Autor: kunstmalerdon Thema: Wie funktioniert der Placebo-Effekt?  (Gelesen 1729 mal)

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Offline kunstmalerdon

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Wie funktioniert der Placebo-Effekt?
« am: März 08, 2009, 23:18:25 Nachmittag »
Seit ich lebe höre ich, dass die Gene mein Leben bestimmen. Ich habe immer wieder der Vorstellung widersprochen, dass es der Autoschlüssel ist, der die Fahrt eines Autos kontrolliert. Ich, bin es, der Fahrer der ihn umschaltet. Und genauso wie ein Auto nicht alleine beschließt loszufahren aktivieren sich die Gene nicht selbständig. Vielmehr wird ihre Aktivität von Signalen gesteuert. Und diese Signale kommen aus unserem Gehirn. Das nimmt Signale aus dem Umfeld auf, verwertet sie und und erteilt dann nach deren Auswertung seine Befehle. Die zellulären Rezeptor-Effektor-Schalter nehmen diese Signale wahr und leiten sie an das Innere der Zelle weiter. Das heißt: Unsere Wahrnehmung kontrolliert unsere Biologie. Verändern wir diese, dann verändert sich auch die Aktivität der Gene. So erkläre ich mir auch den Placebo-Effekt. Wenn ich eine Tablette ohne medizinischen Wirkstoff erhalte, aber an die Wirkung des Präparats glaube, gesunde ich durch den Glauben an die positive Wirkung. Das jedenfalls glauben die modernen Zellbiologen.
Die Meinung, dass die stofflichen  Einflüsse die einzigen Wirkung auslösenden  Faktoren sind kann nach der modernen Quantenphysik nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Rezeptorproteine auf der Zelloberfläche reagieren auch auf andere als stoffliche Einflüsse.
Also gibt es meiner Meinung nach  icht nur einen "Placebo-Effekt" sondern, wenn ich unberechtigt glaube unheilbar krank zu sein auch einen "Nocebo-Effekt".
Wenn meine Annahme stimmt, dann sind wir nicht länger "Opfer unserer Gene" sondern wir haben wieder Eigenverantwortung, wo sie uns schon lange abgesprochen wurde.
Wer kann dem zustimmen, oder wo liegen gedankliche Fehler in dieser verkürzten Darstellung?
kunstmalerdon

Offline Teufelchen

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Re: Wie funktioniert der Placebo-Effekt?
« Antwort #1 am: März 08, 2009, 23:27:38 Nachmittag »
Schon mal den Satz gehört: der Glaube versetzt Berge ......

Darauf basiert die Placebo-Wirkung - man implantiert sozusagen einem Menschen die Wirkung eines bestimmten Mittels, Beweises, Satzes, einer Behauptung, und er verinnerlicht dies dermaßen, dass es sein Körper glaubt, akzeptiert, verinnerlicht und annimmt.

Glauben heißt -wie jeder weiß - nichts wissen.
Aber: der Glaube versetzt auch Berge ....
Wenn mir also nun ein kompetenter Mensch kompetent und wissenschaftlich erklärt, dass es so sein wird - dann glaube ich daran..... unweigerlich - denn ich MUSS ihm glauben - eine andere Wahl bleibt mir nicht in Extremfällen!

Die ungeheure Wirkung vieler Placebos kann niemals bestritten werden - das hat auch mit einer Art von Selbstheilung, Spontanheilung zu tun - und mit dem GLAUBEN - wenn der Prophet nicht zum Berg kommt .....

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Offline esse-est-percipi

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Re: Wie funktioniert der Placebo-Effekt?
« Antwort #2 am: März 09, 2009, 11:16:19 Vormittag »
Manchmal hilft auch nichts tun. Placebo-Versuche zeigen, dass Placebo oft auch dann wirkt, wenn der Proband sogar weiß, dass er nur Placebo bekommt (und also an keine Wirkung glaubt). Das zeigt, wie schwer es ist, die Wirksamkeit von etwas zu behaupten oder zu bestreiten. Aus unserer Alltagserfahrung heraus können wir das zumeist sowieso nicht, weil die von uns überschaubaren Fallzahlen zu klein und die Ausgangsbedingungen nicht kontrolliert oder redlich vergleichbar sind.

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Offline Mannimanaste

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Re: Wie funktioniert der Placebo-Effekt?
« Antwort #3 am: Januar 05, 2011, 21:02:36 Nachmittag »
Seit ich lebe höre ich, dass die Gene mein Leben bestimmen. Ich habe immer wieder der Vorstellung widersprochen, dass es der Autoschlüssel ist, der die Fahrt eines Autos kontrolliert. Ich, bin es, der Fahrer der ihn umschaltet. Und genauso wie ein Auto nicht alleine beschließt loszufahren aktivieren sich die Gene nicht selbständig. Vielmehr wird ihre Aktivität von Signalen gesteuert. Und diese Signale kommen aus unserem Gehirn. Das nimmt Signale aus dem Umfeld auf, verwertet sie und und erteilt dann nach deren Auswertung seine Befehle. Die zellulären Rezeptor-Effektor-Schalter nehmen diese Signale wahr und leiten sie an das Innere der Zelle weiter. Das heißt: Unsere Wahrnehmung kontrolliert unsere Biologie. Verändern wir diese, dann verändert sich auch die Aktivität der Gene. So erkläre ich mir auch den Placebo-Effekt. Wenn ich eine Tablette ohne medizinischen Wirkstoff erhalte, aber an die Wirkung des Präparats glaube, gesunde ich durch den Glauben an die positive Wirkung. Das jedenfalls glauben die modernen Zellbiologen.
Die Meinung, dass die stofflichen  Einflüsse die einzigen Wirkung auslösenden  Faktoren sind kann nach der modernen Quantenphysik nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Rezeptorproteine auf der Zelloberfläche reagieren auch auf andere als stoffliche Einflüsse.
Also gibt es meiner Meinung nach  icht nur einen "Placebo-Effekt" sondern, wenn ich unberechtigt glaube unheilbar krank zu sein auch einen "Nocebo-Effekt".
Wenn meine Annahme stimmt, dann sind wir nicht länger "Opfer unserer Gene" sondern wir haben wieder Eigenverantwortung, wo sie uns schon lange abgesprochen wurde.
Wer kann dem zustimmen, oder wo liegen gedankliche Fehler in dieser verkürzten Darstellung?

Ich kann Dir da voll und ganz zustimmen!
Der Plazebo-Effekt ist wie auch der Nozebo-Effekt eine unbestreitbare Tatsache, und darum muss es auch eine Funktionsweise geben, nach der das Ganze auf zellulärer und subzellulärer Ebene abläuft. Der Erklärungsansatz, den Du hier beschreibst, geht sicher in die richtige Richtung, und er ist vereinfacht genug, um ihm zustimmen können! Die genaueren Details werden sicher künftig noch erforscht werden!

Viele Grüße,
Martin
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Offline esse-est-percipi

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Re: Wie funktioniert der Placebo-Effekt?
« Antwort #4 am: Februar 17, 2011, 15:19:23 Nachmittag »
Die eigene Erwartung beeinflusst, wie gut ein Medikament wirkt. Fürchtet sich ein Patient gar vor drohenden Schäden durch die Behandlung, ist der Effekt besonders dramatisch: Dann versagen selbst starke Schmerzmittel. Das nennt man übrigens Nocebo-Effekt.

Hier eine aktuelle Studie dazu: http://stm.sciencemag.org/content/3/70/70ra14.abstract

Evidence from behavioral and self-reported data suggests that the patients’ beliefs and expectations can shape both therapeutic and adverse effects of any given drug. We investigated how divergent expectancies alter the analgesic efficacy of a potent opioid in healthy volunteers by using brain imaging. The effect of a fixed concentration of the μ-opioid agonist remifentanil on constant heat pain was assessed under three experimental conditions using a within-subject design: with no expectation of analgesia, with expectancy of a positive analgesic effect, and with negative expectancy of analgesia (that is, expectation of hyperalgesia or exacerbation of pain). We used functional magnetic resonance imaging to record brain activity to corroborate the effects of expectations on the analgesic efficacy of the opioid and to elucidate the underlying neural mechanisms. Positive treatment expectancy substantially enhanced (doubled) the analgesic benefit of remifentanil. In contrast, negative treatment expectancy abolished remifentanil analgesia. These subjective effects were substantiated by significant changes in the neural activity in brain regions involved with the coding of pain intensity. The positive expectancy effects were associated with activity in the endogenous pain modulatory system, and the negative expectancy effects with activity in the hippocampus. On the basis of subjective and objective evidence, we contend that an individual’s expectation of a drug’s effect critically influences its therapeutic efficacy and that regulatory brain mechanisms differ as a function of expectancy. We propose that it may be necessary to integrate patients’ beliefs and expectations into drug treatment regimes alongside traditional considerations in order to optimize treatment outcomes.
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Offline Petra

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Re: Wie funktioniert der Placebo-Effekt?
« Antwort #5 am: August 21, 2013, 10:04:45 Vormittag »
 :gb: e!

Habe gerade auch einen interessanten Artikel zum Thema gefunden:

Krank auf Bestellung – der Nocebo-Effekt

Offline Waldorf

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Re: Wie funktioniert der Placebo-Effekt?
« Antwort #6 am: August 21, 2013, 12:00:43 Nachmittag »
Manchmal hilft auch nichts tun. Placebo-Versuche zeigen, dass Placebo oft auch dann wirkt, wenn der Proband sogar weiß, dass er nur Placebo bekommt (und also an keine Wirkung glaubt).

Das könnte dann auf der Basis funktionieren, dass das Wissen um das Placebo ins Bewusstsein bringt: "Niemand hilft mir, das kann ich nur alleine." Auch das könnte Selbstheilungskräfte aktivieren.
Wer auf dem Balkon sitzt braucht keine Signatur.

Offline charlotte

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Re: Wie funktioniert der Placebo-Effekt?
« Antwort #7 am: August 29, 2013, 17:23:00 Nachmittag »
Schon mal den Satz gehört: der Glaube versetzt Berge ......

Darauf basiert die Placebo-Wirkung - man implantiert sozusagen einem Menschen die Wirkung eines bestimmten Mittels, Beweises, Satzes, einer Behauptung, und er verinnerlicht dies dermaßen, dass es sein Körper glaubt, akzeptiert, verinnerlicht und annimmt.

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Offline charlotte

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Re:
« Antwort #8 am: August 29, 2013, 18:11:58 Nachmittag »
>>Wie funktioniert der Placebo-Effekt?<<

Beispiel von meinen Ausbildungszeit in Landeskrankenhaus Graz:
Herr X ist unruhig. SEHR unruhig. Er geht zum Stationsschwester und klagt seinen Not.
Schwester: "Aber Herr X, was ist denn los Heute?" Herr X Wimmert nurmehr...: "So viel Schmerzen, Schwester...Habe kaum geschlafen..."
"Wo haben Sie Schmerzen, Herr X?" Fragt die Schwester. Herr X kann kaum stehen, ist bleich und hat rasende Puls. "Überall, Schwester...Geben Sie mir bitte so einen Spritze wie Gestern wieder, der hat soo geholfen..."
Herr X bekommt seiner Injektion.
Setzt sich erlösst hin. 5 Minutten später sehe ich ihm lächend mit ein Mitpatientin reden und Zeitung lesen....
Auf meine Frage was bloss injektiert wurde, erwiedert die Schwester: "Salzwasser...Es beruhigt ihn, das jemanden sich um ihn kümmert."
................................................. ............................
Und um das geht es.
Wir wollen die Hoffnung nicht verlieren UND es ist uns SEHR wigtig dass auch unsere Vertrauenspersonen an unsere Heilung glauben.
Das "Pusten" von Mama und d. Mikey Mouse Pflaster hilft sofort!...
Und uns alle helfen es doch wenn jemanden zu unser Wohlergehen fragt...
Homöopathie ist auch in der selbe Lade:
Placebo wirkt nachweißlich 40 (Vierzig)% v. allen Versuchspersonen...
Es hilft, durch VERTRAUEN die Leute SICH SELBER ZU HELFEN!
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