Autor: Gast Thema: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...  (Gelesen 24816 mal)

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Offline esse-est-percipi

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #225 am: Januar 10, 2012, 11:56:24 Vormittag »
Santiago
Adolf Endler

Sie mussten sich auf den Boden
    des Stadions legen
Arbeiter
Schubkarren mit Steinen gefüllte
Rollte man über sie weg
Proletarier
Um ihnen das Rückgrat zu brechen
Über sie weg

Ich hefte den Durchschlag dieser Notiz
    in all meine Mappen
Bei jeder Arbeit muss ich sie
    wiederfinden

Sie mussten sich auf den Boden
    des Stadions legen
Arbeiter
Schubkarren mit Steinen gefüllte
Rollte man über sie weg
Proletarier
Um ihnen das Rückgrat zu brechen
Über sie weg

Aus: „Das Sandkorn. Gedichte“, Mitteldeutscher Verlag, 1974

 

Im Jahr 1972 stürzte Augusto Pinochet die Regierung des demokratisch gewählten chilenischen Präsidenten Salvador Allende. Allende kam unter bis heute ungeklärten Umständen ums Leben. Das große Sportstadion in Santiago de Chile diente als Konzentrationslager für Tausende von Gegnern des neuen Regimes. Auf diese historische Situation bezieht sich das Gedicht von Adolf Endler, das die Brutalität der Bewacher und die Leiden der Inhaftierten in einem knappen Bericht veranschaulicht.

Die Beschreibung zeichnet sich zunächst durch Nüchternheit aus, doch die gewinnt schon in der ersten Strophe durch die Brechung der Sätze und das wiederholte „über sie weg“ eine große Intensität. Indem Endler diese „Notiz“ in alle seine Mappen legt, will er diesen schrecklichen Vorgang im Bewusstsein halten und nicht mehr vergessen. Wie zur Veranschaulichung wird die erste Strophe in Gänze wiederholt, ein bitterer Refrain. Die Notiz wird so zur Mahnung und zum Maßstab, an dem seine – und schriftstellerische Arbeit überhaupt – zu messen ist.

Adolf Endler, der 1930 in Düsseldorf geboren wurde, 1955 in die DDR übersiedelte und 2009 in Berlin starb, gilt im Rückblick als geistreiche, ironische und auch etwas schrullige Vaterfigur der jüngeren DDR-Autoren. Für viele war er der dichtende „Tarzan am Prenzlauer Berg“, so der Titel seiner 1994 erschienenen Tagebuchfragmente. Dieses Gedicht nun zeigt einen ganz anderen Endler, den genau hinsehenden Kommentator, der seine Empörung über das Leid der Anhänger Salvador Allendes nach dessen gewalttätigem Sturz in wenige sachliche Bilder zu fassen weiß und gerade dadurch unser Mitgefühl hervorruft.
"We have first raised a dust and then complain we cannot see."

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Offline mimPutz

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #226 am: Januar 10, 2012, 12:28:06 Nachmittag »
 :danke: :gb:
Einst glaubte ich zu wissen, heut weiss ich, dass auch dies ein Glaube war.

Offline Emirades

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #227 am: Juli 20, 2013, 21:52:54 Nachmittag »
Gedankenreise

Wenn Gedanken reisen könnten,
flögen sie zu dir gern hin,
hauchten dir in frohen Farben
schöne Träume in den Sinn.
Ließen dich vielleicht gar schweben,
in die sternenklare Nacht,
die mit leuchtend, strahlend Lichtern,
über unsere Erde wacht.

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Offline mimPutz

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #228 am: September 17, 2013, 09:15:56 Vormittag »
Wenn Du in tiefer Trauer steckst
Dich ab Erfreulichem erschreckst
oder es einfach gar nicht siehst
das kenne ich gut, sei mir gegrüsst

Es lohnt nicht mit dem Schicksal hadern
denn dieses fliesst schon durch die Adern
und trotzdem ist es ganz perfid
ein düsteres und traurig Lied

doch glänzt ein Stern an jedem Himmel
und braucht auch gar kein Glockenbimmeln
denn irgend wann wirst Du ihn sehen
und auch Dein Schicksal ganz verstehen.

So schweres Leid die ganze Zeit
und meistens noch ganz ohne Streit
wenn jeder seines Schicksals Schmid
komm´ ich bei Dir gar nicht mehr mit.

Wann sollt´st Du das geschmiedet haben?
Völlig abstrakt, nicht zu verstehen
des Lebens sonderbare Gaben
bringen sonst nur noch zum Durchdrehen.


B.E. 17. Sept 2013
Einst glaubte ich zu wissen, heut weiss ich, dass auch dies ein Glaube war.

Offline Emirades

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #229 am: Oktober 15, 2013, 16:46:43 Nachmittag »

Der Altersunterschied

Liebe leben alle Tage,
das geht stets, ganz ohne Frage.
Leben lieben, das macht Sinn,
niemand weiß, wo treibt es hin.

Alle Zeit hat eine Spanne,
dennoch wird mir niemals bange.
Jung und alt, was soll das sagen?
Ist das Grund sich zu beklagen?

Nein, des Alters Eitelkeiten,
können manches Herz erweiten,
und der Jugend kurze Weile,
treibt manch Narren hin zur Eile.

Liebe leben alle Tage,
selten trifft man solche Paare,
die an Jahren so verschieden,
lang zusammen sind geblieben.

Leben lieben, das macht Sinn,
weiß ich wo ich morgen bin?




http://www.cosmiq.de/qa/show/3660410/Was-soll-man-machen-wenn-man-jemanden-liebt-sehr-mag-der-ca-26-jahre-aelter-ist/
« Letzte Änderung: Oktober 16, 2013, 13:04:47 Nachmittag von Emirades »
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Online Petra

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #230 am: Oktober 16, 2013, 06:41:14 Vormittag »
Klasse!  :gb:

Offline mimPutz

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #231 am: Oktober 16, 2013, 12:19:31 Nachmittag »
Ist mein Schatz auch sehr viel älter
wird die Liebe doch nicht kälter
schaltet aber auch nicht ab
stehe ich dann vor dem Grab.
Einst glaubte ich zu wissen, heut weiss ich, dass auch dies ein Glaube war.

Offline Emirades

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #232 am: Oktober 19, 2013, 12:45:13 Nachmittag »
Schönheit und Glück

Glück fangen

Heut werd' ich mir das Glück einfangen,
bin mit dem Fangnetz ausgegangen.
Die Beute ist ein Schmetterling,
ein niedlich, feines, schönes Ding.

Es flattert bunt, will Freiheit haben,
soll ich's als Glück nach Hause tragen?
Nein, solche Schönheit, nie von Dauer,
trägt dabei selbst doch höchstens Trauer.

Und schwups, mein Glück ist mir entschwunden,
ich schenk es dir für frohem Stunden.
Fang mit derweil ein neues Glück,
denn lässt man's los, kommt es zurück.



Schönheit suchen

Die Schönheit ist ein seltsam Ding,
wie ich sie auch zusammen schmink,
vergänglich ist sie allemal,
und machbar auch, wenn ich bezahl.

Mit Glück hat solches nichts zu tun,
das läuft nicht nur in blanken Schuh'n,
vielmehr hab ich es stets entdeckt,
bei dem, was in den Schuhen steckt.

Wer Glück sucht
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Offline kunstmalerdon

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #233 am: Oktober 19, 2013, 16:48:30 Nachmittag »
Ach ich wollte so sehr,
dass sie nur die Hand auf mein Haar legt,
denn ich wollte viel mehr,
etwas was mich ganz tief bewegt
ich wollte ihr klar machen
dass ich nur irgendetwas zu sagen im Stande war
von den wirklich wichtigen Sachen
die im Grunde so einfach und klar
und die jetzt so unheimlich schwer
einer Frau, wie ihr mitzuteilen waren
denn ich war innerlich leer
und so konnte ich mich nicht offenbaren.

Ach ich wollte so sehr,
dass die Zeit, sich verfängt
und ich hoffte auf mehr,
dass niemand uns bedrängt,
denn sie sollte doch in ihrer Phantasie
erkennen, wie sehr ich sie lieben will
und was ich bedeute für sie
doch mein Mund blieb absolut still.
Ich wollte doch so unendlich zärtlich sein.
Aber ich blieb stumm, und ich blieb allein.

Don 12.2008
kunstmalerdon

Offline kunstmalerdon

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #234 am: Oktober 19, 2013, 16:51:24 Nachmittag »
Alleinesein

Manchmal halt ich das „Alleinesein“ nicht mehr aus.
Ich geh irgendwo hin, egal wo, nur irgendwo raus.
Und wenn ich dann auf eine große
Menschenansammlung stoße
Nehm ich mir vor, ich geh auf irgend jemanden zu
Und spreche ihn an und sage: „DU!
Bitte, lass mich Dich berühren,
denn ich muss unbedingt menschliche Wärme spüren“.
Aber ich habe solche Angst, dass Du mich groß ansiehst
Und mir Deine Hand erschreckt wegziehst,
und ich stehe dann wieder ganz allein,
genauso wie vorher …ganz… allein….
Oder ich versuch es mit Konversation,
aber auch da weiß ich es schon,
dass Du Dich flüchtest auf ein Podest
und dass auch da mich nicht an Dich läßt,
und wir plaudern über den F.C. und das Wetter,
und Du sagst mir,was für ein netter
Mensch ich doch sei!
Und dabei
Bin ich Dir in Wirklichkeit ganz einerlei!


Du, wenn ich jetzt anfange und SCHREI!!!
Du läßt Dich nicht stören,
oder kannst Du mich auch nicht hören?
Oder läßt Du Dich nur deswegen nicht anfassen-
-willst mich nur deswegen nicht an Dich lassen,
weil Du Angst hast, genau wie ich,
die Angst, in der Nähe verletze ich Dich?
Oh Gott, was ist denn bloß
mit unserer verdammten Welt los?
Wo ist denn unsere ganze Menschlichkeit geblieben.
Wenn wir schon Angst haben einander zu lieben?

Andrerseits könnt es ja so sein,
nur ich hab diese Angst, nur ich allein
und wenn ich tatsächlich auf Dich zugehe,
dann schenkst Du mir etwas von Deiner Nähe?
Vielleicht sollt‘ ich es doch noch einmal probieren
Auf Dich zugehn und mich selbst zu riskieren!
Don, November 1986

kunstmalerdon

Offline mimPutz

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #235 am: Oktober 19, 2013, 17:31:58 Nachmittag »
@ Don

Deine Worte sind berührend
nicht gewaltig, nicht verführend
doch kann ich ganz deutlich spüren
Du wirst wohl jemand andern küren

Das macht gar nichts, ich wünsch Dir Glück
und das Alleinsein geht zurück
Du findest noch ein inneres Band
bedarfst dann nicht mehr fremder Hand.

Doch binde es auch nicht zu fest
so dass Du Deines Lebens Rest
Dich immer frei auch kannst bewegen
und auf Dein Glück die Wege legen.
Einst glaubte ich zu wissen, heut weiss ich, dass auch dies ein Glaube war.

Offline kunstmalerdon

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #236 am: Oktober 20, 2013, 20:24:48 Nachmittag »
Mein lieber Mimputz, ganz lieben Dank für Deine wirklich lieben Wünsche.
Gottseidank sind sie ja schon in Erfüllung gegangen, denn seit diesem Gedicht sind schon viele Jahre vergangen und ich habe eine liebe Frau an meiner Seite. Auch im späten Alter kann ich noch glücklich sein. Aber damals, da habe ich mir meine Qual einfach von der Seele schreiben müssen ( und das hat mir alleine dadurch schon geholfen!). Also, noch einmal DANKE!
Don
kunstmalerdon

Offline kunstmalerdon

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #237 am: Oktober 20, 2013, 21:01:55 Nachmittag »
Kein Platz für das Neue?

Ich gehe in mich und versuche still zu sein;
Ich gehe in mich und  bleib ganz allein
Und schau mich um:
Was alles ist um mich herum?
Was hab ich da an vielen Dingen
Angehäuft, obwohl sie nichts mehr bringen?
Was war der Grund, dass ich sie zu mir nahm?
Was wollte ich mit all dem Kram?

Viel wichtiger als das ist jetzt jedoch
Brauch ich das alles wirklich noch?
Oder könnte ich es gut entbehren,
könnt ich mein Umfeld auch entleeren?
Könnt ich den rechten Sinn erfassen,
warum kann ich das alles nicht entlassen?
Besitze ich die Dinge um mich her
Oder stimmt das hier alles gar nicht mehr?

Und plötzlich da verändert sich
Die Sicht der Dinge hier für mich
Mein ganzes Haus ist schon so voll,
weil ich mich davon trennen soll,
um Platz zu machen für das Neue,
auf das ich mich schon lange freue,
doch das hat noch nicht stattgefunden,
weil es hier keinen Platz gefunden.

Und ich erkenne, dass das Bild
Für mich auch ganz woanders gilt:
Es gelten diese unsichtbaren Schranken
Für mich auch im Bereich: Gedanken.
Was schleppe ich da mit mir rum
Was nenne ich hier Eigentum?
Da gibt es Angst und Groll und Traurigkeit
Vorwürfe und Belanglosigkeit.

Und solange ich über die schlechte Welt jammere
Und mich an die nutzlosen Gefühle klammere
Und sie hüte wie einen Schatz
Besetze ich einen wichtigen Platz.
Um mich zu entwickeln, muss ich den haben
Sonst fehlt mir der Raum für neue Gaben
und ich kann nur dann das Neue genießen
Wenn ich erkannt habe: Alles muss fließen.




Eine falsche Einstellung fesselt mein Leben
Denn wenn ich mich weigere wegzugeben
Zeigt diese Einstellung zum „Behalten an sich“
Vor dem „Morgen“ fürchte ich mich.
Das Schöne und Neue, was die Welt verschönt
Das ist nicht für mich, daran bin ich gewöhnt.
Aber das soll nun nicht länger so sein
Mir fällt etwas sehr viel Besseres ein:

Ich werde Tanzen als ob niemand mich sieht

Und Singen weil ein Wunder geschieht

Und meine Liebe soll umfassend werden

Ich werde Leben, als sei der Himmel auf Erden.

Don Juni 2009
kunstmalerdon

Offline Ugge

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #238 am: November 14, 2013, 17:32:08 Nachmittag »
Alleinesein

Kein Platz für das Neue?

Don, du hast deine Gefühle in wunderschönen Worten ausgedrückt.  :give_rose:


Offline Lionbeard

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Re: Gedichte die zum Nachdenken bewegen...
« Antwort #239 am: November 22, 2013, 04:02:13 Vormittag »
Von hier <Griff an die linke Seite/Herz Blätter raus ziehen>
und Hier <Stirn berühren, Blätter ausbreiten (Pult?)>
kommt mein Geschenk an euch  für diesen besonderen Tag, für eure Hochzeit:


Was ist Liebe?

Ganz unvermittelt kam der weichen, weißen Sommerwolke dieser Gedanke.

Was ist Liebe?

Rief sie dem Raben zu, der unter ihr flog und die Erde nach Futter absuchte.

Liebe ist, krächzte der Rabe, Liebe ist: Ein voller Magen, ein Versteck mit Essen für Morgen, das meine Feinde nicht kennen, und Liebe ist der Wind, der mich trägt.

Die Wolke war nicht zufrieden.

Was ist Liebe?

Rief sie zum Pferd, das über eine Wiese galoppierte.

Liebe ist, wieherte das Pferd, Liebe ist, Laufen zu können, über einen Zaun springen zu können, wenn ich es wollte, Liebe ist, einen Menschen zu tragen, Liebe ist der Boden unter meine Hufen, der mich im Leben fest hält und mich trägt.

Die Wolke war nicht zufrieden.

Was ist Liebe?

Rief sie zum Eichhörnchen, das durch die Wipfel eines Nußbaumes turnte.
Liebe, keckerte das Eichhörnchen, Liebe ist ein Nest voller Nüsse, Liebe ist, mit einem Freund durch die Bäume zu laufen, ohne Grund und Sinn. Liebe ist, von einem Ast zu fallen und zu wissen, dass es einen weiteren Ast gibt der unter dir ist und dich auffängt.

Die Wolke war nicht zufrieden.

Was ist Liebe?

Rief sie dem Hund zu, der einem Stock hinterher jagte, den sein Herrchen warf.

Liebe ist, bellte der Hund, Liebe ist: herum zutoben, zu laufen, etwas jagen zu dürfen, auch wenn es nur ein Stück Holz ist. Liebe ist, sein Herrchen jeden Tag früh Morgens aus dem Bett holen zum Spazieren gehen. Liebe ist ein Platz, wo man hingehört.

Die Wolke war nicht zufrieden.

Was ist Liebe?

Rief sie  Lena zu, die fröhlich lachend in ihrem Korb lag und die Wolke bewunderte.
Liebe ist, gluckste Lena, Liebe ist Mama, die kommt wenn ich schreie. Liebe ist Papa, der Traurig ist, weil ich schlafe, wenn er nach Hause kommt. Liebe ist mein Essen, Liebe sind trockene Windeln. Liebe ist das Kitzeln von Sonnenstrahlen in der Nase. Liebe ist der Erste Schnee, die erste Blume. Liebe ist Vertrauen.

Die Wolke war nicht zufrieden.

Was ist Liebe?

Rief sie dem Fluss zu, der das Meer küsste.

Liebe ist, plätscherte der Fluss, Liebe ist ist die Quelle, die mich geboren hat. Liebe ist der Damm, der mich aufhält und einen See aus mir macht. Liebe ist die Klippe, über die ich mich werfen muss, Liebe sind die Steine, die man mir in den Weg legt. Liebe ist der Zweite Fluss, der mich bereichert und vergrößert, Liebe ist der Regen, der mich zum Überfließen bringt, Liebe ist die Sonne, die mich austrocknet. Liebe ist der Boden, den ich bewässere, wenn ich groß genug bin um abzugeben. Liebe ist, Dinge zu tragen, die größer sind als ich. Liebe wächst.
Liebe ist abgeben und annehmen.

Was ist Liebe?

Die Wolke fand niemanden, den sie noch fragen konnte, und wurde vor Zorn ganz schwarz. Alles brodelte und kochte in ihr, und sie suchte und fand etwas, woran sie ihre Wut auslassen konnte: Ein Stahlfinger, der auf dem Dach eines Hause stand. Der Blitz schlug ein und leitet den Zorn der Wolke in den Boden. Beim Folgenden Donner
   wirbelte der Rabe durch die Luft und wurde schließlich vom Wind aufgefangen
   erschreckte das Pferd, das über die Wiese galoppierte bis der Boden unter seinen Hufen es beruhigte
   stürzte das Eichhörnchen vom Ast, auf dem es spielte, und ließ es von einen Ast ganz weit unten auffangen.
   Heulte der Hund vor Angst und jagte aus seinem Korb und unter die Bettdecke seine Herrchens. Der nicht wirklich böse darüber war.
    Wurde Lena  aus dem Schlaf geschreckt und begann zu weinen. Ihre Mama wachte auf,  und nahm sie in den Arm. Und Lena wusste, dass sie sicher war.
   Trat der Fluss über die Ufer, gab den Wiesen an seinen Ufern Nahrung und nahm Schmutz mit sich fort, bevor er in sein Bett zurück fand und das Gewitter hinter sich ließ.

Und endlich erinnerte sich die Wolke:

Liebe ist jemanden zu haben, der Einen trägt
Liebe ist, Jemanden vertrauen zu können, der Einen hält
Liebe ist das Wissen, aufgefangen zu werden, wenn man fällt
Liebe ist der Platz an den man gehört,  eine Heimat zu haben
Liebe ist Vertrauen
Liebe ist Geben und Nehmen, ist Veränderung und Wachsen

Und ab und zu ist Liebe auch eine dunkle Wolke, die Einen durch viel Wind und Lärm an All dies  erinnert, wenn man das vergessen hat.


von mir...
Für jeden, der es mag
("Lena" nach Bedarf ersetzen oder streichen)

Lena wird übrigens bald 4...  Hab ich zur kirchlichen Hochzeit ihrer Eltern geschrieben. Ist irgendwie länger geworden als geplant, aber meine Großnichte (für die es war) fand es toll...  und die Pfarrer der ökumenischen Hochzeit auch...
Hab das, zum Glück, abgeschickt bevor mir klar wurde, das es zu lang war... Hab die Hochzeitszermonie damit  verändert... Stand plötzlich im Mittlepunkt....
Diskutiere nie mit Idioten: Erst ziehen sie dich auf ihr Niveau hinunter, und dann schlagen sie dich dort auf Grund ihrer Erfahrung.

 

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