Autor: kunstmalerdon Thema: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie  (Gelesen 1779 mal)

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Offline kunstmalerdon

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Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« am: Juni 23, 2013, 11:32:36 Vormittag »
Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und die Familie 
Grad hab ich etwas über das Alter erzählt, aber das ist für mich tatsächlich ein ganz faszinierender Vorgang. Ich habe nämlich über viele Ansichten iunzwischen meine Meinung geändert und bin froh darüber. Früher gab es mal eine Zeit, da hatte ich vor nie, niemals so zu werden wie mein „Alter Herr“. Inzwischen bin ich froh, dass ich wenigstens in manchen Bereichen so geworden bin, wie er es war. Früher war ich der Meinung alt zu werden ist etwas wogegen ich nichts tun könnte. Das stimmt zwar, aber ich kann dabei wenigstens aufpassen, dass ich nicht „veralte“.
Körperlich ist es wohl so dass, bestimmte Erscheinungen mit dem Alter fest verbunden sind. Mein Haar ergraut, bevor es ganz verschwindet. Aber wenn eine Frau etwas über das wirkliche Alter eines Mannes wissen will, muss sie nur beobachten ob er zwei Treppenstufen oder zwei Tabletten auf einmal nimmt.
Und heute höre ich viele meiner Altersgenossen über die Jugend jammern. „Die Jugend von heute liebe den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorotät. Die jungen Leute widersprechen ihren Eltern, sie legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Das stimmt heute noch genauso, wie ein paar hundert Jahre vor Christus, als Sokrates das so von sich gab.
Übrigens habe ich auch noch eine schöne Definition von „Kavalier“ gefunden. Das ist ein Mann, der sich den Geburtstag einer Frau gut merkt, aber ihr Alter dabei vergisst.
Ach, auch die Ansichten über „die Frauen“ (speziell und allgemein) haben sich mit meinem Alter geändert. Ich weiß inzwischen, dass es nicht nur auf das Äussere bei einer Frau ankomt. Nein, auch die Dessous sind wichtig.
Und dann erinnere ich mich inzwischen auch, dass es Mädchen gegeben hat, die waren gar nicht „artig“. Aber sie waren dafür „großartig“!
Überhaupt weiß ich inzwischen auch, dass Frauen häufig sehr viel vernünftiger sind als ich es als junger Mann war. Ich kenne jetzt immer noch keine Frau, die einem Mann wegen seiner Beine nachrennt, wie ich das früher schon versucht hatte.
Wenn ich jetzt in meinem Alter über Frauen nachdenke, dann bin ich viel milder in meinem Urteil, als ich das früher war. Nach meiner ersten Ehe gab es eine Zeit, da glaubte ich dem Satz zustimmen zu können:“Der Plural von Lebensgefahr heißt Lebensgefährtin!“ Aber inzwischen weiß ich, dass Heiraten eine wunderbare Sache ist, solange sie nicht zur Gewohnheit ausartet. Robert Lemke soll einmal gesagt haben, dass viele Männer genau wissen wann und wo sie geheiratet haben. Aber sie wissen nicht mehr warum. Für diese armen Männer gibt es aber einen ganz einfachen Ratschlag. Die Ehe wird automatisch glücklich, wenn sich die Partner einander verzeihen, sich gegenseitig geheiratet zu haben. Denn es ist auch heute in unserer aufgeklärten Zeit immer noch so wie es früher auch war, die meisten Verlobungen gehen glücklich aus, aber einige führen dann doch zur Ehe.
Und in der Ehe haben sehr viele Frauen dann ein Problem: Wie macht eine kluge Frau aus einem Windhund einen gemütlichen Bullterrier, damit dann der nächste Schritt in Angriff genommen werden kann, Familienplanung mit eigenen Kindern. Ich bin um diesen Schritt herumgekommen, denn in meiner ersten Ehe war ich zu jung, um einen guten Vater abzugeben und in meiner zweiten zu alt. Ach, ich fühlte mich ja so klug mit meinen Gedanken darüber. Aber ich weiß jetzt, fast alle Menschen sind klug oder gar klüger. Die einen sind es vorher und die anderen nachher. Und im Nachhinein schäme ich mich auch (ein wenig) über manches Verhalten von früher. Als jüngerer Mensch war ich zwar zu wohlerzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber ich war in der Lage endgültige Urteile anderen gegenüber abzugeben mit nahezu leerem Kopf. Ich wollte wohl glänzen, obwohl ich nicht einmal einen Schimmer hatte. Aber ich hatte wohl auch sehr viel Glück in meinem späteren Leben. Glück ist etwa so, wie wenn plötzlich ein dritter Stuhl da ist, wenn ich mich grad zwischenzwei Stühle setzen wollte. Ich bin aber der Ansicht, dass dieser dritte Stuhl nicht von ungefähr kommt. Den hat sich jeder, der Glück hat, vorher verdient.
Ohne Frauen geht es nicht. Das hat ja schließlich sogar Gott erkannt. So habe ich auch sicherlich mit dazu beigetragen, dass ich meine jetzige Frau verdient habe. Aber mehr möchte ich zu diesem Punkt nicht erzählen.
Aber in der Zeit als Junggeselle habe ich viele Fehler gemacht und viele davon auch genossen. Marlene Dietrich soll mal geäußert haben:“Wenn ich mein Leben noch einmal leben dürfte, dann würde ich die gleichen Fehler machen. Aber schon etwas früher, damit ich mehr davon haben kann“. Dem kann ich mich vollends anschließen. Viele Frauen sind für uns Männer so hinreissend alleine schon durch ihre Körperhaftigkeit. Und manche Frauen beherrschen die Kunst ohne Worte nur mit ihrem Körper so zu sprechen, dass man als Mann gar nicht genug Augen hat, um richtig zuzuhören. Bei den meisten von uns Männern wird die Liebe nämlich durch die Augen aufgenommen. Bei den Frauen hingegen durch die Ohren.
Aber liebe Frauen, wenn ihr euch dann mal einen tollen Hecht geangelt habt, dann solltet ihr auch wissen, wie man ihn zubereitet. Denn Männer sind wie ein Rohstoff, Männer sind keine Fertigwaren. Unbehhandelt sind sie wie Wasserkessel, wenn frau sie heiß macht, kochen und pfeifen sie lauthals. Aber schaust Du genau hin, dann lassen sie häufig genug nur noch heißen Dampf ab. Absolute Stille würde entstehen, wenn sie sich nur noch über Dinge äußern würden, hinter denen sie stehen wollen. Aber bitte ihr Frauen verzeiht uns Männern, dass wir so sind wie wir sind. Sogar Gott muss „Verzeihen“ können, denn sonst bliebe das Paradies leer. Und es ist besser eine gesunde Verdorbenheit zu praktizieren, als eine verdorbene Gesundheit erworben zu haben.
Natürlich ist noch kein Mensch daran gestorben, wenn er immer nur „Das Vernünftige“ getan hätte. Aber viele sagen: „Warum ein Risiko eingehen?“
kunstmalerdon

Florida

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #1 am: Juni 24, 2013, 05:40:23 Vormittag »
Wunderbar herrlich entspannt! Deine Gedanken sind einfach veröffentlichungspflichtig!
Während ich das las fragte ich mich umgekehrterweise, wie die Ansichten dazu aus weiblicher Sicht wären.
In ein paar Tagen überschreite ich die Jahresschwelle zum Alter, dann werde ich weiser sein.
Vielen Dank, lieber Don!

Offline kunstmalerdon

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #2 am: Juni 24, 2013, 13:07:38 Nachmittag »
Ach ja, es ist soooo angenehm irgendeine kleine Reaktion zu lesen. Sonst denke ich nämlich: Ach, da siehste das interessiert doch niemanden, lass es in der Schublade.
Und natürlich heiße ich  Dich im Club der Alten willkommen!!
kunstmalerdon

Online Petra

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #3 am: Juni 24, 2013, 15:26:32 Nachmittag »
Ich kann hier Broilerin nur beipflichten, einfach herrlich deine Gedanken und Texte!  :clapping:
Leider fällt mir nicht immer was dazu ein, deshalb genieße ich sie still und heimlich... :blush2:

Vielen Dank lieber Don und bitte weiter so!

Florida

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #4 am: Juni 24, 2013, 19:10:38 Nachmittag »
Meine weibliche Reaktion auf Äußerungen zum Selbstgemachten: WUUUUSCH!
(Für Nichtwisser: Hierbei reicht ein einmaliges Windzugmachen, durch ein fröhlichen "Wuuuusch!" unterstützt mit der eigenen Faust vor dem Körper seiner Lieben, Freunde, Kollegen.....
- im Allgemeinen reicht es danach völlig aus, "Wuuuuusch!" zu sagen und diese Gestik vor dem eigenen anzudeuten.)

Nach einer Stunde netto Arbeitszeit und Begeisterung über Töpfen und Pfanne, einschließlich geschnippeltem angerührtem Dessert, sitzt meine Sippe endlich nach persönlicher Einladung um den von mir gedeckten Tisch.
In meiner vorherigen Zeit, dem Aufwand, der Begeisterung ist ein Geschenk entstanden, ein selbstgemachtes Geschenk für die anderen.
Und nun lauere ich auf irgend eine Bemerkung.
"Mhmm! Das schmeckt aber gut!" Ich reagiere sofort gekränkt und deute es als Hinweis auf einen einmalligen Ausrutscher inmitten chronisch versauter Essenkocherei. Wuuuusch!
"Eintopf kannst du besonders gut!" oder "Die Pilze sind besonders gut!" - ein unübertroffen einmaliger Glücksmoment meiner bisher von mir geschmacklich gequälten Lieben und ich kündige an, daß ab sofort der Rest an Nahrungszubereitung entfällt. Wuuuusch!
Gibt es aber gar einen Kritikpunkt, der nicht mir entspringt, schnappe ich mir nach überrschter Rückfrage prompt den Teller des undankbaren Meckerers und befördere ihn komplett in den Mülleimer  - nein, dieses Zeug kann ich ihm nicht weiter zumuten! Wuuuusch!
(Hatte sich mein Ex so zum Ex gemacht?)
Frauen wissen, daß sie selbst immer unübertroffen gut sind und das bringen sie anderen notfalls auch bei.

Ich hasse es, zum Kaffeeklatsch irgendwo eine Meinung zum selbstgemachten Kuchen abgenötigt zu bekommen: "Schmeckts?" - "Nein!", schreit mein Gehirn, "zu fett, zu süß - widerlich!" während ich kauend mit einem strahlendem Lächeln eifrig nicke.
Und ich hasse es im Restaurant vom Kellner lauernd beobachtet zu werden, bis ich auf irgend etwas herumkaue, worauf dieser Minderbegabte sofort angesprungen kommt: "Schmeckts?"
"Ich hoffe es, denn ansonsten komme ich nie wieder!", schreit mein Gehirn, "Habt Ihr diese Frage wirklich hier nötig?", fragt  mein Blick während sich mein Mund bemüht, irgendwas zu murmeln und dabei nichts rausfallen zu lassen.

Don, das was Du servierst, läd zum Probieren ein bis es nach den ersten Happen zum Genuß der Wohlgefühle wird! Aber plötzlich muß man feststellen: Och! Schon alle!
Man ist sprachlos, atemlos, bereichert. Man kann nur noch danken für dieses Geschenk.

Und hier findet sich bei Dir die meist unausgesprochene typische Männerfrage: "War ich gut?"
Ja! Immer wieder!

« Letzte Änderung: Juni 24, 2013, 19:32:16 Nachmittag von broilerin »

Online Petra

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #5 am: Juni 24, 2013, 19:46:06 Nachmittag »
 :lol: :sarcastic: :gb:

Offline kunstmalerdon

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #6 am: Juni 24, 2013, 22:53:11 Nachmittag »
Zeitweise
Neulich saß ich wieder einmal in meinem bequemen Sessel auf dem Platz der zwei Welten in unserem Garten. Ich hatte mir ganz einfach die Zeit genommen um wieder einmal Zeit zu haben. Manchmal sagen wir „Zeit-Weise“ Und ich dachte daüber nach wie wörtlich das zu nehmen ist. So einfach ist das nämlich, wenn Du es raus hast.
Was haben denn die Menschen, die sagen, dass sie keine Zeit haben stattdessen? Als Gott die Zeit schuf hat er genug von ihr gemacht. Manchmal sagen die Menschen: „Ach Du liebe Zeit!“ aber dann gehen sie so lieblos mit ihr um, ja einige meinen sogar, dass sie ihre „Zeit totschlagen“ könnten. Und dabei merken die meisten nicht einmal, dass es umgekehrt eingerichtet ist.
Seitdem wir unsere Zeit nicht mehr richtig im Griff haben, da tragen wir eine Armbanduht mit uns herum. Aber wir sagen auch: „Es wird Zeit!“ Besonders, wenn die Zeit knapp wird.  Das zeugt auch von großer Zuversicht.
Und da kam mir auch schon die Erinnerung an eine Zeit, als ich noch zur Schule ging. Wir sollten uns eine schöne Geschichte ausdenken über „Die Zeit“. Und im „Geschichten ausdenken“ war ich damals schon recht gut. Meine Geschichte erzählte von einem Jungen, der nie Zeit hatte, weil er immer schnell sein wollte, um Zeit zu sparen. Dabei passierten ihm immer wieder seltsame Dinge, die ihn viel Zeit kosteten. Und so wurde er immer ärgerlicher, wenn er dann versuchte die Zeit aufzuholen und es natürlich doch nie schaffte. Sein Bus war immer grade weggefahren.
Dann saß er einmal weinend im Wartehäuschen, bis ihn ein alter Mann fragte, warum er denn so traurig wäre. Und er erzählte dem alten Mann, dass es so schwer war, die verlorene Zeit einzuholen und der schaute ihn nur lange an und sagte dann: „Bist Du Dir denn so sicher, dass die Zeit vor dir herläuft? Vielleicht ist sie in Wahrheit hinter Dir, und Du hast keine Zeit, weil sie Dich nie einholen kann!“ Und dann kam auch schon für ihn der nächste Bus.
Diese Geschichte musste ich nur aufschreiben, denn es war in Wahrheit meine eigene Situation zu dieser Zeit. Immer kam mir etwas dazwischen, Immer passierte etwas Unvorhersehbares, immer kam ich zu spät, und immer wieder hatte ich Ärger. Voller Verzweiflung verknotete ich beim Nachdenken über eine Lösung meine Finger und schnippte dabei mit meinen Zeigefingern so herum. Und da passierte tatsächlich doch so etwas wie ein Wunder. Alle Menschen um mich herum wurden plötzlich ganz langsam und hielten dann in ihrer letzten Bewegung inne, blieben stehn, aber ich nicht.  Ich konnte mich weiter bewegen. Das war ein sagenhaft tolles Gefühl. Ich probierte es sofort mehrmals aus. Mit den zusammengefalteten Händen auf die Finger schauen, und dann mit beiden Zeigefingern zugleich schnippen. Tatsächlich, alles lief wieder normal weiter, als sei vorher nichts geschehen.
Am nächsten Morgen probierte ich es gleich aus. Für den Bus war ich schon wieder nicht zeitig genug aufgestanden. Aber ich konnte ja „Schnippen“. Der Bus blieb stehen, der ganze Verkehr auch. Die ganze Welt stand still. Kein Auto hupte, als ich ganz in Ruhe über die Strasse ging und als ich dann vor dem Bus stand schnippte ich nur und konnte bequem einsteigen. Was war das für ein Gefühl. Ich war Herr über die Zeit!
Und bei der nächsten Klassenarbeit probierte ich es natürlich auch sofort aus. Nach einer kurzen Zeit schnippte ich wieder mit den „Zeitschaltfingern“ und die Zeit blieb stehen. Ich hatte genug Zeit, um in aller Ruhe nachzudenken, um mein Thema genau zu erfassen. Und wenn ich dann tatsächlich noch nicht zu Rande kam, konnte ich bei meinen Klassenkameraden sogar nachsehen, was die schon geschrieben hatten.
So änderten sich bald die Zensuren in der Schule, aber nicht nur da funktionierte das „Zeitschnippen“. Als unser Klassenlehrer die Ferien verkündete schnippte ich im richtigen Moment und schrieb in den Bogen statt der 4 Wochen einfach die Ziffer 6 ein. Und schon las der Lehrer vor, dass unsere Ferien eben sechs Wochen dauern würden.
Und was hatte ich noch alles für tolle Ideen als Herr über die Zeit, was hatte ich da noch alles zu erledigen. Bloß dass mir dieses nervige langanhaltende Klingeln auf den Geist ging. Und dann machte ich letztlich doch die Augen auf und sah, dass es Zeit war aufzustehen und zum Bus zu laufen. Und jetzt, da ich nicht mehr im Traum war, sondern wach war,  funktionierten die „Zeitschaltfinger“ plötzlich nicht mehr. Ach, das war schade, aber mein Traum war so schön gewesen. Zu meinem Glück aber hatte ich mich an die Frage von dem alten Mann erinnert. Vielleicht war die Zeit tatsächlich hinter mir und ich sollte ihr die Möglichkeit geben, mich einzuholen. Geben wir unserer Zeit doch etwas Zeit. Vielleicht denkst Du ja auch einmal darüber nach.
(Das Ganze stammt aus einer früheren Schaffensperiode! Aber es gibt auch jetzt noch einen Anlass zum Nachdenken!)
kunstmalerdon

Florida

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #7 am: Juni 25, 2013, 03:52:11 Vormittag »
Es gibt ein russisches Märchen zur vergammelten Zeit, das ich, seit ich es zum ersten Mal gesehen hatte, sehr ernst nahm: Man weiß ja nie, ob nicht doch Wahres darin steckt!
Hierin geht es um Kinder, die die Zeit vertrödeln, nach der Schule herumgammeln..... während böse Zauberer genau diese Kinder auf dem Kieker haben, denn sie sammeln diese weggeworfene Zeit auf, reihen Minuten an Minuten, Stunden an Stunden, Jahr an Jahr. Und plötzlich verjüngen sie sich selbst durch die gesammelte Zeit, während die Kinder alt und gebrechlich sind....
http://www.new-video.de/film-das-maerchen-von-der-verlorenen-zeit/

Und so verstand ich früher nicht die Zeit als Nutzen, sondern als an mich gerichtetes Diktat: "Füll mich!"
Fortan hatte ich als Kind immer etwas zu tun, nur das, was Wichtig war, das paßte dann nicht mehr reingequetscht. Aber ich wußte genau, ob ich laufen, schneller laufen oder flitzen mußte, um eine Minute vor Unterrichtsbeginn vor der Klassenzimmertür zu stehen. Vorher - und so sehe ich mich heute noch vor jeden Termin einschließlich Arbeitsbeginn - ist Zeitverschwendung.
Aber ich lernte, zwischen dem Zeitdiktat und dem selbstgemachtem "Spanischen Stiefel" der Zeit zu unterscheiden.
Vielleicht auch durch meinen Job: Mal muß ich um 6.30, mal um 14.00h, mal um 22.00h antreten für acht Stunden, inerhalb derer immer zu einer bestimmten Uhrzeit irgend etwas bestimmtes getan sein muß. Dies sehe ich als mein Zeitdiktat.
Deswegen weigere ich mich außerhalb dessen den "Spanischen Zeitstiefel" anzuziehen. Verlang von mir Dienstag aller zwei Wochen den gelben Sack auf die Straße zu schmeißen - ich würde dich wegen psychischer Folter verklagen! Denn nun würde ich von jetzt an nur noch "Dienstag" denken und nach jeder Abholung die Wochentage rückwärts zu zählen beginnen.
Verabrede dich mit mir, ich werde vorher irgendwo sein und gemütlich einen Kaffee getrunken haben. Oder sei erstaunt, daß ich nur zehn Minuten zu spät komme, weil ich ihn zu Hause schon genossen habe. In beiden Fällen meine "bewußte" Oase im Tag.
So kann ich neben dem Zeitdiktat die Zeit als Oase für mich gewinnen, aus der angenehmer Nutzen entstehen kann: das Warten im Warteraum, in dem ich die Jupitermonde auswendig lerne oder sonstwas, was da Sinnvolles herumliegt, die Wäsche auf der Leine, das Schreiben an die Behörde, oder eben eine gelungene Verabredung mit dir.


Offline kunstmalerdon

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #8 am: Juni 25, 2013, 10:54:14 Vormittag »
Ach ja, ein schöner Einblick in Dein Zeitmanagement. Ich habe mich auch schon sagen hören: "Ich habe gar keine Zeit!" Aber wenn ich dann mal darüber nachdachte musste ich feststellen, dass ich ganz einfach viel Zeit hatte, die ich aber nicht genutzt hatte.
 Aber dann habe ich gleich noch etwas zu fragen, was mir schon einige Zeit Kopfzerbrechen bereitet hatte:
Meine Gedanken führen mich zu einem weiteren Thema, das ich noch nicht vollends zu Ende gedacht habe.
Wenn es der Patient ist, der durch seinen Glauben oder Unglauben gesund wird oder krank bleibt, dann möchte ich doch erst mal wissen: was ist denn der „Unglaube“?
Gibt es so etwas überhaupt: „Unglaube“? Welchen Platz hat denn in meiner Welt die Verneinung? Gibt es so etwas überhaupt wie Wissen und Unwissen? Unwissen ist doch die Abwesenheit von Wissen. Unwahrheit ist die nicht vorhandene Wahrheit. Hat das Unwissen seine eigene Daseinsberechtigung?  Hat die Abwesenheit von Wissen ihre eigene Daseinsberechtigung zum Beispiel in einer wesenhaften Erscheinung wie beim „Teufel“.
Der ist doch der personifizierte „Unglaube“.
Ein Patient, der skeptisch ist, der praktiziert eben den Glauben an seine Krankheit, aber er ist doch deswegen nicht „ungläubig“. Er zieht es nur vor eventuell sein Leben lang „krank“ zu bleiben. Von dieser Art sind mir schon viele Menschen begegnet.
Andrerseits gibt es in unserer Sprache viele Worte, die nur in ihrer Verneinung sprachlich existieren.
Da wäre z. B.
Unflat, Unbill,  ungebärdig, ungestalt, ungefähr,  ungestüm, ungemach, Ungeziefer, Unglimpf,  ungemein, Unhold,  ungeniert, Unrat, ungeschlacht,  Unschlitt, unverblümt,  unverfroren.
Wie kommt dieser Un-fug denn nun zustande, oder hat jemand selbst schon einmal z. B. von irgendwelchem „Geziefer“ gesprochen?
Ich werde auch darüber noch weiter denken, denn noch bin ich gerade auf diesem Gebiet recht unwissend. Und für so einen unwissenden Menschen wie mich gibt es wohl nichts besseres, als zu schweigen. Weil ich das aber weiß, bin ich eben doch schon kein Unwissender mehr und stelle deshalb meine Gedanken hier doch zur Diskussion.
Don
kunstmalerdon

dibashi

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #9 am: Juni 25, 2013, 11:31:06 Vormittag »
 :clapping:  nur weiter so ihr beiden, bin zwar auch meist nur ein stiller Leser, aber hier besonders gerne  :friends:

Florida

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #10 am: Juni 25, 2013, 11:34:44 Vormittag »
"Ich habe gar keine Zeit" gehört als Feststellung gar nicht zu mir. Damit schubse ich nur jemanden weg, der mir meine Zeit stiehlt oder rauben will. Denn auch hier lasse ich mein Unterbewußtsein entscheiden, wann wessen Zeit mit mir abgelaufen ist: Das kann jederzeit ein Gespräch irgendwo oder eine ganze Beziehung sein, die ich damit einschlafen lasse. Dadurch entsteht Zeit für Neues.
Meine Eltern sind da anders, sie halten sich an Menschen aus weiter Vergangenheit fest, können da kein Nein sagen. So kommen Anfragen, Selbsteinladungen mit Übernachtungswünschen.
Andererseits reisen sie viel und oftmals schwärmen sie von interessanten Menschen aus der Reisegruppe. "Aber leider hat man ja trotz Versprechen nie die Zeit, sich danach weiter kennen zulernen", bedauerten sie mal. Ich schlug vor, sich von altem Ballast zu trennen, von dem man sich wegentwickelt hat, der einem nichts mehr gibt... "Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Frau.... , maulfaul und langweilig gestrickt eine Bereicherung sein soll", schloß ich. Ja, die Gespräche seien einfach, einseitig, ohne jegliche Würze. Geändert haben sie nichts, jammern tun sie immer noch.
Die Zeit kann man zumüllen wie eine Wohnung. Da hilft es zu lernen, hin und wieder zeitfüllenden Müll zu entsorgen ähnlich wie einen alten durch einen neuen Dekoartikel zu ersetzen.
Sieh die Zeit als deinen Kleiderschrank, in dem du nach alten Kram für die Kleidersammlung herumstöberst und über den halben Sack staunst, der da zusammengekommen ist - und aber auch über den Platz für einen neuen Mantel, Pullover.... etwas neuem Schönen.

Über "Un-" denke ich noch nach.
« Letzte Änderung: Juni 25, 2013, 11:37:19 Vormittag von broilerin »

Offline kunstmalerdon

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #11 am: Juni 25, 2013, 15:35:44 Nachmittag »
Hallo Sandra,
das ist gut zu wissen. Aber so ein netter Satz wie heute bestätigt mich, nicht nur für die leere Galerie zu schreiben.

Und ein sehr berühmter Zeitgenosse hat sich dazu mal geäußert: "Von einem ehrlichen Kompliment kann ich gut zwei Monate leben!"
kunstmalerdon

Florida

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #12 am: Juni 25, 2013, 15:45:06 Nachmittag »
Meine Mutter war frisch verheiratet, als ich begann, laut schreiend, mich zum Mittelpunkt ihres Daseins zu erklären.
Leider kann ich mich an diese Kronprinzessinnenzeit nicht mehr erinnern, wohl aber, daß mir meine Eltern strahlend einen häßlichen Glatzkopf als meine kleine Schwester vorstellten.
Ich spürte sofort, in Unliebe gefallen zu sein und beschloß, dieses komische Wesen unbeachtet zu lassen, es hatte nicht den Hauch einer Chance gegen mich! Sollen die Eltern es doch dahin zurückbringen, wo sie es gefunden hatten! Doch meine Ungnade wurde nicht tolleriert, ich sollte Unwillen in Freude verwandeln: "Nun drück doch mal dein Schwesterchen!"
Ich beschloß, das Etwas zu zerquetschen. Leider gelang mir nur, es zum Bläken zu bringen. Meine Mutter schritt ein, doch mir war das Bläken noch nicht laut genug....
Aber ich lernte aus nur einer Erfahrung: Aha! Du mußt ungehorsam, ungehobelt und darin unbeugsam sein und du wirst beachtet!
Im Laufe der Zeit perfektionierte ich mich immer mehr als ich erkennen, aber nicht verstehen konnte, mich mit der neuen Situation arangieren zu müssen.
Ich trieb fortan mein Unwesen mit meiner Mutter, die mir diese Ungerechtigkeit antat und dies scheinbar nicht einsehen wollte. Ich spürte genau, an welcher Grenze ich noch eins mehr dazu geben mußte, bis ich einen Klaps hintendrauf bekam. Ich nahm diese Zuwendung nie undankbar hin, war es doch mein Sieg über sie.
Später berichtete sie dazu, einen Radiosender nach meinem Verhalten befragt zu haben. Sie saß davor, als das Radio "Eifersucht" sagte.
Gelernt hat sie in meinem Interesse nichts,alles blieb unverändert, ebenso ich in meinem Leid.
Dann wurde ich hellhörig als man mich fragte, ob ich mich auf ein weiteres Schwesterchen freuen würde. Ich war fünf und konnte klar verkünden: "Nein, die eine reicht!"
Meinen Eltern scheinbar nicht und so war ich nun gezwungen, mich mit dem ungeliebten Glatzkopf, dem inzwischen lange blonde Locken gewachsen waren, zu verbünden.
Und der lernte schnell: Nur wer mit mir nicht stänkert, mit dem spiele ich! Mein Kinderleben war Kampf, denn wollte ich über sie dominieren wie es mir ja zustand, saß ich plötzlich alleine herum....
Später war ich in den Abschlußprüfungen, als schon wieder eine Schwester auftauchte und ich fragte mich, ob das denn nie aufhören würde.... da fing es an, mir egal zu werden.....
(Letztes Jahr war goldene Hochzeit und mich würde es nicht wundern, wenn......)

Ein Un- muß bei näherer Betrachtung, aus einem anderen Blickwinkel, mit anderem Hintergrund..... gar kein Un- mehr sein.
Das Un- ist aber zunächst immer etwas, was primär wir selbst, teilweise geprägt auch durch andere, dafür halten.
So beobachte ich gerne zwischen meinem Unkraut neben der Terasse ein Haselmäuschen, für das meine Krümel immer abfallen.
Und das nur wegen meiner Unart, den englischen Garten zu bevorzugen, von den blöden hier umherstreifenden Katzen noch nicht aufgespürt wurde.


Florida

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #13 am: Juni 25, 2013, 15:53:29 Nachmittag »
Ich danke Dir,liebe Sandra, weil Du mich in einem Atemzug mit Don nennst. Gerade MIT Don!    :preved:

Offline kunstmalerdon

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Re: Gedanken über das Alter, die Frauen, die Ehe und Familie
« Antwort #14 am: Juni 25, 2013, 16:15:34 Nachmittag »
Schon in der guten alten Zeit,
da gab es ihn, den Zeitvertreib.
Man dachte sich auch nichts dabei,
und schuf mit dieser Narretei
etwas, das uns verwundert,
im heutigen Jahrhundert.
Denn heute ist es nun so weit,
kaum jemand hat noch heute Zeit.
So wie ’s die Alten schrieben,
man hat die Zeit vertrieben!
Don
kunstmalerdon

 

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