Autor: kunstmalerdon Thema: Was ist Liebe?  (Gelesen 1940 mal)

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Offline kunstmalerdon

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Was ist Liebe?
« am: Dezember 31, 2013, 18:41:53 Nachmittag »
Was ist „LIEBE“?
Nur ein Wort?
Können wir Liebe messen?
Oder ist Liebe etwas individuelles, was jeder anders empfindet?
Lässt sich Liebe begreifen?
Kann sich jemand gegen „Liebe“ wehren? Und wenn ja, dann wie?
Können wir überhaupt ohne Liebe zum normalen Erwachsenen werden?
Wer hat die Liebe erfunden?
Wie viele Menschen kann ich zur selben Zeit lieben?
Findet Liebe im Kopf statt, oder im Herzen, oder überall?
Oder ist es sogar eine Sucht, wenn ich „sehnsüchtig“ nach der(m) Liebsten mich verzehre?
Oder ist alles nur ein Hormoncocktail den die Evolution in uns hat werden lassen auf dass wir nicht so schnell aussterben?
Sind wir angelegt auf die lebenslange Liebe oder ist ein Wechsel des Partners das Normale?



Ach, in diesem Bereich gibt es so viele Fragen, aber vielleicht auch ebenso viele Antworten.
Die modernen Wissenschaftler haben sich ja lange Zeit gelassen mit der Erforschung der Liebe. Das galt als uncool noch als ich meine ersten Uni-Erfahrungen machte. Aber so etwa ab 1960 ging es dann doch los, dass auch an der Uni darüber geforscht werden konnte.
Ein Psychologe, Harry Harlow hatte mit einem gewagten Experiment Aufsehen erregt. Er hatte jungen Äffchen die Eltern weggenommen und sie ohne elterliche „Liebe“ und Zuwendung aufwachsen lassen. Eine Langzeit – Untersuchung ergab verheerende Schwächen bei den Elternlosen.
Können wir daraus schließen, dass Liebe eine Erfindung der Evolution ist, gegen die wir uns gar nicht wehren können? Denn die Menschheit soll und will ja Überleben! (Obwohl  mir darüber schon manche Zweifel kommen!)
Es kann doch wohl durchaus so sein, dass Kinder mit Eltern besser überlebensfähig werden als ohne. Aber muss deshalb die Liebe für ein ganzes Leben mich mit meinem Partner verbinden, wie es die Hochzeitsformel verlangt “…bis dass der Tod euch scheidet!“
Und warum soll es auch nicht möglich sein, dass mehrere Paare miteinander in Liebe zusammenleben, ohne das besitzergreifende Treuegelöbnis?
Für mich selbst ist das mit meinen 80 Jahren keine aktuell lebbare Vorstellung, aber man wird ja wohl mal darüber nachdenken dürfen, oder? Warum ist Liebe und Treue bei uns so miteinander verbunden? Ich bin sicher, dass zu anderen Zeiten und in anderen Zivilisationen das Thema „Liebe“ anders umgesetzt wurde. Oder doch nicht?
Was sind eure Erfahrungen mit der „Liebe“?
Don
kunstmalerdon

Offline mimPutz

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #1 am: Januar 01, 2014, 19:15:22 Nachmittag »
Ich denke, Liebe ist eine Dimension des Erlebens, welche oft mit anderen Dimensionen des Lebens durcheinander gerät,was dann Probleme machen kann.

Eine Grunddimension ist die, ob jemand sich überhaupt ins grosse Spiel des Liebeslebens begeben will oder lieber sich auf andere Dinge konzentriert.
Und wenn sich jemand auf anderes konzentriert kann es ihm trotzdem passieren, dass er/sie sich über alle Ohren in jemanden verknallt und alles dran setzt, da eine Beziehung wachsen zu lassen.

Andersrum geht auch: Jemand stellt sich vor zu heiraten und eine Familie zu haben und findet einfach keinen Partner. Davon leben etliche Partnervermittlungsinstitute.

Aus der Biologie weiss man, dass verschieden begehrte Partner die Ränge der Sippe bekleiden. Beim Mensch ist das genauso: Wer in den Top-Rängen sitzt, sei es als Wirtschaftsmagnat, sei es als Topmodell oder Filmstar bekommt grosse Anhängerschaft und könnte sich Partner um alle Finger und Zehen wickeln, wer täglich seine Lagerarbeit vollbringt kann froh sein, wenn jemand an einer Party ein Auge auf ihn/sie wirft

Und dies ist eine weitere Dimension des Menschseins: Gesellschaftliche Bedingungen.

Dass Liebe mit Besitznahme oft verknüpft wird kommt genau aus dieser Hackordnung und ich bin nicht sicher, ob es das Mensch noch schaffe, die Rangordnung von der Partnerschaft zu trennen. Ich bezweifle es sehr, denn Partnerschaften dienen auch dazu, sich höhere Ränge zu erschlafen.

Man muss schon ziemlich darüber nachgedacht haben um alle Aspekte der Liebe  zu berücksichtigen.
Dass Mütter und Väter ihre Kinder lieben ist auch eine neurophysiologische Sache, denn die Erwartung der Begegnung und die elterliche Bindung setzt Botenstoffe im Gehirn frei, welche die Eltern beglücken.

Bei den Kindern sind es andere Momente, welche die Liebe begünstigen, sie kennen ja anfangs niemanden anderen und bei liebenden Eltern können sie sich glücklich fühlen.

Es gibt Ausnahmen, Eltern die ihre Kinder als Last empfinden und sie nicht lieben. In diesen Fällen mag jemand bereits einen Schaden mitbringen.

Aber Liebe ist ein so universell benutztes Wort:
Heimatliebe
Partnerliebe
Liebe zur Musik oder einem anderen Fach
Liebe zur Kunst oder Technik.


Weil der Begriff so emotional besetzt ist wird er in der Werbung oft benutzt und das schwächt den Zauber des Begriffes.

Ja, mehr fällt mir gerade nicht ein, obwohl es sicher noch vieles gäbe.

Zum Beispiel wo die Liebe anfängt: Bei einem selbst.

Wenn Du Dich selbst nicht liebst, warum sollten Dich andere lieben, also fange bei Dir an und sieh, wie Du auch andere bist.
Es gibt nur ein Mensch und Milliarden Kopien davon mit diversen Kopierfehlern.
Einst glaubte ich zu wissen, heut weiss ich, dass auch dies ein Glaube war.

Offline kunstmalerdon

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #2 am: Januar 02, 2014, 00:39:23 Vormittag »
Ja, mimputz, Du hast so herrlich  aus der Empfindung heraus geantwortet. Liebe das ist etwas ganz Vielgestaltiges - etwas von dem jeder eine mögliche Dimension erfasst zu haben glaubt. Aber das ist ja auch das Faszinierende: Aus den vielen einzelnen Facetten kann eine sich ständig wandelnde neue Einheit entstehen. Ich selber möchte noch mehr erfahren über das Verhältnis von Eltern und Kinder in der Liebe oder der mangelnden Liebe. Aber auch in der Beziehung von Eheleuten im Laufe der Zeit. Was wird aus der überschäumenden Liebe in der Zeit der ersten Begeisterung. Und wie verhält sich Liebe im Ehealltag. Welche Wandlung erfährt sie oder wo wird sie zum inhaltlosen Wortgestammel?
Don
kunstmalerdon

Florida

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #3 am: Januar 02, 2014, 02:20:57 Vormittag »
Liebe ist ein Gefühl, das nur über die Wahrnehmung als solche und, wie Du sagst, über unzählige interpretierende, klug gemeinte Definitionen, also Worte verstanden wird. Aber im Prinzip ist sie rein individuell. Wenn Du "Liebe" sagst, dann weiß ich nur, was ich darunter erlebe, verstehe und das kann bei Dir völlig anders sein, weil Du anders erlebt und verstanden hast.
Um ein individuelles Gefühl zu messen, dazu fällt mir eine Skala von 0 (nichts)-100 (das stärkste, je empfundene Gefühl von Liebe) ein, auf der man sich in Bezug auf einen Fokus selbst überprüfen kann. Wobei garantiert, wie gesagt, Deine "100" weitaus mehr oder weniger als meine "100" oder die eines jeden anderen ist.
Warum jemand jemanden mehr, weniger, gar nicht oder anders liebt - das hängt mit dem Universum "Mensch" zusammen, über das es in in diese Richtung viele wissenschaftliche Forschungen, Beweise oder Theorien gibt, die ich Dir hier ersparen möchte, um den Mythos "Liebe" nicht zu entzaubern.
PS: Und so wirklich will man das auch gar nicht wissen....- weil man sich dazu selbst aufblättern, lesen und vor allem - verstehen müßte:
Warum bin ich so wie ich bin?
« Letzte Änderung: Januar 02, 2014, 02:27:34 Vormittag von broilerin »

Offline mimPutz

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #4 am: Januar 02, 2014, 02:25:20 Vormittag »
Ich weiss nicht, ob ich mit meinen 59 Jahren einen gut 20 Jahre Älteren etwas lehren kann, ich kann nur versuchen auf die Fragen einzugehen:

"Was wird aus der überschäumenden Liebe in der Zeit der ersten Begeisterung."
Jeder Verhaltensablauf, sei es zwischen zwei lebendigen Partnern, sei es zwischen einem lebendigen Partner und einem Partner z.B. einer Arbeit, einer schöpferischen Tätigkeit, einem Untersuchungsobjekt, bekommt mit der Zeit eine gewisse Routine.
Während man anfangs noch herum suchen muss nach Worten oder Methoden, mit denen man das Gegenüber dahingehend beeinflussen kann was man selbst will, spielt sich dies ein und man kommt routiniert zum Punkt, die Abläufe werden uniformer und es kann sogar Langeweile und Lust auf Abwechslung auftreten, selbst zwischen Eltern und Kindern, Schülern und Lehrern, Chefs und Angestellten.
Das ist ein Prozess und ein Problem, welches man auf ganz verschiedene Weise angehen kann.

Hat sich die Routine eingestellt, gehen alle Abläufe sicherer vonstatten, man fühlt sich sicherer dem Partner gegenüber, selbst wenn der Partner ein Turngerät oder ein Berg ist, welchen man bezwingen will. Mit der Sicherheit kommt auch die Lust, mehr zu riskieren, oft verbunden mit mangelnder Vorsicht, dann passiert oft etwas, das die Zukunft ganz anders aussehen lässt als man geplant hatte.

Vielleicht ist ein Ehepartner dann noch in der Lage, seine Treue trotz einem verletzten Partner, z.B. mit Querschnittslähmung beizustehen und ihn immer noch zu lieben. Ist der Partner aber z.B. ein Musikinstrument und man verliert z.B. zwei Finger, geben viele auf. Django Reinhard, der Sohn von Schnuckenack Reinhard (einem Virtuosen auf der Violine) der selbst Gitarre gespielt hat, hat den Hauptteil seiner Karriere mit drei Fingern an der linken Hand absolviert.
hier hat er zwar noch alle, aber ich weiss nicht oib er sie normal bewegen kann (oder fehlt da links nicht der kleine Finger und ein Teil des Ringfingers?)

Es kommt auch darauf an, wie sehr jemand vo dem Partner dieser Beziehung abhängig ist, ob die Beziehung aufrecht erhalten wird oder geändert.
Eine Beziehung hört nie auf, selbst wenn ein Partner stirbt, lebt in der Psyche des anderen die Beziehung weiter. Das kann man gut beobachten, wenn man z.B. zu zweit je eine Beziehung zu jemandem Dritten hat und sich nach 20 Jahren über die Anfänge unterhält.
So was kann sogar Streit geben: Wer hat recht mit seiner Version der Erlebnisse?
Selbst eine Beziehung, von der der Partner gar nichts weiss (wie es beim ganzen Fanpublikum von Fussball über Film zu Rockgrössen oder berühmten Klassikern oft vorkommt) lebt weiter wenn man älter wird. Man sieht sich dann auch nicht mehr in derselben Position, vielleicht findet man sich selbst albern, sich in eine Comicfigur verliebt zu haben oder in Old Shatterhand — dennoch bleibt die Liebe zu dem was diese Figur für einen bedeutete bestehen.


"Und wie verhält sich Liebe im Ehealltag."
Das habe ich oben gerade mit erklärt:Routine stellt sich ein. Es bedarf besonderer Begabungen, Routine zu vermeiden.


"Welche Wandlung erfährt sie oder wo wird sie zum inhaltlosen Wortgestammel?"
Mögliche Wandlungen sind z.B. eine Vertiefung der Beziehung. Man lernt einander immer besser kennen, kennt des anderen Gedanken im Voraus und lässt sich nicht mehr so leicht überraschen, man kann zusammen wachsen zu einem Team, in dem einer ohne den anderen gar nicht mehr aktionsfähig ist in nunmehr gewohnter Weise.
Wenn einem solchen Team eine Änderung aufgezwungen wird vom Schicksal, kann es zu einer totalen Umgestaltung des Lebens kommen.
Man könnte Beispiele aufzählen, aber ich lasse das lieber, denn dieser Stoff füllt gut die Hälfte der Literatur und Spielfilme.

@ Broilerin:
"PS: Und so wirklich will man das auch gar nicht wissen...."

Doch, interessant ist es unbedingt, denn man hängt ja nicht in lauter Zweierkisten, sondern bilden die Beziehungen ein soziales Geflecht, und da Liebe abhängig acht macht sie auch erpressbar.
Jemand kann seine Attraktivität nutzen, um von anderen zu erhalten as er/sie wünscht, und wenn er/sie es erhalten hat, die Beziehung als beendet erklären.
Nicht dass so jemand nicht geliebt hat, vielleicht gerade so sehr wie der ausgenutzte Partner, nur gibt es eben in jeder Beziehung auch ein Gewinn-Verlust Verhältnis, und wenn dieses im Ungleichgewicht steht kann es die Beziehung beenden, es kann sie aber auch zusammenhalten, je nachdem wie das Ungleichgewicht gestaltet ist.
« Letzte Änderung: Januar 02, 2014, 02:34:25 Vormittag von mimPutz »
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Offline kunstmalerdon

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #5 am: Januar 02, 2014, 09:57:20 Vormittag »
Danke mimputz für die viele Arbeit, die Du Dir mit Deiner wohlüberlegten Antwort gemacht hast. Und natürlich kannst Du auch mich etwas lehren, denn ich gestehe dass ich sogar von meinem 7 jährigen Enkel etwas lernen durfte.
Deine Gedanken werde ich noch etwas sacken lassen, und vielleicht kommt ja noch die eine oder andere Meinung dazu, dann werde ich noch einmal Stellung beziehen.
Erst einmal Dir und allen anderen, die mit mir im vorigen Jahr so viele Gedanken ausgetauscht haben
"Danke" und ein mit vielen neuen Erkenntnissen ausgefülltes  "Neues Jahr"!
Don
kunstmalerdon

Offline krabbi

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #6 am: Januar 02, 2014, 17:52:08 Nachmittag »
 :gf: don   :good: :friends:


 :ga: mumpitz  :clapping:
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Offline mimPutz

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #7 am: Januar 02, 2014, 19:37:16 Nachmittag »
 :danke: kunstmalerdon
und  :danke: krabbi

und entschuldigt bitte alle, welcher romantische Ader durch meine eher biologische Analyse verletzt wurde. Absicht war das nicht.
Anderseits finde ich es doch auch gut, jenen Gefühlen und Trieben, welche uns so sehr abhängig machen, dass man uns damit benutzen kann wie beliebige Werkzeuge zu beleuchten, um uns etwas von den Abhängigkeiten zu lösen.

Wenn auch zugegebenermassen dadurch die euphorischen Achterbahnfahrten langweiliger werden.
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Offline krabbi

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #8 am: Januar 03, 2014, 01:18:40 Vormittag »
nö mimputz, für deine "eher biologische analyse" brauchst du dich nicht zu entschuldigen, da du es ja völlig richtig und nachvollziehbar erklärt hast :yes:.
die "romantische ader" kannst du damit gar nicht verletzen, denn wenn sich jemand frisch verliebt, denkt sie/er ganz sicher nicht über die analyse nach...... :first_move: :girl_in_love: :tender:
weiß doch jeder, dass dann das hirn nicht so gänzlich in funktion ist.... :laugh:
und was danach kommt, ist eh bloß wieder erfahrungssache ;)

mir gefiel deine analyse total! recht haste :yes:    :danke:
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Offline mimPutz

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #9 am: Januar 03, 2014, 09:23:03 Vormittag »
Darum kennt man ja auch den Liebesrausch. Wenn man sich zu sehr darauf einlässt werden auch die Entzugserscheinungen danach umso schmerzhafter, wie bei jedem anderen Rausch.
Das Besondere am Liebesrausch ist, dass eine Fantasie des berauschenden Objektes vollkommen genügt, den Rausch zu reaktivieren, dies ist bei Nikotin oder Alkohol nicht der Fall, aber z.B. bei Phobien reicht auch die Vorstellung eines Angst auslösenden Objektes, um Angstreaktionen zu bewirken, vom Zittern bis zum Fluchtversuch oder Gegenangriff.

Insofern gleicht Liebe einer psychischen Erkrankung mehr als einer materiell begründeten Sucht.
Auch wenn Liebe die Ausschüttung von Endorphinen bewirkt, welche ähnliche Wirkungen wie Opiate haben, ist das eine in der Evolution entwickelte Notwendigkeit.
Wenn bei der Entwöhnung, um wieder den gewohnten Tagesablauf bewerkstelligen zu können, gleich ein Bruch der Beziehung erfolgt, fördert das biologisch die Nachwuchsbildung mit verschiedenen Partnern.
Normal ist das aber nicht, sondern hat man sich im Liebesrausch bereits so vielseitig verpflichtet und abgesichert, dass man nun dieses Pflichtprogramm absolvieren muss, welches einem im Rausch sogar willkommen war, danach lästig wird.

Entweder kann man darauf eingehen und seinen Pflichten nachkommen mit dem Bewusstsein um die Wichtigkeit für die sich einfindenden Nachkommen — oder man kann davon laufen oder dazwischen sich langsam auseinander leben, Letzteres ist wohl der Normalzustand.

Es gibt aber auch Personen, welche die Liebe irgendwie transzendieren und erhalten können, auch wenn die Endorphine nicht mehr locken.

Transzendierte Liebe ist eine Meditationsform, ein meditatives Leben, welches sehr viel Toleranz und Verständnis sowie Geduld bis Leidensfähigkeit verlangt, aber sie ist ein guter Boden für eine glückliche Existenz.  Sicher nicht der einzige existierende Boden.
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Offline krabbi

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #10 am: Januar 08, 2014, 01:28:32 Vormittag »
 :yes: genauso ist es.

Es gibt aber auch Personen, welche die Liebe irgendwie transzendieren und erhalten können, auch wenn die Endorphine nicht mehr locken.

genau das ist, meiner meinung nach, der inbegriff von liebe!

alles andere endet doch eher in oberflächlichkeit....
oder in egoismus? oder dem drang nach 'neuem'?
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Offline Teufelchen

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #11 am: Januar 09, 2014, 00:02:37 Vormittag »
LIEBE - so richtige, echte, wahre Liebe hat nichts mit Sex, Hormonen oder Endorphinen zu tun.

Wahre, echte Liebe ist ein Sichaufgeben für den Anderen.
Ein stetes Für-Ihn-Dasein - ein Sichzurücknehmen, ein unendliches Pflegen, Helfen, Dasein.

Liebe überwindet alles, erträgt alles, akzeptiert alles.
Liebe ist endlos.
Aber nur die ECHTE LIEBE.

Wovon die Menschn meistens labern, ist alles andere als Liebe.

Ich weiß das jetzt - nach 7 Jahre langen Jahren der Pflege meines geliebten dementen Mannes........
De gustibus non est disputandum!

_________________________________________________ __

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Offline mimPutz

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #12 am: Januar 09, 2014, 06:51:42 Vormittag »
Eine Lebenseinstellung
Aber Aufopferung sollte nicht verlangt werden.
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Offline Ostseefrollein

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #13 am: Januar 09, 2014, 10:13:10 Vormittag »


Mein Mann pflegt mich jetzt seit 10 Jahren; ich bin gerade mal 53 Jahre alt.

Aber wegen meiner diversen Malaisen ist meine Lebenserwartung nicht allzu

hoch, so dass er dann vielleicht sein Leben irgendwann noch ein bisschen genießen kann.


Sich aufgeben und Selbstaufopferung sind in meinen Augen nicht die hervorragendsten

Merkmale für unverbrüchliche Liebe. Vielmehr hat Liebe meiner Meinung nach

vor allem mit Respekt für den Partner zu tun und mit der großen Bereitschaft,

sich auch mal auf einen Kompromiss einzulassen. Wir sind nun seit 30 Jahren

verheiratet, in fabelhaft guten und in sehr schlechten, beschis.... Zeiten. Im

Prinzip gibt mein Mann mir in der jetzigen Situation etwas zurück, denn die

ersten Jahre unserer Ehe habe ich beruflich zurückgesteckt, damit er an seiner

Karriere und an seinem Weiterkommen feilen konnte - ich habe damals dafür

gesorgt, dass er den Rücken frei hatte, habe mich um alles Private gekümmert,

seine Buchhaltung gemacht, seine Termine gemanagt, Mitarbeiter und deren

Partner/innen jederzeit verköstigt und den Laden am Laufen gehalten.


Genau dafür ist er nun zuständig, da ich nicht mehr in der Lage dazu bin.

Aber es war und ist uns trotz der jahrzehntelangen Nähe und Hingabe

immer extrem wichtig gewesen, dass jeder seine Persönlichkeit wahren kann.

Wir sind nicht wie Kletten aneinander geklebt, haben auch allein Reisen

unternommen, Freunde besucht oder eigene Interessen gehabt - wobei

wir danach immer beide betont haben, wie viel schöner es zu Zweit ist.


Selbstaufgabe habe ich bei meiner Mutter erlebt, die meinen Vater über

zehn Jahre lang bis zu seinem Tod im Jahr 2005 aufopferungsvoll versorgt

und gepflegt hat. Mehrmals ist sie dabei zusammengebrochen, war am

Ende ihrer Kräfte. Es hat viele Jahre gedauert, bis sie wieder in ein normales

Leben zurückgefunden hat, bis sie wieder an sich gedacht und geglaubt hat!!


Heute ist sie 85 Jahre alt, lebt in einem Seniorenheim und blüht von

Jahr zu Jahr mehr auf, vielleicht wird sie so alt wie ihre Mutter, meine Oma.

Die ist mit 101 Jahren gestorben! Ach ja, meine Eltern haben sich kennen und

lieben gelernt, als sie beide noch in der Schule waren, haben die Wirren des

Krieges überstanden, inklusive jahrelanger Trennung wegen der Gefangenschaft

meines Vaters. Sie haben sich geliebt bis über den Tod hinaus.


Meine Schwiegereltern haben 2013 ihren 70. Hochzeitstag gefeiert und lieben sich wie am ersten Tag!!

LG vom Ostseefrollein :Lilly:


Also spricht der Fatalist: Du musst werden wie Du bist.
*Wilhelm Busch*


Offline Petra

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Re: Was ist Liebe?
« Antwort #14 am: Januar 09, 2014, 13:37:27 Nachmittag »
Wer wirklich liebt, der opfert sich automatisch auf.

 

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