Autor: kunstmalerdon Thema: Die Kraft der Träume  (Gelesen 1547 mal)

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Offline kunstmalerdon

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Die Kraft der Träume
« am: Juli 23, 2013, 19:05:44 Nachmittag »
Die Kraft der Träume

Von vielen Wundern in unserem Garten habe ich euch schon erzählt, aber eine erneute „wunderbare“ Geschichte habe ich grad vor kurzem erlebt.
Ich saß ganz gemütlich am Platz der zwei Welten und genoss das Nichtstun. Dort ist vom Nichtstun zum Träumen nur ein ganz kleiner Schritt. Und schon war ich im Traumland. Dann erlebe ich immer wieder, dass ich in meinem Körper gar nicht so vollkommen eingeschlossen bin. Ich bin freier, und ich kann ganz besondere Dinge genießen. Für mich ist das selbstverständlich, denn wenn ich schon träume, dann möchte ich auf nichts verzichten.
In diesem Fall sah ich mich im Traum ganz erwartungsvoll in unserem „Botanischen Garten“ mit all seinen prachtvollen Pflanzen. All die herrlichen Blumen, die ich schon kannte waren zu bewundern.
Verführerische rote Rosen, die Blumen der Liebe und Leidenschaft, auf der anderen Seite des Weges die Gerbera, die nur dort wächst, wo es sonnig und schön ist. Und das gibt sie als Botschaft auch weiter. Schenk so  einen Strauß der Nachbarin und sie erfährt: „Alles wird sonnig und schön“.
 Und dann waren da auch die Sonnenblumen, die scheinen den ganzen Tag nur zu lächeln. Wenn die verschenkt werden sagen sie ganz einfach als Botschaft:
 “ Es ist schön. Ich mag dich einfach!“
Frische Freesien sind da, die mit ihrem Duft betören und die Zärtlichkeit verkünden.
 Ach auch die kleinen Veilchen sind zu entdecken, die bei aller kleinen Bescheidenheit die Bitte um Geduld weitergeben.
Und eventuell auch weiße Chrysanthemen mit ihrer Ausstrahlung von Frische und auch Beständigkeit und als Anfrage „Bist Du bereit für eine Beziehung?“
Ja, wenn wir uns mit den Blumen genauer beschäftigen, dann erkennt jeder auch ihre geheimen Botschaften.
Mein Traum aber versprach mir etwas Besonderes. „Don, so hörte ich es, Du wirst Dir vom Botanischen Garten das Geheimnis der Traumblume holen.“
Und als ich diesen Traum mit dieser Aufforderung dreimal geträumt hatte, da  packte ich eines Tagen einen kleinen Spaten ein und ging in den Botanischen Garten, um meine Traumblume notfalls auch heimlich ausgraben zu können.
Aber als ich dort ankam, da waren dort so viele Menschen, die auch etwas Glück einatmen wollten, indem sie den verschwenderisch ausgeatmeten Duft der Blumen zu sich nahmen und in den Farben schwelgten.
Ich setzte mich in eine kleine Ecke alleine hin und machte meinen Geist auf für weitere Informationen wie ich denn zu meiner Traumblume kommen sollte.
Mein logisches Denken schaltete ich auf Sparflamme und schaltete direkt um auf Träumen, denn Denken ist die Arbeit meines Intellekts. Jetzt aber war das Vergnügen des fantastischen Träumens angesagt. Ich hatte darin schon eine gewisse Übung, denn ich wusste schon im nächsten Augenblick nicht, ob ich ein Mann bin der jetzt träumt ein weißer Schmetterling zu sein, oder ob ich ein weißer Schmetterling bin, der träumt ein Mann zu sein.
Ich besuchte Blume um Blume, kam mit jeder in ein Gespräch; ich erfuhr viele sensationelle Blumengeheimnisse, z. B. über die Aussagen der Farbe „ROT“ : je intensiver die Farbe, um so leidenschaftlicher die Liebe; so wird es bei uns empfunden. In China steht es aber für Reichtum und Glück und in Russland für Kraft und Reichtum! Aber alles das brachte mich meiner Traumblume  nicht näher.
Ja, heute schien es wunderschön zu sein, aber heute schien nicht der Tag für weitere Hilfen zu sein. Und ich erinnerte mich auch, um Träume wahr werden zu lassen, muss ich auch erst einmal meine Träume zulassen können.
Vielleicht war Morgen ein besserer Tag.
Am nächsten Tag war ich wieder auf meiner Eckbank und sah die ganze Schönheit eines wundervollen Tages um mich herum. Aber ich wusste sofort noch schöner wird gleich meine Traumwelt sein, denn mein Traum ist meine herbeigesehnte reale Wunschwelt. Ich kann nämlich im Traum sogar Wahrheiten über mich erfahren, daran hätte ich sonst ja nicht einmal im Traum gedacht. Also wollte ich, dass mein Traum reale Früchte tragen kann, und deshalb versuchte ich erst einmal, ihn in meiner Realität Wurzeln schlagen zu lassen.
Aber da schien mich etwas ganz anderes zu schlagen, denn ich spürte plötzlich die Hand eines Mannes in Uniform auf meiner Schulter und er sprach mich an: „Guten Tag, aber sagen Sie bitte, was wollen Sie denn hier? Ich habe Sie gestern schon hier gesehen mit ihrem kleinen Spaten in der Tasche! Den wollen Sie doch sicher nicht hier bei uns benutzen, oder?“
Ich schaute auf und schaute in ein freundliches Gesicht eines Aufsichtsbeamten, der aber auf eine Antwort wartete.
Ich lächelte zurück und bat ihn neben mir Platz zu nehmen.
„Besser Sie sitzen neben mir, denn wenn ich ihnen die ganze Wahrheit sagen soll, dann dauert das doch länger. Es geht nämlich um einen Traum!“
„Nun gut, dann erzählen Sie mir das mal, ich träume nämlich auch manchmal“! und er nahm ein wenig grinsend Platz.
Ich begann zu erzählen so ganz allgemein von meinem Traum und dass ich genau denselben Traum mehrere Male hintereinander geträumt hatte, und da klatschte schon eine feste Männerhand auf meinen Oberschenkel nieder und er unterbrach mich,
„Aber mein Lieber, wir beide sind doch keine Kinder mehr…“und sein Zeigefinger zeigte fragend auf mich.
Ich antwortete: „Ich bin achtzig Jahre alt…“
Und er grinst mir zu: „Und ich bin erst  60, und ich habe genauso einen Wiederholungstraum gehabt wie Sie. Dreimal habe ich geträumt ich soll zum Don gehen und dort vor einem Lebensbaum graben, wo ich einen Schatz finden würde!“
„Ach nee“, war alles, was ich da grad noch zustande brachte.
„Ja, wissen Sie denn wo der Don fließt? Und wie lang der ist? Und dort soll ich vor einem Lebensbaum graben, um einen Schatz zu finden! Nee, aber nicht mit mir. Das hat mit mein Vater, selig, schon beigebracht „Träume sind Schäume!“
Das weiß ich jetzt genau!“

Vorsichtig unterbrach ihn  jetzt und bedankte mich scheinheilig für seine freundliche Aufklärung,
„Sie haben mir die Wahrheit schonungsvoll beigebracht“, sagte ich und stand auf.
 „Ich fühle mich wieder richtig auf dem Boden der Tatsachen. Ich geh wohl jetzt schnellsten nach Hause. Noch mal Danke“ sagte ich.
„Ja, und ich muss weiter arbeiten. Die Arbeit macht sich nicht von alleine. Ja also nichts für ungut!“ Und er stapfte zurück zu seinem Leben.
Ich aber, Don, machte dass ich schnellsten in meinen Garten kam, in dem mein schöner Lebensbaum sein Geheimnis jetzt würde übergeben können.
Und in der Tat fand ich dort meinen geheimnisvollen Schatz. Was für eine Blume  das genau war, und was sie alles vermag, das erzähle ich euch in einer anderen Geschichte. Aber eines kann ich euch allen im Hinblick auf die Träume erzählen.
Manchmal will ein Traum auch Dir eine Geschichte erzählen.. Denk nicht daran, dass das nur ein Traum sei, nichts weiter. Erkenne lieber, dass Du in diesem Traum die Hauptfigur bist. Und manchmal können auch Träume sogar lügen! Aber das tun sie nur, um so die Wahrheit besser zutage treten zu lassen.
Wenn Du diese Erkenntnis hast, dann kannst Du mit mir feststellen:
Die meisten Menschen sehen die Dinge wie sie sind und fragen: „Warum?“
Ich aber traue mich von Dingen zu träumen, die noch gar nicht existent sind und frage: „Warum nicht?“


Don,  23. 07 2013


DU im Tagtraum!
Träume auch Du am Tag.
Ständige Tätigkeit ist das Letzte
All derer, die nicht verstehen
Was es heißt zu träumen.
Fliege so hoch, so weit
Wie nur Du träumen kannst.
Binde Dein Flugschiff an einen Stern.

Und dann klingelt in der Küche Dein Telefon!!
kunstmalerdon

Online Petra

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #1 am: Juli 24, 2013, 06:48:53 Vormittag »
Schöner Traum  :gb:
Habe dir mal einen Traumgarten mitgebracht. Vielleicht inspiriert dich das Bild  :biggrin:




Offline Emirades

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #2 am: Juli 24, 2013, 12:14:08 Nachmittag »

Ein Traum fürwahr, vom Paradies,
schon immer segensreich verhieß,
dass alle wunderbaren Gaben,
tief in der Erde sind vergraben.

So sucht der Mensch nach jenem Schatz,
der ihm die Glücklichkeit verschafft,
nach der er sich so sehr doch sehnt,
und die er stets woanders wähnt.

Das Glück liegt überall versteckt,
egal wie sehr man sich auch reckt,
man findet's tief in sich verborgen,
die Suche nur, die schafft uns Sorgen.


Liebe Grüße von Emirades
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Offline kunstmalerdon

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #3 am: Juli 24, 2013, 12:54:18 Nachmittag »
Danke Euch beiden für die nette Reaktion. So weiß ich immerhin, dass ich auch im Hochsommer jemanden erreicht habe!
Don
kunstmalerdon

Offline Emirades

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #4 am: Juli 24, 2013, 19:24:16 Nachmittag »
Lieber Don,

ich sehe langsam wieder klar und freue mich, jetzt ohne Star, (typisch dass sich das reimt *kopfschüttel*)
Na, jedenfalls will ich dir sagen, ich freue mich, dass wir dich haben
und dass ich jetzt das von dir lesen kann, was mir bisher durch die Lappen gegangen ist. (geht doch *grins*)

Abendgrüße und bleib schön schreiblustig
Emirades
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Florida

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #5 am: Juli 25, 2013, 02:18:36 Vormittag »
"Ich habe seit Jahren eine kleine Zweitwohnung im Harz", eröffnete mir der Mann, den ich seit einem Jahr kannte. "Wollen wir mal mit den Kindern dorthin fahren, schön wandern?" Schon dieses "schön wandern" erfüllte mich mit Unbehagen: Die Großstadt forderte mich und von mir - und nun durch den Wald rennen, schön wandern? Renne ich nicht schon genug: zur Arbeit, zum Kindergarten, zu Elternabenden, zum Einkaufen, Kinderarzt....?

Die ersten Kilometer verbrachten wir schwatzend mit "Ich packe meinen Koffer"....Verben, die mit "A" bis "Z" anfangen, dann Substantive oder Schulrechenaufgaben, ein Gedicht, das zu lernen war. Dann hatten die Jungs genug, liefen weit vor uns her und spielten sich den mitgenommenen Ball gegenseitig zu. Zwischen mir und ihm wurden dann Alltagssorgen und Kleinkram besprochen. Geplänkel halt.
Irgendwann dann war Ruhe, jeder hing seinen Gedanken nach.
Und dann nahm der Wald mich auf, mich, seinen Besucher. Plötzlich ließ er mich seine Mystik erahnen, seine Geräusche hören, seine Würze riechen, seine Schattenspiele sehen....plötzlich war ich ein Teil von ihm, während sich meine Beine weiter, wie von selbst, den Weg entlang bewegten.

Und dann sah ich ihn in der Ferne! Ein riesengroßer gerader Nadelbaum, eine Fichte, gesund den Stürmen trotzend auf einer Anhöhe vor uns in einer Lichtung vor tiefem Abgrund gewachsen! Dieser Baum, mit einem Wahnsinnsausblick auf die Wogen des Waldmeeres weit und fern unter ihm auf kleineren Bergen, der mit seiner Spitze so hoch oben scheinbar den Himmel aufschlitzen konnte, so er sich noch ein wenig recken wöllte!
Unser Weg führte direkt auf ihn zu und unter ihm angekommen, ordnete ich der Familie Rast an, um meine Überwältigung zu ordnen:
Hat der das so was von gut! Wald, Ruhe, den Himmel über sich mit den Blick auf die Farbenspiele der Jahreszeiten auf alles unter und weit unter sich!
Dieser Baum zog meine Seele an: Ich war plötzlich er.
Ich sah die Wolken über mich herziehen, spürte den Wind in meinen Zweigen, erfreute mich am Kitzeln der Vögel beim Insektenfangen in meinen Zweigen, ich sah eine Wildschweinhorde, Rehe, ein Liebespaar.....und diese schier unendliche Weite des Waldes in der Abendsonne über die rieseige Züge unzähliger Wildgänse krakelend sich aus verschiedenen Richtungen eintreffend vereinten zu einem großen Zug gen Süden.
Dies alles war nur ihm vorbehalten, erleben zu dürfen. Mich, die Spitze der Evolution riefen dagegen Pflicht und Zwang.
Ich hatte das unbedingte, mich fast zerreißende Verlangen, mich für nur ein Jahr aus mir lösen zu wollen, um mit ihm zu tauschen.
Nur vier Jahreszeiten, nur ein klitzekleines Jahr!
Was hätte ich dafür in diesem Moment gegeben!

Als ich aus dieser Faszination ein bißchen erwachte, sprach mein Geist zu mir: " Nicht umsonst ranken sich um den Harz Geschichten um Hexen und böse Geister. Wenn Du diesen, dich überwältigenden Wunsch auch nur vor dich hin flüsterst, dann wird sich dein Begehr sofort erfüllen.
Du wirst ein überwältigender Baum sein! Doch bedenke: Wird dieser Baum an deiner statt eine fabelhafte Mutter sein?

Nun sind de Jungs erwachsen und ich suche alljährlich einen überwältigenden Baum, mit dem ich diesmal laut sprechend, tauschen möchte.
Doch so einen wunderbaren wie diesen habe ich seitdem nie wieder gesehen.

Ja, die Macht der Träume, ein herrliches Thema mit einer wundervollen Geschichte von Dir, lieber Don, die mir diese Erinnerung geschenkt hat.

Offline krabbi

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #6 am: Juli 25, 2013, 02:21:11 Vormittag »

niemals darf man aufhören zu träumen.... und seine schönen träume auch nie verlieren....

 

träume können uns so viel kraft geben, ohne dass wir es merken. ohne träume wäre das leben farblos.

danke don, dass du uns an deinem traum hast teilhaben lassen  :give_rose:
 
   Und schon da vorne küsst das Salzwasser den Sand

Offline Emirades

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #7 am: Juli 25, 2013, 20:36:59 Nachmittag »
@Broilerin
Die Wandergeschichte ist wunderbar zu lesen! Das ist ein schöner Beitrag, der mit sehr gut gefällt.
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Florida

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #8 am: Juli 25, 2013, 23:22:24 Nachmittag »
Ich weiß auch nicht, immer wenn ich Don hier lese....
Danke, daß sie Dir gefällt, obwohl sie bei kritischer Betrachtung einige stilistische Kanten aufweist. Aber so ist das halt, wenn man sich um diese Uhrzeit etwas aus dem Ärmel schüttelt...
Was ich aufzeigen wollte, daß es Orte gibt, die zum Träumen einladen. Seit dem Erlebnis damals  zähle ich mich nicht mehr zu den Erlebnisurlaubern: Ich will im Urlaub keine Menschen sehen, nur Wald! Und um dem noch eins drauf zu setzen - jeden Wanderer, der mir im tiefsten Wald, fernab jeglicher menschlichen Behausung oder Parkmöglichkeit entgegenkommt, empfinde ich als absolute Fehlbesetzung inmitten der Wildnis.
Denn immer inspiriert mich irgend etwas zum Vor-mich-hin-Träumen: Spuren im Schnee zum Beispiel, die eines Erwachsenen und die eines Kindes, ein Hund, der hin und wieder den Weg verlassen hat....Ich erlebe das fröhlich schwatzende Kind mit all seinen Fragen zur Welt des Waldes und den Erwachsenen, der es an seiner Hand durch diese führt und sie ihm erklärt - ab und zu vom Hund abgelenkt....
Oder ein grünes Försterauto überholte mich mal. Aha! Förster! Vereinsamter Junggeselle! Wie verwahrlost wird es wohl in dessen Haus aussehen, wenn er den ganzen Tag im Wald herumlungert? Einem einsamen, weltfernen Naturburschen wie einem Förster den Haushalt führen - wie stellt man sich das wohl als Frau vor?
Und hier endete nicht mein Traum, sondern ich will Euch mit weiteren Details nicht langweilen....

Offline Ugge

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #9 am: Juli 25, 2013, 23:24:59 Nachmittag »

Ein Thread, in dem es viel Freude macht zu schmökern: Zwei wunderbare Traumgeschichten von dir, Don und dir, broilerin. Chapeau! :hi:
Und dazu noch lesen zu dürfen, dass du, Emirades, keinen grauen Schleier mehr trägst - was möchte man mehr?
Ich gehe jetzt träumen und wünschte, ich könnte das genauso gut wie ihr.
Ich freue mich auf mehr.


Florida

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #10 am: Juli 26, 2013, 03:05:36 Vormittag »
Wenn sich schlechte Träume in gute verqueren

Teil I

In den Augen einer jeden Katze sah ich direkt in die Seele des Teufels:
Hinterhalt, Verdammnis, Leid und Tod. Katzen sollten gefälligst von diesem Planeten verschwinden, denn nicht umsonst sieht man sie auf bösen Hexen des Mittelalters herumhängen, nicht umsonst bringen sie wegkreuzend Unglück,.....nicht umsonst....
sollte ich, fast selbst noch ein Kind, durch eine Katze mein kleines Mädchen tot zur Welt gebracht haben!
Toxoplasmose. Wehentropf, das Kind strampelte wie wild unter der todbringenden Dosis, bis es still in mir wurde. Beängstigend still.
Dann Stille, gedrücktes Schweigen im Kreißsaal.
Und ein schweigendes Neugeborenes in Zellstoff eingewickelt in einen Nebenraum getragen zu sehen, währendessen es das Gehirn zerreißt: "Schrei, denn sie irren sich, du lebst!"
Wie eine Wölfin in andere Kinderwagen gierig schauend: "Warum hat die...- und nicht ich....?" Verzweiflung, Trauma, Trauer, die immer wieder über mich herfielen, jahrelang.

Katzen! Wer gab ihnen ihre Existenzberechtigung? Warum schickt ihnen dieser "Wer" keine um sich greifende Seuche, um sie auszurotten?
Warum muß ich meine Welt mit ihnen teilen, mir Katzenliebhabergeschichten anhören?
Verdammtes Drecksviehzeug, das sich zwischen den Hintebeinen, unter dem Schwanz und danach am Körper leckt.
So muß es beim Anfassen damals passiert sein.
Ich hatte den Mörder meines gerade entstandenen Kindes angefaßt!
Sollte ich ihn jemals wieder berühren, würde ich mein totes Mädchen verraten. Ich werde niemals nett über eine Katze denken, geschweige denn, es zu ihr sein - denn ich verbannte sie aus meiner Wahrnehmung.
Fast dreißig Jahre.

Teil II

"Andrea, würdest du unser Haus für eine Woche hüten wollen, den Garten sprengen und Emirathes versorgen?"
Haushüten, sprengen in einem anderen Ort, das ist wie Urlaub, trotz zur Arbeit fahren. Aber mal weg sein von zu Hause, mal ganz allein sein, das hat schon was und es lockte mich.
"Wie versogen?", fragte ich zurück. "Trockenfutter auffüllen, frisches Wasser, Katzenklo - Bürsten nicht, läßt sie nicht mit sich machen".....Toll! Und klar, das kriege ich hin. Nur übern Weg laufen soll mir das Vieh nicht!
Sie hatte all mögliche Tricks ausprobiert, doch ihr Vieh roch Lunte und haute ab oder wehrte sich wie wild.
Das forderte mein Nachdenken heraus: Ich - oben - die Spitze der Evolution - und unten - blöde Katze, die ja auch Spitze hätte werden können aber eben zu doof dafür war. Also ich oben und mein Denken nach ganz weit unten herunter schrauben, um das Vieh gebacken zu kriegen. Und weiter überlegte ich: Wenn all das stimmen würde, was Katzenliebhaber über ihre Beziehung zu ihrer Katze behaupten, dann müßte im Zirkus doch der Dompteur duch den Reifen springen!
Ich kaufte also eine Naturhaarbürste mit Luftpolster ohne Noppen und beschloß, dem mir unbekannten Wesen Katze zu zeigen, wer den höheren Rang hat, der Klügere ist. Und, ich hatte mir dazu vorgenommen, weder Arm-wisch-weg noch Bein-schieb-weg einzusetzen.
Ich zog also mit etwas Schiß in dieses Haus ein, wurde von Katze kurz zur Kenntnis genommen, dann verkrümelte sie sich, um wahrscheinlich auf ihre Familie weiter zu warten. Als ich noch dabei war, meine Utensilien im Haus zu verteilen, mein Bettzeug auf dem Sofa auszubreiten, schob sie sich bereits an meinen Gepäckstücken entlang. Gut, meinetwegen. Währendessen baute ich den Laptop auf, als mein Blick auf mein Bett fiel, auf dem sich eine Katze wohlig rücklings herumwälzte. Hätte man mir das eine Woche vorher prophezeit, wäre ich noch der handfesten Meinung gewesen, sie würde daraufhin durch die Luft fliegen! Doch ich war berührt und ergriffen von soviel Wohllust!
Doch nicht lange, denn bald darauf wetzte sie sich an meinen mitgebrachten Lebensmitteln und war gerade am Brot angekommen.
Ich hatte vergessen, daß sie überall unterwegs sein darf - aber nicht jetzt bei meinem Essen! Blitzartig fiel mir ein, daß die Kommunikation unter Tieren kurz, knapp und klar zu deuten ist - jeder versteht den anderen sofort. Und so rief ich, noch vor Überraschung versteinert: "Stopppp!"
und hielt ihr dazu meinen Zeigefinger hin. Gut, kannte die nicht.
Aber zum besseren Kennenlernen klatschte ich laut in die Hände und sie sprang erschrocken vom Küchenschrank.
Dann saß ich beim Essen, sie auf dem Stuhl und der Kopf ging hin und her.... ich hatte kaum "Wag es ja nicht, wovon du träumst!" gesagt, als sie auf dem Tisch stand - darf die bei Familie auch, normalerweise. Doch jetzt war nicht normalerweise, jetzt kam sie auf mein Essen zu.
In meiner wahrlichen Verzweiflung bellte ich "Stopppp!" und zeigte ihr den Zeigefinger. Jetzt erstarrte sie mit erhobener Pfote, während ich überlegte, was ich tun würde, wenn..... Doch für mich völlig unerwartet tappste sie in Zeitlupe plötzlich rückwärts, sprang auf Stuhl und Fußboden.
Das Bürsten ging wie nebenher: Anstupsen - ein Leckerdings, ein Strähnchen - ein Leckerdings...........Bürstenlassen - ein Leckerdings.
Irgendwann nach drei Tagen kam sie zum ersten Mal alleine und knurrte oder schnurrte beim Bürsten.
Am dritten Tag wich sie mir bei meiner Heimkehr nicht von der Seite, am vierten guckte ich morgens beim ersten Aufwachen in ein Katzengesicht, am fünften kletterte sie auf mich, am sechsten lag sie vor meiner Duschkabine (Wann durfte mir das letzte Mal dabei jemand zugucken?) am siebten die Bürstenvorführung vor ihrer Familie (Wenn eine Katze nur noch drei Zähne hat und sich noch nie hat bürsten lassen, so daß sie der Tierarzt beschnitt wegen Hautekzemen- also jetzt mit drei Zähnen und Jahre noch nie bürsten lassen - das müssen doch dann ganz viele Jahe sein?)
.....und seitdem vermisse ich sie, ihr Wesen, die Kommunikation mit ihr.....ach was weiß ich!
Habe mich schon zum nächsten Mal Haushüten angemeldet.

Fast dreißig Jahre habe ich in einem schlechten Traum gelebt, war hin- und hergerissen, habe gelitten und gehaßt und mir eingeredet, mich gut zu fühlen damit. Aber mir ging es alles andere als das.
Doch nun bin ich in einem guten angekommen: Katzen sind auch nur einfache kleine Minilöwen, in deren Revier man willkommen ist, selbst wenn man es als Schir-Kahn durchstreift und mit ihnen psychologisch arbeitet.
Nein, diese Katze kann nichts für meinen schlechten Traum, alle anderen auch nicht und die, die etwas dafür kann, gibt es sicher schon lange nicht mehr!
Es ist so schön, gut zu träumen!
« Letzte Änderung: Juli 26, 2013, 03:15:13 Vormittag von broilerin »

Online Petra

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #11 am: Juli 26, 2013, 06:13:48 Vormittag »
Eine Wahnsinns-Geschichte liebe Broilerin!  :gb:

Offline kunstmalerdon

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #12 am: Juli 27, 2013, 10:21:32 Vormittag »
HAllo ihr alle, es ist schön zu wissen, dass ich so viele zum Träumen, evtl. sogar zum Schreiben usw. angeregt habe.
Besondern natürlich broilerin, die sich als Naturtalent beweist, weil sie so herrlich von sich hin erzählen kann. Das können ( und manchmal trauen sich ) nur wenige. Aber so  schöne persönliche Erlebnis dabei zusammen geträumt werden: Hut ab!
Don
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Florida

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #13 am: Juli 27, 2013, 15:12:16 Nachmittag »

 :thankyou:   :Lilly:

Offline Ugge

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Re: Die Kraft der Träume
« Antwort #14 am: Juli 29, 2013, 11:33:27 Vormittag »
Wenn sich schlechte Träume in gute verqueren

Fabelhaft! Sehr anschauliche und lebendige Erzählung einer anrührenden Geschichte.  :im_so_happy:


 

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