Autor: kunstmalerdon Thema: Meine richtige Einstellung gegenüber Schmerzen  (Gelesen 610 mal)

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Offline kunstmalerdon

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Meine richtige Einstellung gegenüber Schmerzen
« am: April 01, 2016, 17:41:02 Nachmittag »
Hallo ihr Leute, der 1. April ist heute.

Aber meine Geschichte ist wahr, kein Aprilscherz.

Es ist morgens, kurz nach sieben Uhr. Joe, mein Hund bettelt mich an:
"Komm, bitte, ausgehen; du weißt ich "Muss" mal!
"Na klar, hab noch etwas Geduld, ich muss mich erst noch richtig anziehen;
Leine, Hundefutter, Kotbeutel! So jetzt kann es losgehen zum Morgenspazierhang an die Havel."
Der Sonnenaufgang ist heute sehr schön. Aber dafür habe ich noch nicht den richtigen Blick. Ich muss es erst mal einrichten, dass ich laufen kann.
Dazu stelle ich mich kurz vor:
Don, 83 Jahre, also schon älter (so bezeichnen mich Freunde, als sie merkten, dass ich schon nicht mehr mit meinen Zähnen zusammen schlafe!) und zu 70 Prozent "Schwerbeschädigt". Zwei künstliche Hüftgelenke, zwei künstliche Kniegelenke, und auch sonst noch einige erhebliche Abnutzungserscheinungen, wie seit einiger Zeit mein abgenutzter "Ischiasnerv".
Der macht sehr große Schmerzen bei jedem Schritt. Also erst mal richtig aufrichten beim gehen, Schulterblätter nach hinten, als ob ich eine imaginäre Walnuss am Rücken einklemmen will.
Und was noch sehr wichtig ist: Zumindest der Abglanz von einem Lächeln in mein Gesicht. Ich will andere nicht mit meinen Schmerzen belästigen!
Die ersten Versuchsschritte sind noch wackelig, die Schmerzen habe ich noch nicht im Griff. Ich glaube ich muss heute ohne meine Schmerztablette, die mir wirklich hilft den Tag riskieren, und ihn durchstehen.
Aber da kommt ja auch schon eine erste Hilfe in Sicht. Ein Nachbar, geht mit seinem Hund ebenfalls "Gassi". Er wartet kurz auf uns, denn mit einem Morgengeplauder geht es für beide leichter.
Er ist überzeugter "Salatist", das heißt Veganer und er erzählt mir auch gleich, dass er erfahren hat: "Man kann "Fette Henne" auch gut essen."
Gemeint ist aber die Grünpflanze!
Als ich ihn fragte, ob es auch Fleisch auf seinen Esstisch schaffen würde antwortete er mir: "Nun, "wenix"! (Das bedeutet weniger als nix)!
Ja, ich weiß es ja, jeder soll nach seiner Fasson selig werden.

Er schaut mich an und bemerkt mein schmerzbedingtes Humpeln. "Freilich, antworte ich, zu Fuß bin ich nicht mehr so gut drauf."
Nun, er ist ein ehemaliger  LKW-Fahrer, und da komme ich besser sofort auf sein Lieblingsthema "Auto" zu sprechen.
"Bei meinem alten Auto musste mal der ganze Motor erneuert werden! Und so etwas täte auch meinem alten Körper ganz gut!"
Und er kontert mit der Feststellung:
"Don, weißt Du, ich wäre schon mit einer neuen Stoßstange zufrieden!"
Wir schmunzeln beide, aber ich etwas gequält, denn wir laufen ja weiter und das macht mich bald wahnsinnig, wenn jeder Schritt genau überwacht werden muss um nicht zu deutlich wehzutun!
Ach ja, da kommt auch schon der "Dritte Hundeführer" zu unserer Runde!
Kurze Begrüßung mit seinen mitgenommenen Leckerlis, aber nur für unsere Hunde, und schon ist er bei der Aufarbeitung der letzten Abendschau:





"Im Fernsehen haben sie gestern gesagt in Griechenland sei der Teufel los! Dort kann man sehen, dass die Marktwirtschaft eine Fortsetzung des Faustrechts nur mit monetären Mitteln ist und konsequenterweise ist die Marktwirtschaft mithilfe der EU Gelder endlich auch in der Talsohle fest angekommen. Weitere Geldzuschüsse sind für eine Wiederbelebung ebenso sinnvoll, wie eine Mund zu Mund Beatmung eines bereits Verstorbenen." 
Wir beiden nicken zustimmend, sind aber still, denn wir wissen aus Erfahrung: Der muss erst mal alle seine neuesten Erkenntnisse loswerden:
"Die Vielosophie vieler Unternehmensführungen zeigt doch, dass es unsinnig erscheint, selbst für eine falsche Entscheidung gerade zu stehen, wenn man ungestraft andere dafür ohrfeigen kann. Und was Banker und Politiker zuerst lernen, ist, sich so auszudrücken, dass sie  behaupten können, dass sie ganz falsch verstanden worden sind.
Wirkliche Sachkenntnis ist etwas ganz besonders Wertvolles. Das ist wohl auch der Grund, warum fast alle, also auch unsere eigenen Politiker so unendlich sparsam damit umgehen.
Diese Vermutung hatte wohl auch Mark Twain als er feststellte:
"Nehmen wir mal an Sie wären ein Idiot, und nehmen wir mal an Sie wären ein Regierungsmitglied. Aber ich wiederhole mich ja……"
Ja, wir konnten erstmal Luft holen. Nun, Gassi gehen mit den Hunden hat auch anstrengende Momente! Aber inzwischen ist es auch Zeit, am Wendepunkt umzukehren. Für mich besonders, denn trotz allem ablenkenden Geplauder melden sich meine unnötigen Schmerzen immer wieder.
Aber als ich dann den Rest des Weges alleine gegangen bin, habe ich mir doch ernsthaft überlegt, was ich wohl nicht richtig mache im Hinblick auf meine so störende Ischias - Schmerzen. Ich wünsche sie mir schon lange zum Teufel.
Dabei komme ich doch auf einen ganz anderen Gedanken.
Ich behandele sie wie ein absolut nur störendes Fremdelement. Die gehören anscheinend gar nicht zu mir!
Ist das wirklich so?
Und da bin ich schon dabei, erst einmal genau nachzudenken, wenn es sich nicht um "allgemeine Krankheiten" handelt, sondern um so genannte natürliche "Abnutzungserscheinungen". Die sind doch eine natürliche Folge meines fortgeschrittenen Alters. Und das ist ein Teil meines normalen Lebenslaufes. Das gehört zu mir! Leider!
Und wenn ich ganz ehrlich und konsequent bin, dann muss ich auch akzeptieren, dass  heimsuchende Krankheiten gerade mich befallen, weil ich in meinem Körper zumindest vor der Attacke mit dafür gesorgt habe, dass ich "empfangsbereit" für sie war.
Das erscheint mir jetzt so, als ob ich doch eine Änderung meines Umgangs mit "meinen Schmerzen" in Angriff nehmen sollte, wenn sie mich zu sehr stören: Nicht ausgrenzen und zum Verschwinden bringen; vielleicht sollte ich versuchen sie wieder in die frühere  Ordnung meines  Körpers zu bringen. Als sie vielleicht nur eine Anlage waren, aber als störend nicht wirksam wurden.
Aber wie?
Ja, das scheint mir jetzt am Ende meines Hundespazierganges am Morgen doch eine zu schwierige Gedankenarbeit zu sein. Da denk ich noch mal drüber nach, wenn ich zu Haus durch mein Wärmekissen etwas weniger Pein auszuhalten
habe.
Aber ich bleibe dabei mit den richtigen Antischmerztabletten ist mein Hundeausführen jetzt erst mal noch erholsamer!  Und das werde ich bald ändern!
Don 1. April 1960
kunstmalerdon

 

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