bahn ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Denn dort wird nicht mit Effekten gegeizt. So gibt es einen Aufzug mit Portraits, die aber wenn dieser langsam nach unten fährt weitergeführt werden und erzählen, wie die Personen ein schlimmes Ende nehmen. Es gibt ein Bild von einem jungen Mann, dessen Gesicht sich langsam in ein Skelett verwandelt, die Übergänge aber derart fließend sind, dass man die Entwicklung erst sehr spät bemerkt. Tatsächlich verstanden wir beide auch viel mehr von den auf japanisch gesprochenen Texten, als wir in Paris waren. Das wirft jetzt zugegeben ein eher schlechtes Bild von meinen Französischkenntnissen...^^

Mickey´s Philhar Magic
Das war eine tolle Filmvorstellung, die ein wenig an ein 3D-Kino erinnerte. Nur gab es dort auch Vibrationen im Sitz, Wasserdüsen von oben und sogar gezielt eingesetzte Gerüche!
Von der Geschichte, die erzählt wurde, "lieh" sich Donals als Dirigent, der von seinem Orchester geärgert wurde Mickeys Zauberhut aus Fantasia (in Anlehnung an Goethes Zauberlehrling) aus, den er aber überhaupt nicht beherrschen konnte. So fegte er durch die Lieder aus einigen Disneyklassikern, in dem Versuch, den Hut wieder einzufangen.
Wie oben schon erwähnt, am einprägsamsten war noch, als  bei "Sei hier Gast" aus "Die Schöne und das Biest" das Dessert serviert wurde. Mit einem Mal roch es plötzlich nach Banane und Kuchen, so als hätte gerade jemand frisches Bananenbrot gebacken!


Tomorrowland
In dieser Themenwelt ist alles untergebracht, was annährend futuristisch ist. Außer dem Toontown, das eher Vertreter deutlich jüngeren Publikums gedacht ist, war das Tomorrowland unser letzter noch fehlender Bereich an diesem Tag. Unglaublich, dass wir trotz längerer Wartezeiten doch so einiges sehen konnten und teilweise erhebliche Unterschiede zum Eurodisney ausmachen konnten. Sehr gut fanden wir in Tokyo, dass die Parks sehr lange geöffnet haben! Wo die Parkbetreiber in Paris (zwar zugegeben in der Nebensaison, aber trotzdem...) aber trotzdem nur bis 18.00 oder 19.00 auf hatten, schlossen diese dort erst ab 22.00 Uhr. Da konnte man richtig was geschafft bekommen.

Star Tours

Als großer Freund des Star Wars Franchise (sieht man einmal vom übertriebenen Merchandise und einigen cineastischen Ausrutschern ab), freute ich mich auf diese Attraktion besonders. Wir waren in einem sehr charmanten Simulator eines Star Speeders unterwegs, den aus Versehen C-3PO mit tatkräftiger Utnerstützung von R2D2 steuerte. Wir hatten uns so an die Sprache gewöhnt, ich kann gar nicht mehr sagen, ob die Texte nun auf japanisch oder englisch gesprochen waren. Die Umsetzung war großartig und kringelten uns vor Lachen an den passenden Stellen. Besonderes Glück hatten wir auch, dass wir in die erste Reihe kamen, so entstand eine sehr gute Immersion. Wir waren mittendrin, flogen auch einige Schauplätze der neuen Filme ab und hatten jede Menge Spaß!
Ich kann mich dunkel an den Simulationsfilm in Paris erinnern. Da flog man mit einem X-Wing auf der Oberfläche vom ersten Todesstern herum und wurde von Tie-Fightern gejagt.

Monsters, Inc. - Ride & Go Seek!

Für unsere letzte Fahrt mussten wir nochmal ziemlich lange (ca. 1 Stunde) anstehen. Das Prinzip war einfach: Man wurde durch bestimmte Szenenbilder gefahren, in denen sich niedliche Monster versteckten, die man mit seiner Taschenlampe anleuchten sollte. Das gab dann entsprechend Punkte. Man war so in das Suchen und Finden der Monster vertieft, dass man den Moment verpasste fotografiert zu werden, was zu unglaublich witzigen Portraits führte.

Als wir mit unserem Burger aus gedämpften Brot und gebratenen Hühnchen unseren Platz in der Menge suchten, bemerkten wir, dass wir uns gar nicht im Mira Costa eingecheckt hatten und es in den Bestimmungen hieß, man solle extra vorher bescheid geben, wolle man nach 20.00 eintreffen. Na toll, die Lichterparade sollte in 30 Minuten beginnen und es war unmöglich dafür noch rechtzeitig zurück zu kommen, sollte man dies noch erledigen wollen.
Also machten wir uns geschafft und grummelnd mit der Monorail zum Hotel auf, nur um absolut von unserem Hotelzimmer überwältigt zu werden. Wir mussten etwas warten, aber dann führte uns ein Kofferboy in unser Zimmer, erklärte die Funktion von Klimaanlage und co, gab uns jede Menge Informationen mit und antwortete geduldig auf unsere vielen Fragen. Inzwischen lohnte sich der Rückweg auch nicht mehr, also beschlossen wir einfach im Zimmer zu bleiben.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 21:58:45 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

Offline Schwarze_Wolke

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #12 am: Juni 06, 2018, 16:20:53 Nachmittag »
9.4.18 Tokyo Disney Sea
An diesem Montag war deutlich weniger los, müssen doch die meisten Kinder wieder zur Schule. Nichts desto trotz war es natürlich immer noch verhältnismäßig voll. So standen wir in einer langen Reihe mit zahllosen anderen, um früh hinein zu kommen. Nach der Taschenkontrolle und dem Einlass erwarteten uns unzählige Mitarbeiter, die mehrsprachige Schilder hochhielten mit der Bitte nicht zu laufen. Und dennoch gab es so viele, die sich nicht daran hielten und rannten, als sei der Teufel hinter ihnen her.
Der länderspezifische Park lag direkt am Pazifik und war eine riesige Lagune, die durch diesen versorgt wurde. Dieser Park hat uns sogar noch besser gefallen, als der gestrige und wir waren froh, diesen in Ruhe zum Schluss zu machen.

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Mysterious Island

In einem exponierten Bereich gab es direkt hinter der mediterranischen See einen riesigen Vulkan, der diesen Bereich freigab. Vielleicht zweimal die Minute stieß dieser eine immense Feuerwolke aus. Dieser Bereich ist relativ klein und erhält zwei Attraktionen, die den Platz komplett aufbrauchen. Während man bei Journey to the Center of the Earth in den Vulkan hinein geht, erinnert eine steampunkige Architektur an einem kleinen See an Jules Vernes Werk 20.000 Meilen unter dem Meer.

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Journey to the Center of the Earth
Diese Attraktion lag direkt an der Mysterious Island und wir gehörten mit zu den ersten, die an diesem Tag damit fahren konnten. Thematisch ging es mit der Bahn (Einem Bohrfahrzeug) tief in unterirdische Bereiche. Zuerst wurde es sehr dunkel und fluoreszierende Pilze beleuchteten die Umgebung. Dann ging es tiefer und wir sahen ein fremdartiges Utopia vor uns, das wiederum Feuer und Magma wich. Ganz tief unten gab es dann eine riesige Chulthuide (für alle, die H.P. Lovecraft kennen), tentakelbewährte Gestalt und die gemächliche Fahrt nahm überraschendweise ruckartig Geschwindigkeit auf. Am Ende fuhr man als Flucht vor diesem Monster noch eine gelungene, aber leider sehr kurze Achterbahnsequenz. Mit dieser Beschleunigung hatten wir nur so halb gerechnet und haben uns sogar ein bisschen erschreckt.
Die Attraktion hatte uns so gut gefallen, dass wir lachend direkt ein zweites Mal drauf sind und genossen umso mehr die Atmosphäre.   

20,000 Leagues under the Sea

Dieses Fahrgeschäft fanden wir recht unspektakulär und sind deswegen umso froher, dass wir nicht lange warten mussten.
Diese Attraktion war dem Steampunk-Genre nachempfunden. Man stieg in kleine, sich drehende Tauchboote an Schiffwracks vorbei durch Bereiche der Tiefsee. Interessant war noch, dass man in den U-Booten die Kontrolle über eine Lampe hatte, um die extreme Dunkelheit zu erkunden. Von der Idee her war das trotzdem gut gemacht.

Port Discovery
Nemo & Friends Sea Rider
Auf uns wartete ein meeresbiologisches Forschungsinstitut, das eine neue Technologie ausprobieren wollte. Diese wollten Fische in ihrem natürlichen Verhalten erforschen und schrumpften so ein U-Boot mit einer größeren Gruppe Menschen an Bord auf Fischgröße.
Also, ab die 3D-Brillen auf, hingesetzt, angeschnallt und schon ging es los in einer echt langen, aber kurzweiligen Fahrt durch den Simulator. Auch hier konnten wir der Geschichte und dem Erzähltem wunderbar folgen. Wer auch immer an dem Film mitgearbeitet hat, die Idee ist wirklich liebevoll umgesetzt und da muss viel Herzblut reingeflossen sein.

Aquatopia
Im Laufe des Tages sind wir mehrmals an diesem kleinen lustigen Fahrgeschäft vorbei, dass an einen Autoscooter auf dem Wasser erinnerte. Nur, dass man nicht kollidierte, sondern auf unbekannten Schienen unter der Wasseroberfläche lang fuhr und nicht in Strudel gezogen wurde. Dabei drehte sich das kleine Gefährt ständig und fuhr scharfe Kurven.
Am späten Abend, die Lichtershow sollte in einer Stunde beginnen, nutzten wir noch die Gelegenheit und fuhren beide Strecken ab. Es war dort inzwischen so wenig los, dass wir komplett durchgehen konnten ohne zu warten. So drehten wir einige entspannt rasante Touren durch die Nacht und mussten ständig lachen. Vom Prinzip her war die Bahn wenig Aufsehen erregend, aber sie hat uns sehr viel Spaß gemacht; und das ist doch die Hauptsache.

Lost River Delta

Indiana Jones Adventure
Mitten im Dschungel befand sich recht dominant eine große aztekische Pyramide, in dem der Brunnen der ewigen Jugend zu finden sein soll. Auch wenn alle möglichen Disneyparks eine Indiana Jones Bahn haben, so ist diese in Japan doch signifikant anders. In Paris war es „lediglich“ eine teilweise rückwärtsfahrende Achterbahn. In Japan wurde mit viel Atmosphäre und Special Effects eine rasante Fahrattraktion gemacht. Und natürlich gab es auch jede Menge Pyrotechnik, die neben einem richtig heiß wurde und sogar die geliebte Todeskugelfalle, der wir „gerade noch so“ entronnen sind.
Auch diese Fahrt machten wir zweimal. Bei der zweiten nutzen wir den Fast Pass und hatten wieder richtiges Glück vorne im Jeep sitzen zu können.

Raging Spirits
Diese gehörte neben der Space Mountain zu denen, die anfangs immer mal wieder gewartet wurden.
Ich habe ja bereits erwähnt, dass die Japaner es nicht so mit Achterbahnen haben. Es gibt zwar immer einmal wieder Attraktionen, die schnelle Elemente mit drin haben, aber richtige Achterbahnen gibt es nur sehr wenige. Die Bahn machte schon Spaß und hatte auch mehrere Loopings, aber sie war doch recht kurz.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Arabian Coast

Ein wunderschönes Themenland war ein riesiges Agrabah, die Welt von 1001 Nacht und Disneyvertretern wie Aladdin. Dort gab es einen schönen orientalischen Marktplatz, verspielte Brunnen und einige kleine Seitengasen mit allerlei Töpferwaren. In der Luft lag der Geruch von Curry. Meiner Meinung nach hätte man sich auch gut in Ägypten, der Türkei oder Marokko sich befinden können.

Sindbads Storybook Voyage

Um ehrlich zu sein kannten wir den Disneybezug zu dieser Bahn nicht. Vielleicht gab es das so in der Form in Japan im Kinderprogramm im Fernsehen. Natürlich kannten wir die Referenzgeschichten. Auch hier warteten wieder bildgewaltige Figuren in den Szenenbildern mit passend ausgewählter Musik und einem überaus süßem Tigerbaby-Begleiter Sindbads auf uns.

The Magic lamp theatre

Diese Show war echt interessant. Nahmen wir mit 3D-Brillen ausgestattet in einem Theater mit schweren königsblauen Vorhängen und großer Bühne Platz. Erzählt wurde die Vorgeschichte von Dschinni aus Aladdin. Dschinni´s früherer Meister war ein Zauberkünstler, der dank der Illusionskraft des Geistes der größte Magier und Entertainer der Welt werden wollte. Nun ist es nicht Dschinnis Art sich zu verstecken und natürlich stahl er seinem Meister in dessen One-Man-Show die Show, woraufhin er den Geist einsperrte. Dieser konnte aber dank der Hilfe des jungen Gehilfen entkommen. Sofern es da sowas wie einen Kanon gibt, ich meine, in einem der drei Trickfilme gab es von Dschinni eine Anmerkung über seine Vergangenheit, die hier an der Stelle aufgegriffen wurde.
Dargestellt wurde das ganze durch zwei Schauspieler (Magier und Gehilfe) auf der Bühne, inkl. Kleinerer Zaubertricks und der 3D-Projektion des chaotischen, aber liebenswerten Flaschengeistes.

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Mermaid Lagoon

Was wäre ein Disney Sea Park ohne die Welt von Arielle? Während der Geruch vom gesalzenen Popcorn in der Luft lag, warteten riesige Korallenbänke und ein großer unterirdisch begehbarer Bereich auf uns, in der Welt „unter dem Meer“ (*sing*)

Marmaid lagoon Theatre

Wer Arielle, die kleine Meerjungfrau gesehen hat weiß, dass König Triton zu einem großen Fest geladen hat und neben einem großen Fischorchester mit der Krabbe Sebastian als Dirigent alle seine Töchter einen Gesangspart übernehmen sollen. Nur dass Arielle anderes im Sinn hat und lieber von der Welt der Menschen träumt.
Wir nahmen in einem kleinen, aber hohem zylindrischen Raum Platz. Uns irritierte, dass es in dem Theater keine Bühne oder Leinwand gab und wir auch keine Brillen erhalten haben. Der untere Bereich war in Ringen zu 360° mit Plätzen besetzt, also musste etwas von oben kommen.
Tatsächlich kamen von der Decke herunter unterschiedliche Aufbauten von Triton, dem Fischorchester und seinen Töchtern, bis eine Drahtseilartistin als Arielle die Meerjungfrau singend durch die Luft „schwamm“ und eine wirklich beeindruckende Artistik an den Tag legte.

Ariells Playground

Letztlich ist das der komplette unterirdische Bereich. Es gab Minifahrgeschäfte in Quallenform, Kletterbereiche in Form von Takelagen untergegangener Schiffe, optische Illusionen in Ursulas Höhle mit einem kleinen dazugehörigen Labyrinth, sowie Arielles Schatzkammer. Dort gab es eine Vielzahl von Dingen der Menschen, die sie zusammengetragen, aber nicht ihren Zweck nicht verstanden hatte. So gab es eine Sammlung von Korkenziehern, Gabeln die als Kämme verwendet wurden und natürlich die Statue von Prinz Eric.
Die Beleuchtung war sehr stimmungsvoll und der Boden war unglaublich weich und nachgiebig. Er stellte zwar Sand dar, war aber eigentlich kindersicher gestaltet.

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018



Show Fantasia und Feuerwerk
Am gestrigen Tag haben wir sowohl die Lichterparade, als auch das Feuerwerk verpasst. Vom Zimmerfenster aus konnten wir Teile der Fantasia-Show hören, aber nicht sehen. Aus diesem Grund war es uns besonders wichtig, Fantasia zu sehen, war es ja auch unsere letzte Gelegenheit dafür.

Wir suchten uns in der Dunkelheit einen halbwegs guten Platz an einer der Brücken an der mediterranen See, welches in dem Park die größte Wasserfläche bildet. Wir genossen die wundervolle Szenerie um uns herum, alles war mit warmem Licht ausgeleuchtet und spiegelte sich im See. Links von uns sahen wir den großen Vulkan von Mystery Island und eine Gegend, die uns sehr an Spanien erinnerte, auch wenn wir beide niemals dort waren. Rechts von uns fühlte ich mich an Venedig vor einem Jahr zurückversetzt, auch wenn ich Venedig nie bei Nacht gesehen habe.

Auf der Mitte des Sees war eine künstliche Insel angebracht worden auf der Mickey als Zauberlehrling uns begrüßte. Es folgte eine unglaublich aufwendige Show mit vielen Booten, unzähligen Darstellern (wobei wir uns wunderten, wie die alle auf diese kleinen Boote gepasst haben müssen), Laser- und Pyrotechnik, wobei immer im passenden Moment Wasserfontänen beleuchtet wurden. Am Ende folgt sogar ein Kampf gegen Malefitz in Persona, aber in düsterer Drachengestalt. Die Show war atemberaubend, sogar so sehr, dass wir kein einziges Foto von der Show gemacht haben, was by the way erwähnenswert ist, da wir in den 15 Tagen in Japan knapp 4000 Fotos gemacht haben.

Nachdem wir noch einige letzte Souvenirs gekauft haben, hörten wir Feuerwerkskörper knallen. Wir liefen nach draußen und schauten uns das Feuerwerk an. Dann wurde uns mit einem Mal klar, der Urlaub war zu Ende. Wir haben in den letzten zwei Wochen so viel gelernt und so viele Erfahrungen gesammelt, einen besseren Abschluss konnten wir nicht bekommen!

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Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
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« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 22:16:49 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

Offline Schwarze_Wolke

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #13 am: Juni 06, 2018, 16:21:09 Nachmittag »
10.4.18 Tokyo Haneda -> Frankfurt -> Siegburg

Noch am Vorabend, als wir im Hotel ankamen, sprach uns eine gute Freundin an (es war zu deutscher Zeit früher Nachmittag), ob wir denn mitbekommen hätten, dass am 10.4. (also dem Tag unseres Rückfluges) das Bodenpersonal des Frankfurter Flughafens streiken würde und viele Flüge ausfallen würden! Aber was konnten wir von Japan aus tuen? Ich rief Achim an, der sich für uns umhörte. Glücklicherweise waren nur die Inlandsflüge betroffen. So gesehen konnten wir ja auch bereits ohne Probleme vorher einchecken und Sitzplätze für den Rückweg aussuchen.

Unser Flug ging am frühen Nachmittag. Also machte eine Eintrittskarte für einen dritten Tag überhaupt keinen Sinn! Kostet ja eine Karte pro Person und Tag 70 Euro aufwärts. Das ist natürlich nicht alles dort vor Ort, was unglaublich teuer ist. So kostete das Frühstück im Mira Costa pro Person 30 Euro! Nur für das Frühstück! Wir fanden ja 11 Euro in Osaka schon happig. Aber alles hatte bereits schon so viel gekostet, wir wollten nicht dem Abflug schnell noch was zu essen in einem Convenience-Store suchen. Der Rückflug sollte noch anstrengend genug werden. Außerdem war mein Geburtstag und warum nicht noch vor dem Abflug ausgiebig und mit aller Zeit der Welt frühstücken?

Wenn ich an diese riesige Auswahl am Büffet denke, läuft mir jetzt noch das Wasser im Munde zusammen. Es gab traditionell japanisches und westliche Speisen, viele sehr aufwendig zubereitet, frisches Brot, Pancakes und viel auf Eis gekühltes Obst, diverse Eierspeisen und bestimmt 10 verschiedene Sorten gegrillten Fisches. Ich glaube, ich habe noch nie so gut gefrühstückt. Wir hatten Plätze am Fenster und genossen bei frischen Kaffee und Tee die herrliche Aussicht auf die mediterrane See und beobachteten die unzähligen Menschen, die freudig in den Park strömten.

Dann ging es mit dem Flughafenexpress-Bus nach Haneda, einem der größten Flughäfen der Welt. Dort verprassten wir noch unsere letzten Yen, probierten uns einmal durch ein Geschäft, welches herrliche Kekse und Kuchen verkauften, aßen ein letztes Softeis und stiegen ins Flugzeug ein.

13 anstrengende Stunden mit fiesen Halsschmerzen dank Klimaanlage und nicht so netten Grippeviren, die ich mir zum Glück erst dort eingefangen habe, kamen wir problemlos in Frankfurt an, fuhren mit dem ICE bis Siegburg, wo wir dann von unseren Liebsten in Empfang genommen wurden.

終り (owari), Ende
« Letzte Änderung: Juni 07, 2018, 22:17:58 Nachmittag von Schwarze_Wolke »

Offline Petra

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Re: Wolke besucht die Kirschblüte, Japan 2018
« Antwort #14 am: Juni 08, 2018, 06:20:39 Vormittag »
 :clapping: :im_so_happy: :clapping:

Wow, was für ein toller Reisebericht! Und die Fotos sind richtig klasse  :clapping:

 :danke: :gb:


PS: Ich hab noch nicht alles gelesen, mache ich nach und nach...

 

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