Autor: Gast Thema: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?  (Gelesen 2698 mal)

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cathy78

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Re: Wofür sich ehemalige DDR - Bürger schämen sollten
« Antwort #15 am: Januar 06, 2009, 14:18:02 Nachmittag »
Hallo Mathilde,
ich möchte Dir wirklich nicht zu nah treten, bitte nicht falsch verstehen!
Ich möchte nur gern wissen, warum Du so einen reißerischen Titel gewählt hast - wolltest Du damit provozieren oder was steckt dahinter?
Cathy

Offline esse-est-percipi

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Re: Wofür sich ehemalige DDR - Bürger schämen sollten
« Antwort #16 am: Januar 06, 2009, 14:19:44 Nachmittag »
Der Autor des Textes kann gerne nach Weißrussland auswandern;
da hat er all die schönen Dinge wieder, wenn auch nur schwach.

Vielleicht sollte er sich aber auch 'mal von einem Ex-Gefangenen durch Hohenschönhausen führen lassen
oder sich die Umweltsituation in Bitterfeld in Erinnerung rufen oder die Tatsache, dass in den neuen Bundesländern
die Lebenserwartung nunmehr um acht Jahre höher liegt. Er kann sich auch gerne im Archiv die Abrisspläne der Ostberliner
Stadtverwaltung für den damals maroden Bezirk Prenzlauer Berg anschauen und sich fragen, warum heute dort
blühende Landschaften bei immer noch geringen Mieten stehen.

Vielleicht möchte er auch einen kritischen Song über Frau Merkel schreiben oder einen Köhler-Witz reißen und sich dann
beschweren, dass niemand ihn abholt.

Er kann sich auch 'mal erkundigen, was Verwaltungsgerichtsbarkeit ist und wie oft der Bürger erfolgreich gegen den Staat klagt.

Vielleicht vermisst er es auch, dass er den Besitz einer Schreibmaschine beim Staat registrieren lassen muss. Oder er wünscht sich, drei Stunden quer durch die Stadt zu fahren, um irgendwo ein Ding des alltäglichen Lebensbedarfs zu finden, zu kaufen oder zu tauschen.

Vielleicht sind ihm auch die Abtreibungszahlen zu niedrig. Vielleicht fängt bei ihm eine Volkspartei auch erst bei über 90% der Stimmen an.

Kontakt mit Italienern oder Dänen in deren Ländern wird ihm sowieso überflüssig sein.

Wer weiß?

« Letzte Änderung: Januar 07, 2009, 16:13:55 Nachmittag von esse-est-percipi »
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Offline Petra

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Re: Wofür sich ehemalige DDR - Bürger schämen sollten
« Antwort #17 am: Januar 06, 2009, 18:48:16 Nachmittag »
Der Besuch von Hohenschönhausen hat auch bei mir einen bewegenden Eindruck hinterlassen..........

Mathilde

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Re: Wofür sich ehemalige DDR - Bürger schämen sollten
« Antwort #18 am: Januar 06, 2009, 19:15:53 Nachmittag »
Hallo Mathilde,
ich möchte Dir wirklich nicht zu nah treten, bitte nicht falsch verstehen!
Ich möchte nur gern wissen, warum Du so einen reißerischen Titel gewählt hast - wolltest Du damit provozieren oder was steckt dahinter?
Cathy

Hallo cathy78 Hallo alle anderen
Es war wirklich nicht meine Absicht jemanden zu provozieren oder zu beleidigen.
Den Titel habe ich mir nicht ausgedacht sondern aus dem Text übernommen.
Ich wollte mit diesem Beitrag, den ich auf einer Seite für politische Witze gefunden habe, nur in Erfahrung bringen ob ich mit meiner Meinung das dieses gar nicht lustig ist alleine dastehe.
Ich hätte mich da wohl etwas anders/genauer ausdrücken sollen.
Für den bei euch erzeugten Ärger möchte ich mich hiermit in aller Form entschuldigen.

cathy78

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Re: Wofür sich ehemalige DDR - Bürger schämen sollten
« Antwort #19 am: Januar 06, 2009, 19:19:49 Nachmittag »
Damit ist schon vieles Klarer! Merci  :wink:
Falls es dort wirklich ein politischer Witz sein soll: nicht lustig!

Mathilde

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #20 am: Januar 06, 2009, 19:23:50 Nachmittag »
Habe den Titel geändert und mein Anliegen genauer beschrieben.

xy

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #21 am: Januar 07, 2009, 06:45:51 Vormittag »
 


 


hohenschönhausen waren wir auch...ohne worte..
« Letzte Änderung: Januar 07, 2009, 06:50:47 Vormittag von xy »

Offline Gretchen1943

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #22 am: April 15, 2018, 22:40:57 Nachmittag »
Ich habe nicht sehr oft solchen haarsträubenden Unsinn gelesen. Abgesehen von einigen Tatsachen, die wirklich zutreffen, kann das nur jemand geschrieben haben, der nicht in diesem kleinen Land gelebt hat. Die DDR war ein Staat, in dem leider auch viel Unrecht geschehen ist; sie war ein Staat, in dem es einen Geheimdienst gab (wie in  fast allen Ländern der Welt), der allerdings überwiegend gegen die eigenen Bürger gerichtet war (ich betone: überwiegend); Ein-Euro-Jobber hätten nicht reisen können, denn die gab es in der DDR nicht; 20-Pfennig für Fahrscheine musste sich niemand vom Mund absparen und dergleichen Unsinn mehr.
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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #23 am: April 16, 2018, 00:13:58 Vormittag »
Ja, ich habe auch selten so einen ausgemachten Unsinn gelesen.  :blink:

Offline hony

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #24 am: April 16, 2018, 03:50:30 Vormittag »
Ich war nie in der DDR, wir hatten da keine Verwandten, deshalb konnte man da auch nicht hinreisen. Aber, wären wir wohl auch nicht.

Aber, von wegen Bananen und Apfelsinen, die es nicht das egsamte Jahr über gab: Ja herrje, 1968 - da gabs auch im Westen nicht das gesamt Jahr über Apfelsinen und Bananen, das weiß ich noch genau. Das ging erst Mitte der 70er so richtig los, mit Bananen aus Neuseeland z. B. - und Orangen aus Israel. Bananen gabs im Winter selten - udn wenn, zu teuer.

Apfelsinen waren daher gern gesehen auf dem Weihnachtsteller, weil im Winter das Obst teurer war.

Meist haben wir saisonales Obst gekauft. ich weiß noch, gen Herbst gabs massenweise Pflaumenkuchen - ich hatte nachher keine lust mehr drauf.

Äpfel gabs das gesamte Jahr, aber, die waren "eingekellert" - das stand dann imemr auf den Schildern. Sobald dann die neue Ernte Äpfel da war - stand dann da auch: Äpfel, neue Ernte. Damals überweigend Boskop - heute44 ist der fast nirgendwo mehr zu finden.


Offline Gretchen1943

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #25 am: April 16, 2018, 22:57:07 Nachmittag »
Zu hony: Weshalb wärst Du nie in die DDR gefahren? Wenn ich (geborene Ossi) gekonnt hätte, wäre ich wohl sehr gern mal nach Sylt gefahren, nach Bremen,  an den Bodensee oder auch in alte Universitätsstädte - einfach nur zum Gucken. Leben hätte ich dort nicht wollen, denn da wäre ich ja nicht zu Hause gewesen.  :smile:
Bananen haben mir nie gefehlt, ich kaufe auch heute sehr, sehr selten mal 2 Stück. In der Obstzeit gab es die von mir sehr geliebten Augustäpfel (vermisse ich sehr), Erdbeeren, Johannisbeeren u.a. aus dem Aufkauf (ein Witz: die Gärtner haben sie hinten verkauft und viel Geld dafür bekommen, dann sind sie vorn in den Laden gegangen und haben sich vom eigenen Obst welches billig gekauft), Birnen, Pflaumen und - wie Du sagtest - das ganze Jahr über Äpfel, die noch nach Apfel schmeckten und nicht nur nach Zuckerwasser. Boskop habe ich zum Backen genommen - köstlich. Dieses ganze fremde Obst hat mir nicht gefehlt und Erdbeeren, Gurken und Tomaten im Winter brauchte ich auch nicht.  :laugh:
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Offline hony

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #26 am: April 16, 2018, 23:59:13 Nachmittag »
Gretchen, man bekam fast nei eine Einreisebewilligung. Man musset dazu schon DKP-Mitglied sein - oder sonstige, sehr gute Gründe liefern.
Nicht einmal der Grund: zu Lehrzwecken, da ich Pädagoge für Geographie - Geschichte bin - half damals, eine Einreisebewilligung in die DDR zu bekommen.

Ich kenne aber viele, die früher in der DKP waren, hier aus dem Ort - die meinten noch: kriegen wir hin, wir setzen dich it auf die Liste, komm mit.
Es kam aber nie zur Reise, irgendwie war immer Südfrankreich wichtiger, Schweiz, Österreich - usw. - seufz.

Ich wollt eso gerne mal nach Rügen - und wäre gerne mal nach Bad Kühlungsborn gefahren, weil wir da Lieferanten hatten, mit denen wir oft telefonieren - nzw. das war ein VEB Veredlungskombinat - die haben unsere Textilien veredelt und dann bekamen wir die wieder zurück.

Hatte da dutzende Einladungen - aber auch dazu kams nicht, weil ich dann die firma wechselte-

Ich bekam aber von meinen Bekannten, den DKP-Mitgliedern, stets was mitgebracht, aus der DDR.
LP mit "Kampfliedern" - sagten wir immer, mehrere von Pete Seeger. Spielekästen - solche geklöppelten Deckchen - die liebe ich ja, oder so Filethäkeleien-Deckchen -

Und Fotos brachten sie mit - jede Menge: Grillen im Garten von Genosse soundso - Grillen auf der Weise der Plattenbausiedlung, wo Genossen Soundso und Soundso wohnen - Volksfest - Grillen in der Datscha - Grillen (an irgendeinem See, weiß nicht meh rwelchem, war in Thüringen irgendwo) usw.

Zurück wieder hin in SG - gabs ja zuerst mal ne dicke Fete Überhaupt, die hatten die dollsten und besten Feten, die ich jemals kennen lernte, in ihrem DKP-Haus. War ich oft am WE - man kennt sich eben - ist hier doch ziemliche Provinz.


Offline Gretchen1943

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #27 am: April 25, 2018, 11:06:41 Vormittag »
Ein ganz guter Beitrag, hony. Das Grillen auf der Wiese vor den Plattenbauten fand aber nicht nur mit "Genossen" statt.  :laugh: Ich wohne seit 1974 in solch einem Plattenbau. Damals gab es Hausgemeinschaften, die sehr viele Dinge freiwillig und gern gemeinsam veranstalteten: Grünanlagenpflege, Winterdienst, Kinderfasching im Haus, gegenseitige Hilfe z.B. bei "Überschwemmungen" (bei mir kam Wasser vom Mieter über uns durch), Gratulationen zu Schulanfang, Hochzeit, runden Geburtstagen usw. mit Blümchen und Präsent (in unserem Haus hatte ich das viele Jahre übernommen), die Wohnungsbaugesellschaft gab das Geld dazu...
Heute kann man (ich) froh sein, wenn sich die Mieter (sind nicht mehr viele aus der alten Zeit) noch grüßen und man (ich) einen ganz tollen Nachbarn hat, der sich nicht nur um die eigenen Belange kümmert.
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Offline krabbi

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #28 am: April 25, 2018, 20:04:18 Nachmittag »
Zitat
Damals gab es Hausgemeinschaften, .....
Heute kann man (ich) froh sein, wenn sich die Mieter (sind nicht mehr viele aus der alten Zeit) noch grüßen
diese traurige entwicklung hat sich nicht nur in plattenbauten, hochäusern oder trabantenstädten verbreitet.... es ist so schade, dass sich hauptsächlich nur noch um sich selbst gekümmert wird.
je größer die wohnparteien, desto kleiner die gemeinschaft :girl_sad:.

damals wurde einfach mehr zusammengerückt..... feierte gemeinsam, half sich gegenseitig, durfte beim nachbarn mal das telefon benutzen, ein nachbar lud zum fernsehen ein, weil er schon einen besaß und es wurde auch mal gemeinsam in den urlaub gefahren.
ob in ost oder west.... da gabs bestimmt keinen unterschied.  :girl_smile:
   Und schon da vorne küsst das Salzwasser den Sand

Offline Emirades

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Re: Müssen sich ehemalige DDR - Bürger hierfür schämen?
« Antwort #29 am: Mai 01, 2018, 10:06:42 Vormittag »
Mein erster Besuch im sogenannten Ostblock war 1976.
Damals kursierten so mache Halbwahrheiten.

In den Osten fahren, war das überhaupt möglich? Und was, wenn man bei der Bundeswehr war?
Brauchte man da nicht eine Einladung von Verwandten, ein Visum, einen Reisepass ...
Davon abgesehen, wie lebten die Menschen dort im Überwachungsstaat?
Jeder wußte doch, dass es da Versorgungsengpässe gab, dass man aufpasen mußte, was man sagte,
dass man in seiner Freizeit Bürgerpflichten für das Gemeinwohl zu erfüllen hatte ...
und dass man hinter dem eisernen Vorhang eigentlich so gut wie eingesperrt war.

Nun ja, so eine Grenze kannte ich gewiss nicht. Der ganze Papieraufwand und die mehrfache Kontrolle waren schon eindrucksvoll.
Ja sogar ein wenig erschreckend, wenn man da die Grenzposten auf ihren Wachtürmen sah, die mit geschultertem Gewehr
und Ferngläsern nach dem potntiellen Feind Ausschau hielten. Der barsche, befehlshafte Ton als Empfang war ebenso gewöhnungsbedürftig
und man war froh, diese unerbauliche Stelle hinter sich lassen zu können, selbst wenn man genau wußte, dass nunmehr auf einer ruppeligen
"Autobahn" reiten für Deutschland angesagt war. Mein VW-Käfer ächzte jedenfalls gewaltig beim Wellenreiten über Betonplatten, Schlaglöchern
und unbefahrbahren Erprobungsstrecken, wobei das der Ausdruck eines Vopos war, der mir eine Strafe für das Befahren des linken Autobahnstreifens
liebgrinsend verordnete. Es gab nur einen Vorteil: Die Transitautobahn war zumeist leer.

Das alles stand aber im Gegensatz zu den Menschen im Osten, die ich tatsächlich als hilfbereit und freundlich erleben konnte.
Es gab kein Problem, für das sich nicht eine Lösung fand, auch wenn man sich in bescheideneren Verhältnissen befand, als der kraftstotzende,
konsumbezogene Westen. Und ja, Bescheidenheit (um nicht von Armut zu reden, was tatsächlich übertrieben wäre) scheint die Menschen
zusammenzuschweißen, während Wohlstand (um nicht von Reichtum zu reden, was ebenfalls unzutreffend wäre) sie häufig zu
garstigen, gleichgültigen und oft unerfreulichen Zeitgenossen macht.

Übrigend gibt es dazu eine interessante Parallele, die ich lesenswert finde:

Wer dem Staat vertraut, braucht keinen Gott
•   Eine aktuelle Studie hat den Zusammenhang zwischen Religiösität und staatlicher Fürsorge untersucht.
•   Ergebnis: Je weniger Sicherheit säkulare Instanzen bieten, desto attraktiver erscheint den Menschen der Beistand eines Gottes.
•   Andersherum bedeutet das allerdings auch: Wo es einen Wohlfahrtsstaat gibt, sinkt der Bedarf an religiösem Beistand.

http://www.sueddeutsche.de/wissen/sozialpsychologie-wer-dem-staat-vertraut-braucht-keinen-gott-1.3956591   



« Letzte Änderung: Mai 01, 2018, 10:09:49 Vormittag von Emirades »
Wer Glück sucht
muß sich zuerst selbst finden.

 

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