Autor: kunstmalerdon Thema: Gicht oder Rheuma  (Gelesen 2922 mal)

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Offline kunstmalerdon

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Gicht oder Rheuma
« am: September 04, 2011, 19:40:15 Nachmittag »

Gicht oder Rheuma
Es ist sehr lehrreich in unserem Zaubergarten zum Platz der zwei Welten zu gehen, wenn ich mal wieder über meine eigenen Grenzen schauen will.
Ihr wisst ja wohl noch, dass ist der Platz unter dem Kirschbaum wo wie zwei aneinanderhängende Seifenblasen die Welt der Menschen und das Elfenreich zusammentreffen. Da gab es heute einen neuen kleinen Maulwurfshügel. Ich sah ihn noch rechtzeitig, also brauchte ich nicht über ihn zu stolpern. Schon Konfuzius wusste bekanntlich, dass wir Menschen viel häufiger über diese Maulwurfshügel stolpern als über richtige Berge. Ich legte mich also ohne Stolpern richtig bequem hin und entschied mich heute einmal das Fenster zum Koboldreich zu öffnen.
Dort war anscheinend eine richtige Aufregung angesagt. In der Mitte der Siedlung stand eine etwas prächtigere Hütte und davor fläzte sich auf einem Lager aus Moosen und Kräutern ein besonders verärgerter großer Kobold und grummelte unverständlich vor sich hin. Und das hatte seinen Grund. Er hatte große Schmerzen in seinen Armen. Einige Kobolde schlenderten vorsichtig um ihn herum. Einer zog seine braune Kappe und murmelte etwas wie:
„Einen gräulichen Morgen, Euer Hochnotgeboren!“
„Das geht Dich einen Maulwurfsschiss an, ob ich einen gräulichen oder säuerlichen Morgen habe“ antwortete der große Kobold und verpasste seinem Gegenüber eine Maulschelle, dass der gleich auf seine Knie fiel.
„Ach, dachte ich, das muss wohl ein richtiger, hochgestellter K.O.-Bold sein, wo der hinlangt da wächst kein Moos mehr!“ Aber ich konnte meinen Gedanken gar nicht recht zu Ende denken, da schrie der K.O.Bold wie am Spieß auf. Er hatte seine Schmerzen in den Armen vergessen, und jetzt hatte er noch mehr Grund auf jeden und alles sauer zu sein.
Und da dachten wohl viele der Kobolde aus dieser Sippe ähnlich: „So geht das nicht weiter!“ Schmerzen hatte wohl jeder von ihnen mal, aber Schmerzen von einem hochnotgeborenen, hochgestellten K.O.-Bold waren wohl doch etwas anderes. Sie übertrugen sich nämlich auf direktem Wege auf alle Nachbarn. Und das war nicht auszuhalten. Also beschlossen  der Lehrer, der Koboldbeauftragte für innere und äußere Angelegenheiten und der Straßenkehrer gemeinsam mit allen Nachbarn: „Nur fachgerechte medizinische Hilfe kann hier eine Änderung auf lange Sicht bewirken.“ Die beiden Kräuterweiblein aus der Nachbarschaft sollten kommen und helfen!
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Und die beiden machten sich sofort auf den Weg. Schon aus eigenem Interesse, denn ein hochnotgeborener und hochgestellter Schmerz ist schließlich nichts Alltägliches. Beide waren sie Fachleute, das konnte man sofort hören, wenn sie sich unterhielten und auch sehen.
Frau Prof. Dr. Eulalia Scharfzahn war noch recht jung, sie war noch nicht einmal 111 Jahre, aber sie hatte viele medizinische Ausdrücke in ihrem Vokabular. Und sie kannte sich mit Kräutern gut aus.
Die andere, Andronia, Freifrau vom Schlammloch, war wirkliche und geheime Medizinalrätin. Und sie wusste nahezu alles, was man im Kräuterbereich an Essenzen und deren individuelle Anwendung so wissen konnte. Beide trugen für alle sichtbar ihren Ausweis bei sich. Das ist der großvolumige Spitzhut, der über eine breite Krempe hinten in ein Cape überging. In diesem Cape befanden sich jeweils automatisch die im gerade zu behandelnden Fall notwendigen Zutaten. Also Kräuter, Düfte, Essenzen, Salben, Wässerchen und Kräuterlikör. Der allerdings war den die Privatversicherten  und den Behandelnden selbst vorbehalten.
Die beiden also kamen flugs an die Hütte des hochgestellten, hochnotgeborenen K.O.-Bolds. Und dort verbreiteten sie gleich eine Aura von Fachwissen und Kompetenz, dass sogar der sonst ständig grummelnde Kranke zu seiner eigenen Sicherheit erst einmal schwieg.
Dann wurde der Puls gemessen, die Temperatur gefühlt, gefragt, wann das letzte Mal gegessen und warum, alles mit dem immer notwendigen Kopfschütteln begleitet und unter dem absingen von Jajaja, also und TZ, Tz, Tz.
„ Wann denn die Schmerzen am schlimmsten seien und warum sie ihn überhaupt stören?“
„Ja ich bin nun Mal hier der hochgestellte Ober K.O.-Bold, und es stört mich schon, wenn ich meine Umgebung mit einer notwendigen Schelle versehen will, und dann schmerzt es  mich mehr als den Empfänger der Maulschelle. Ja, ich könnte auch stattdessen jeweils einen Fußtritt austeilen,  aber das sei eben doch nicht dasselbe.“
Und dann schüttelten beide zugleich den Kopf und meinten zugleich;
„Ja, eindeutig Gicht!“ bzw. „Ja, eindeutig Rheuma!“
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Und dann schauten sie sich gegenseitig an, schüttelten erneut den Kopf und Eulalia fragte Andronia: „Woher willst Du denn das wissen? Woher hast Du denn Deine angebliche Kompetenz?“
Und diese rechtfertigte sich, sie wisse alles von ihrem Onkel und seinen Kumpanen. Wenn man mit denen zusammen die Nacht durchsaufe und am nächsten Morgen sei noch alles an Wissen da, dann sei man eben auch kompetent. Man müsse dann nur noch genügend inkompetent sein, um dann das Richtige zu tun.
Beide schauten den verdutzten K.O.-Bold weise an und zogen sich dann in eine Ecke zu einem medizinischen Kolloquium zurück, wie sie sagten.
Es gibt ja Fachleute, die meinen: „Ein knackfrischer Kompromiß pro Tag, und die Woche ist gerettet.“ Aber hier wollte keine der beiden nachgeben. Jeder bestand auf seiner Meinung. „Gicht!!“ „Nein, Rheuma!“
Beide wussten auch, hier half nur ein Kompromiss, obwohl auch nur ein einziger Kompromiss zwei Mal Kompromissbehagen auslösen würde.
Ein Konflikt war geboren. Und Eulalia dachte: „Einen Konflikt löst man am besten, indem man ihn erst gar nicht entstehen läßt!“
Wohingegen Andronia  zu wissen glaubte, sie hätte die beste Konfliktlösungs-Strategie erst neulich beim Besuch eines Kasperle-Theaters kennengelernt.
Da schlug Eulalia vor: „Weißt Du, meine Liebe, so ein notwendiger Kompromiss ist die beste Gelegenheit sich auf meinen Standpunkt zu einigen.“
Und Andronia erklärte: „Jedes Zugeständnis ist eben auch ein Geständnis und zwar der eigenen Unterlegenheit!“
Also einigten sie sich auf „Stein, Brunnen, Schere“, vollführten die notwendigen Handbewegungen und erklärten dem verdutzten Patienten mit vielen lateinischen Ausdrücken, sein rheumaticus humusculorum trete in seltenen Fällen auch getarnt als arthritis  urinitis auf und sei am besten zu kurieren durch eine Bienengiftkur mit Brennnessel-Peitschen.
Und als daraufhin der Patient so schnell von seinem bequemen Mooslager aufsprang als hätte er nie Schmerzen gehabt, um sich zu verdünnisieren,
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da sprudelten die beiden Fachleute schon gemeinsam, dass das allerdings eine inzwischen überholte Anschauung sei und in ihrem weiten Cape sei eine entsprechende Tinktur, die alle Schmerzen beseitigte, wenn sie zusammen mit einem warmfeuchten Moorbad wirken könnte.
Das behagte dem hochgestellten K.O.-Bold schon mehr und gleich begann eine kleine Karawane mit Gesang und Getröte einen Umzug zum Moorbad, denn die beiden Medizinerinnen kannten auch gleich die Stelle, wo schon eine Badefrau auf alle wartete. Nach einigen Gesängen verbunden mit einigen Fläschchen Kräuterlikör kam die ganze Familie mit Freunden und Kollegen  endlich an einer sehr schleimigen Stelle des Moores an. Hier stiegen schon warme Duftschwaden empor und es roch bedenklich nach Knoblauch mit Ammoniak, also nach frischen Hundekothaufen.
„Nein, empörte sich der Hochgestellte, ich bade hier auf gar keinen Fall!“ Und er wollte sich gerade umdrehen als er die Badefrau hinter sich sah. Es war die manchen schon bekannte Braunbärin Annamaria vom Zottelfell. Drei Meter fünfundzwanzig Körpergröße und einem Grunzlaut aus dem mächtigen Brustkorb von der Art eines Donnergrollens:
„Immer schön geradeaus der Herr, und nicht stehenbleiben!“ und mit einem zärtlichen Schubser mit der mächtigen Pranke flog hochgestellte K.O.-Bold kopfüber in die stinkende warme Moorbrühe. Das gab ein Gejohle unter den begleitenden Kobolden und Zwergen und einen Beifallsturm, als er mit grünem schlammverklebten Gesicht wieder hochkam. „Bravo und Gutso, Aushalten und „Noch einmal-Rufe“ begleiteten eine weitere Flasche Kräuterlikör auf dem Weg zum K.O.-Bold. Und der hatte inzwischen beschlossen das Beste aus seiner Situation zu machen. Zumal er inzwischen an seine Schmerzen gar nicht mehr denken konnte. Soo viel  Gesänge, ja Tänze um ihn herum ließen ihn immer wieder zurücksinken, wenn er mal nach weiter oben kam. Oder sollten es doch  dann die bedrohlichen Tatzen von Annamaria vom Zottelfell sein die sich um einige Zentimeter hoben, wenn er zu nahe an den Rand kam? Egal. Jetzt genoss er seine Situation. Er ließ sich Mooskau Gummi reichen, er bekam etwas zu Rauchen angeboten, und hatte die Wahl zwischen einer Blasgarette und einer Blasgarre. Immer mehr wurde der Waldweg zu einer großen Party, Elfen waren gekommen und tanzten einen Luftreigen der Lust. Ein paar Fledermäuse formierten sich zu einem Chor und brachten das bekannte Lied „OH meine Sohle“ also die Deutschfassung von „O sole mio“ zur
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Darbietung. Koboldkinder verkauften Holzscheiben mit eingebrannten Kalendersprüchen, wie: „Sägespäne in den Socken hält den ärgsten Schweißfuß trocken.“
Kurz, es war ein fideler Nachmittag, mit dem Hochnotgeborenen Ober-K.O.-Bold als Hauptdarsteller. Insbesondere als dann Annamaria von Zottelfell  die Badesitzung für beendet erklärte und der geschlammte Badegast gewaschen werden sollte. Ein Eichhörnchen öffnete einen hohlen Baumstamm und eine Dusche ergoss sich über den Badegast und alle johlten vor Vergnügen. Und plötzlich johlten alle vor Schreck, denn aus dem Schlamm schälte sich ein graugrünes Krokodil hervor und bot sich an für eine Gesundheits-Massage.
Aber die beiden Kräuterweiblein schüttelten warnend den Kopf.
Ja, sie hätten schon einmal von den erfolgreichen Massagekünsten von Kuno dem Krokodil gehört. Die Krankheit war nach der Massage nicht mehr zu finden gewesen aber der Patient auch nicht.
Also zog der Ober K.O.-Bold mitsamt seinen Partygästen singend und tanzend nach Hause. Er hatte noch einen Terminplan von Annamaria mitbekommen. Und sie hatte noch warnend dazu geschrieben:
Manch einer verdankt seine Gesundheit der Apotheke, die gerade geschlossen hat. Also keine Pharma-Medizin. Aber wöchentlich einmal zum Heilbad einen Mond lang. Denn nichts beeinflusst die Gesundheit so sehr, wie der häufige Wechsel der Medizin.
Don, 19.Juli 2011
kunstmalerdon

zinpette

  • Gast
Re: Gicht oder Rheuma
« Antwort #1 am: November 30, 2011, 09:45:55 Vormittag »
Rheuma und die Zahlreichen Symptome.... Vortrefflich :-)

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« Letzte Änderung: August 21, 2012, 15:34:23 Nachmittag von fair-play »

 

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