Autor: Gast Thema: Philosophie  (Gelesen 2164 mal)

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mona1231

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Philosophie
« am: März 24, 2009, 15:32:04 Nachmittag »
Hätte der Mensch die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er alles genauso machen wie beim ersten Mal?
Würde er gravierende Fehler beim zweiten Mal unterlassen?
Oder ist es eher so, dass wir nicht aus unserer Haut können und alles wieder genauso machen würden?
Sind wir Gefangene unseres Selbst?


Offline Sternenfee

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Re: Philosophie
« Antwort #1 am: März 24, 2009, 15:34:59 Nachmittag »
 :gf:
Zu  dieser Frage bin ich an unterschiedlichen Tagen genau entgegengesetzter Meinung. Ja, ich denke schon, man würde aus seinen Fehlern lernen. Aber man schöpft ja immer aus denselben Resourcen. Also würden man vermutlich immer wieder in einer ähnlichen Richtung landen.

Offline esse-est-percipi

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Re: Philosophie
« Antwort #2 am: März 24, 2009, 16:15:18 Nachmittag »
 :gf:

Das hängt vom Menschenbild ab, das man hat. Nehmen wir einmal drei verschiedene Typen an:

M1 ist eine dem Determiniusmus unterliegende Maschine, dessen Tun vollständig durch Naturgesetze bestimmt wird, deren Kenntnis prinzipiell eine Vorhersagbarkeit ermöglicht.

M2 ist ein volutaristisches impulsives Wesen, das aus dem Bauch heraus entscheidet und dessen momentaner Wille sein Handeln bestimmt.

M3 ist ein abwägender Typ, der seine Entscheidungen an der rationalen Erfassung und sittlichen Bewertung mehrere Handlungsoptionen ausrichtet und sich aus einem begründungsfähigen Standpunkt heraus für eine von mehreren ihm bekannten Handlungsmöglichkeiten entscheidet.

Hätte M1 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er alles genauso machen wie beim ersten Mal.

Hätte M2 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit alles genauso machen wie beim ersten Mal.


Hätte M3 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit manches anders machen als beim ersten Mal.


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Offline Hansjoachim

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Re: Philosophie
« Antwort #3 am: März 24, 2009, 16:53:49 Nachmittag »
Ich hatte vor längerer Zeit die Möglichkeit zu einem Neuanfang. Ich habe aus meiner Erfahrung gelernt und die gleichen Fehler vermieden. Dafür sind aber neue Fehler dazugekommen.
Wenn selbst die (fast) allwissenden Ärzte ahnungslos werden, merkt der Mensch schnell, dass er nur ein Staubkorn ist.

Online Petra

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Re: Philosophie
« Antwort #4 am: März 24, 2009, 17:07:55 Nachmittag »
 :gf:

Einerseits will man Fehler vermeiden um bekannten Konflikten aus dem Weg zu gehen, andererseits hält man aber immer am "Alten" fest.
Veränderung bedeutet auch Neuanfang und das ist unbequem.
Viele suchen auch  nach gleichen Konfliktsituationen, weil sie der Meinung sind, es diesmal besser lösen zu können und alte Fehler sich nicht wiederholen würden......
Aus diesem Grund fallen viele Frauen auch immer wieder auf die selben Typen rein.....

mona1231

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Re: Philosophie
« Antwort #5 am: März 24, 2009, 17:52:15 Nachmittag »
Zitat
M1 ist eine dem Determiniusmus unterliegende Maschine, dessen Tun vollständig durch Naturgesetze bestimmt wird, deren Kenntnis prinzipiell eine Vorhersagbarkeit ermöglicht.

M2 ist ein volutaristisches impulsives Wesen, das aus dem Bauch heraus entscheidet und dessen momentaner Wille sein Handeln bestimmt.

M3 ist ein abwägender Typ, der seine Entscheidungen an der rationalen Erfassung und sittlichen Bewertung mehrere Handlungsoptionen ausrichtet und sich aus einem begründungsfähigen Standpunkt heraus für eine von mehreren ihm bekannten Handlungsmöglichkeiten entscheidet.

Hätte M1 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er alles genauso machen wie beim ersten Mal.

Hätte M2 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit alles genauso machen wie beim ersten Mal.

Hätte M3 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit manches anders machen als beim ersten Mal.

 :ga:

Ich bin wohl eher M3.

Bin durch Sartre auf die Frage gekommen.

Offline esse-est-percipi

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Re: Philosophie
« Antwort #6 am: März 24, 2009, 18:47:00 Nachmittag »
Wie beantwortet Sarte denn die Frage? Oder stellt er sie nur?
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blaueelise

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Re: Philosophie
« Antwort #7 am: März 24, 2009, 20:22:46 Nachmittag »
:gf:

Das hängt vom Menschenbild ab, das man hat. Nehmen wir einmal drei verschiedene Typen an:

M1 ist eine dem Determiniusmus unterliegende Maschine, dessen Tun vollständig durch Naturgesetze bestimmt wird, deren Kenntnis prinzipiell eine Vorhersagbarkeit ermöglicht.

M2 ist ein volutaristisches impulsives Wesen, das aus dem Bauch heraus entscheidet und dessen momentaner Wille sein Handeln bestimmt.

M3 ist ein abwägender Typ, der seine Entscheidungen an der rationalen Erfassung und sittlichen Bewertung mehrere Handlungsoptionen ausrichtet und sich aus einem begründungsfähigen Standpunkt heraus für eine von mehreren ihm bekannten Handlungsmöglichkeiten entscheidet.

Hätte M1 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er alles genauso machen wie beim ersten Mal.

Hätte M2 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit alles genauso machen wie beim ersten Mal.


Hätte M3 die Möglichkeit an eine Punkt seines Lebens neu ein zu steigen, also quasi von vorn an zu fangen, würde er mit großer Wahrscheinlichkeit manches anders machen als beim ersten Mal.



:gb:

mona1231

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Re: Philosophie
« Antwort #8 am: März 26, 2009, 08:37:07 Vormittag »
Zitat
Wie beantwortet Sarte denn die Frage? Oder stellt er sie nur?

Sarte sagt, dass der Mensch nicht aus seiner Haut kann. Er macht dieselben Fehler, allerdings nicht weil er nicht in der Lage ist zu lernen, sondern weil die gesellschaftlichen und ethischen Zwänge ihn hindern, anders zu handeln.

Offline Sternenfee

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Re: Philosophie
« Antwort #9 am: März 26, 2009, 09:35:14 Vormittag »
Wenn ich ganz streng mit mir selbst über meine Fehler nachdenke, hatten die aber recht selten was mit den gesellschaftlichen und ethischen Zwängen zu tun. Es ist nur einfach so, daß man am Scheideweg nicht immer sämtliche Konsequenzen der jeweiligen Entscheidungen schon überblicken kann.
Daß man nicht aus seiner Haut heraus kann, ist allerdings richtig. Auch Begabungen und Fähigkeiten,  die man nicht hat, kann man sich nicht wirklich willentlich zulegen.

Offline esse-est-percipi

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Re: Philosophie
« Antwort #10 am: März 26, 2009, 09:41:10 Vormittag »
Da kann ich der Sternenfee nur beipflichten. Wenn man wie Sartre einen gesellschaftlichen Determinismus vertritt, wäre damit dem Politischen, dem Sozialen, ja der Geschichte der Boden entzogen. Denn ob man den Determinismus naturwissenschaftlich denkt oder soziologisch: Veränderung als Resultat ethischer Einstellungen und sozialer Entscheidungen wären dann nicht möglich. Der sogar weitgehend friedliche Zusammenbruch der Unrechtsregime des ehemaligen Ostblocks lehrt uns doch das Gegenteil.
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mona1231

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Re: Philosophie
« Antwort #11 am: März 26, 2009, 11:17:16 Vormittag »
Im Grunde genommen ist die Frage gar nicht zu beantworten.
Wann bekommen wir die Chance zu einem Neuanfang?
Jeden Tag, und somit auch die Möglichkeit aus unseren Fehlern zu lernen.
Nun stirbt der Held der Geschichte und bekommt nach seinem Tod eine zweite Chance, eine Situation in die wir uns kaum hinein versetzen können.
Nun sind wir allerdings die Person, die wir sind, durch die Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit getroffen haben. Hätten wir uns anders entschieden, auch nur ein einziges Mal, wären wir anders, würden anders denken.
Von meinem jetzigen Standpunkt aus, würde ich natürlich sagen, ich würde Dinge anders machen. Kann das aber nur von meinem jetzigen Standpunkt aus, weil ich keinen anderen habe.

Offline Sternenfee

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Re: Philosophie
« Antwort #12 am: März 26, 2009, 11:35:38 Vormittag »
Aber wer von uns denkt nicht hin und wieder mal darüber nach, was man selbst wohl aus der Möglichkeit einer Zeitreise machen würde. Wir hatten das ganze erst kürzlich anläßlich eines runden Geburtstages durchexerziert. Natürlich ist hier vor allem der Wunsch Vater des Gedanken.

mona1231

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Re: Philosophie
« Antwort #13 am: März 26, 2009, 12:03:09 Nachmittag »
Ja, das ist natürlich dann wieder etwas ganz anderes.
Hätten wir allerdings die Möglichkeit es tatsächlich zu tun, sieht die Geschichte dann wieder ganz anders aus.

Offline kunstmalerdon

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Re: Philosophie
« Antwort #14 am: April 09, 2009, 10:34:00 Vormittag »
Diese Frage hat mich zu einer neuen Frage gebracht, die ich grade unter dem Titel Utopia neu gestellt habe.
Ich hoffe, dass ich da einige Beiträge bekomme.
Für mich gab es in meinem Leben verschiedene neue Anfänge, die ich meist gesucht habe, oder für die ich zumindest offen gewesen bin.
Ich habe ein zweite Frau für mich gefunden. Ein wirklicher beglückender Neu-Anfang. Dabei kann ich nicht sagen, dass ich zu  meiner ersten Frau nicht gepasst habe. Aber ich war wohl noch nicht lebenserfahren genug.
Dann habe ich verschiedene Berufe ausgeübt. Zum einen Rechtsanwalt, durchaus erfolgreich. Dann aber auch Gastwirt; für vier Jahre habe ich hinter meinem eigenen Tresen gestanden. In dieser Zeit habe ich am eigenen Leib erfahren, dass Gastwirte und Prostituierte die wahren praktizierenden Psycholgen sind. Dann war ich "Weltenbummler" mit meinem Reisemobil für 5 Jahre und habe in dieser Zeit viele Berufe ausgeübt. Vom selbständigen Reiseleiter in der Türkei bis zum Teppichverkäufer und Unterhaltungsmusiker im Lokal mit meinem Akkordeon.
Dann habe ich eine neue Diät  entwickelt, ein Kochbuch dazu geschrieben und verkauft, Ich habe später meine Ausbildung als Heilpraktiker gemacht dabei NLP und Hypnose-Ausbildung. Und auch noch wieder im alten Beruf Leiter der Rechtsabteilung in einem Unternehmen.
Jetzt schreibe ich Geschichten und Gedichte für mein neues Buch.
Ich habe das erzählt, weil ich gerne zeigen möchte, dass es Menschen gibt, die wie ich viele "Neue Anfänge" haben, weil sie sie wollen.
Für mich ist dabei interessant festzustellen, dass ich selbst dennoch immer der "Alte Don" geblieben bin. Aber ich glaube niemand war am Anfang erstaunter als ich selber, wie viele unterschiedliche Seiten doch in einem Menschen stecken. Selbst als ich so mit 50 Jahren glaubte mich selber einigermassen zu kennen, bin ich auf meine große Reise gegangen und habe da erst angefangen zu malen. Ach ja, 12 Jahre Malunterricht habe ich auch noch gegeben. Und nächsten Monat habe ich wieder zwei neue Ausstellungen hier in Berlin.
Die neuen ANfänge waren immer auch neue Umgebungen, neue Menschen um mich und damit auch neue Erfahrungsmöglichkeiten. Ich habe dazu nur mich selber gebraucht und konnte auf eine Zeitreise verzichten, aber reizen würde mich so etwas auch.
Don
kunstmalerdon

 

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